Michelle Hunziker zeigt ihr Buch "Ein scheinbar perfektes Leben" in die Kamera
Michelle Hunziker stellt ihr neues Buch "Ein scheinbar perfektes Leben" auf der Buchmesse 2018 vor. Bild © Johannes Gregor (hessenschau.de)

Viele Jahre lang hat die erfolgreiche Moderatorin Michelle Hunziker ein Geheimnis verborgen: Sie gehörte früher einer Sekte an. Mit ihrem ersten Buch will sie andere vor solch einem Fehler bewahren, wie sie auf der Frankfurter Buchmesse erzählt.

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Als Michelle Hunziker durch die Seitentür in den Raum kommt, wo ihre Pressekonferenz stattfindet, drängen sich die Fotografen und Kamerateams bereits bis zu ihrer kleinen Bühne. Es blitzt immer wieder, Fotografen rufen ihren Namen. Pressevertreter zücken ihre privaten Smartphones. Hunziker wirft ihre Haare zurück und setzt ihr Zahnpasta-Lächeln auf.

Die Moderatorin stellt auf der Frankfurter Buchmesse ihr erstes Buch vor: "Ein scheinbar perfektes Leben". Hunziker, die als Moderatorin für "Wetten, dass...?" auf der Bühne stand, wirkt ein wenig nervös. "Ich fühle mich wie ein Fisch im falschen Wasser", sagt sie, schließlich sei das Buch eigentlich nicht ihr Medium. Autorin sei sie nicht, bloß Geschichten-Erzählerin - und in ihrem Buch "Ein scheinbar perfektes Leben" erzählt die 41-Jährige ihre ganz persönliche Geschichte.

Die Sekte zerstörte ihre erste Ehe

Und die Geschichte geht so: Hunziker war 20, glücklich verheiratet mit Italiens Frauenschwarm Eros Ramazzotti. Sie war Model, Fernsehmoderatorin und Mutter einer kleinen Tochter – nach außen hin schien alles perfekt. "Innerlich war ich aber ziemlich schwach", sagt Hunziker. Als ihr alkoholkranker Vater, mit dem sie sich gerade erst wieder versöhnt hatte, starb, verkraftete sie den Rückschlag nicht.

Hunziker geriet in die Psycho-Sekte "Krieger des Lichts", wie sie erzählt. Heute, mehr als zwanzig Jahre später, sieht sie sich als das "perfekte Opfer für eine Sekte". "Vielleicht war es nur eine kranke Suche nach Liebe", meint sie. Der Vater, der als Kind ihr Vorbild war, verwandelte sich mit dem Alkohol in "Dr. Hyde", ihre Mutter, die die Familie finanziell versorgte, schenkte ihr nicht die nötige Aufmerksamkeit.

Sektenleben mit veganer Ernährung und sexueller Abstinenz

"In der Sekte hatte ich das Gefühl, ich werde von Liebe überwältigt", sagt sie. Für Hunziker begann eine psychische Abhängigkeit. Die Sekte isolierte sie immer mehr von ihren Nächsten, das Handy wurde ihr abgenommen. Die Sekte erlegte Vorschriften: vegane Ernährung, sexuelle Abstinenz. Bei Verstößen folgten Bestrafungen. Als Eros Ramazzotti sie auffordert, sich zwischen ihm und der Sekte zu entscheiden, wählte sie ihre persönliche Droge.

Cover "Ein scheinbar perfektes Leben"
Bild © Bastei Lübbe

In Momenten der Einsamkeit kamen Hunziker erste Zweifel: "Doch sie hatten mich überzeugt, dass ich sterben würde, wenn ich gehe." Als sie zum Jahreswechsel 2006/2007 die Sekte langsam verließ, sah sie sich mit dem Tod konfrontiert. Schließlich verließe sie ihre Rolle als eine der "Auserwählten", wie man ihr glaubhaft gemacht hatte. Sechs Jahre lang war Hunziker Mitglied in der Sekte, über zwei Millionen Euro investierte sie in "Krieger des Lichts".

Neue Familie als Lebensmittelpunkt

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Heute ist ihr zweiter Mann Tomaso Trussardi, die beiden gemeinsamen Töchter und ihre 21-jährige Tochter mit Ramazzotti ihr Rückhalt im Leben: "Heute ist meine Familie alles für mich. Ich sage ihnen oft, wie lieb ich sie habe - fast too much".

Trotz ihrer Arbeit als TV-Moderatorin in Italien kümmert sie sich selbst um ihre Kinder, sagt Hunziker: "Ich weiß, ich arbeite viel. Aber der Sender, für den ich in Italien arbeite, ist nur zwei Kilometer von meinem Haus entfernt. Daher habe ich das Glück, die Kinder in die Schule bringen zu können und auch wieder abzuholen."

Ihr Verhältnis zur Religion sei heute "relaxt, entspannt", die Beziehung zu Eros Ramazzotti freundschaftlich.

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Michelle Hunziker sitzt lächelnd an einem Tisch auf auf einer Pressekonferenz.

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