Themenbild des Deutschen Jugendliteraturpreises 2019 - ein Phantasie-Tier mit Taschenlampe

"Und der Gewinner ist ... einfach schön und poetisch." Alle Siegertitel des Deutschen Jugendliteraturpreises haben eine Gemeinsamkeit. Sie sensibilisieren für die Schönheit des Lebens und hören auf die leisen Töne. Die Sonderpreise rücken die Illustrationskunst in den Fokus.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Deutscher Jugendliteraturpreis verliehen

Kinder sitzen auf einem Teppich und lesen
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Für sein Gesamtwerk ist am Freitagabend auf der Frankfurter Buchmesse der Illustrator Volker Pfüller ausgezeichnet worden. "Was mir gut gefällt ist, dass ich in meinem Alter mit der Jugend in Verbindung gebracht werde", freute sich der 80-Jährige.

"Sein zeichnerisch versierter Stil und seine sichere Technik haben unverkennbare Spuren in der zeitgenössischen kinder- und jugendliterarischen Illustration hinterlassen", begründete die Sonderpreisjury die Entscheidung. "Während seine Bilder zuweilen an Otto Dix und George Grosz erinnern, haben umgekehrt sein moderner Zeichenstil und seine Illustrationskunst andere geschult und inspiriert."

In der Kategorie Bilderbuch hat "Polka für Igor" von Iris Anemone Paul, (kunstanstifter, 24 Euro) gewonnen. "Das ist mein allererstes Buch. Ich bin total perplex und ich freue mich unglaublich", sagte Paul bei der Preisverleihung. In der Sparte "Kinderbuch" geht die Auszeichnung an "Vier Wünsche ans Universum" von Erin Entrada Kelly, übersetzt von Birgitt Kollmann (dtv Hanser, 14.95 Euro).

Leise und ernste Töne überzeugen die Jury

"Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen" heißt der Gewinner in der Kategorie "Jugendbuch" (Thienemann, 15 Euro). Autor Steven Herrick war am Abend nicht in Frankfurt, doch der Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn nahm den Preis entgegen. "Ich dachte eigentlich, dass dieses leise, besondere Buch, das in Versen geschrieben ist, keine Chance hat. Und jetzt stehe ich doch hier."  

Anja Reumschüssel wurde mit dem Jugendliteraturpreis 2019 in der Kategorie Sachbuch für "Extremismus" ausgezeichnet (Carlsen, 6,99 Euro). "Ich hoffe, dass es von vielen gelesen wird, vor allem von denen, die dafür anfällig sind", wünscht sich die Autorin und Journalistin. "Ich komme ja aus dem Osten und verstehe, wo bei vielen diese Wut herkommt." Die Entscheidung über die Preisträger in diesen vier Kategorien hatte eine neunköpfige Kritikerjury getroffen. Jede Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Schizophrenie-Erkrankung als Vater-Sohn-Projekt verarbeitet

Ein weiterer Preis wurde von einer Jugendjury vergeben. Gewinner ist in dieser Kategorie "Kompass ohne Norden" von Neal Shusterman (Text) und Brandan Shusterman (Illustration) in der Übersetzung von Ingo Herzke (Hanser-Verlag, 19 Euro). In dem Buch arbeiten Vater und Sohn die eigene schwierige Familiengeschichte auf. Illustrator und Sohn Brandan Shusterman ist an Schizophrenie erkrankt. "Die Zeichnungen von Brandan helfen zu verstehen, was in seinem Geist vorgeht. Der Text seines Vaters ist sprachlich so faszinierend und spielt mit der Sprache, das machte viel Spaß das zu übersetzen", freute sich Übersetzer Ingo Herzke am Freitag bei der Preisverleihung.

Der Sonderpreis für "Neue Talente" ging an Iris Anemome Paul für "Polka für Igor". "Was gut ist, setzt sich einfach durch", kommentierte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) den zweiten Preis des Abends für Illustratorin Paul.