Philip Waechter und sein Comic "Toni - und alles nur wegen Renato Flash"
Philip Waechter und sein "Renato Flash" Bild © Moni Port, Beltz & Gelberg

Es ist ein echtes Kinder-Dilemma, dem der Frankfurter Autor und Zeichner Philip Waechter seinen ersten "Toni-Comic" widmet. Was soll man tun, wenn der Wunsch nach den Blinke-Super-Duper-Turnschuhen groß ist, die Eltern aber nur den Kopf schütteln? Pfiffige Ideen müssen her!

Als Autor und Zeichner von Kinderbilderbüchern ist der Frankfurter Philip Waechter schon seit Jahren erfolgreich. Jetzt hat er seinen ersten langen Comic vorgelegt. "Toni - und alles nur wegen Renato Flash" erzählt von dem großen Wunsch eines kleinen Jungen. Seinen Problemen mit den Eltern und davon, wie schwierig es tatsächlich ist, sein wohlverdientes Geld am Ende auch zu behalten.

Buchcover Philip Waechter "Toni - und alles nur wegen Renato Flash"
Bild © Beltz & Gelberg

Toni ist Fußball-Fan. Und Toni wünscht sich nichts mehr als ein paar wundervolle Fußballschuhe. Die Schuhe nämlich, für die Superfußballer Renato Flash Werbung macht. Doch natürlich sind die Treter teuer und Tonis Mama mag das Paar nicht einfach so kaufen. Also überlegt der Kleine, wie er an Geld kommen kann, um sich selbst die Schuhe leisten zu können - denn immerhin blinken die bei jedem Schuss.

Geschichten aus dem Kinderalltag

"Mir war schnell klar, dass ich Geschichten aus dem Alltag eines Kindes erzählen möchte. Nah an der Realität, ohne Helden mit Superkräften und phantastische Welten", erklärt Philip Waechter. Und so fing er an, in seiner eigenen Kindheit nach selbst erlebten Geschichten zu suchen. Bald war die Ausgangsidee da und die beschäftigt sich mit der Frage, was macht ein Kind das sich sehnlichst das neue paar Fußballschuhe wünscht, die Eltern diesen Wunsch aber nicht erfüllen wollen oder können.

"Der Entschluss des Kindes, sich selbst um seine Angelegenheit zu kümmern und die Dinge in die eigene Hand zu nehmen, war Inspiration genug für allerhand Ideen und Geschichten."

Und so erzählt Philip Waechter die Geschichte aus der Perspektive von Toni. Nah dran am Erleben des kindlichen Hauptdarstellers. Er zeigt ihn mal als ungeschickten Straßenmusiker, mal als unerfahrenen Flohmarktverkäufer - nicht ohne selbstironische Anspielung. Um sich seinen Wunsch zu erfüllen, führt Toni Hunde aus und er macht sich darüber Sorgen, ob er einen gefundenen 20-Euro-Schein wirklich behalten darf - oder nicht.

Inspiration? Der eigene Sohn

Im Laufe der vergangenen Jahre hat Philip Waechter immer wieder kleinere Comics oder Comic-ähnliche Geschichten gezeichnet. Sprechblasen und Comic-typische Bilderfolgen finden sich in fast allen seinen Büchern. "Hinzu kommt aber auch, dass ich in den letzten Jahren Comics nochmal neu kennengelernt habe", ergänzt er.

"Durch Freunde, Kolleginnen und Kollegen, auch durch meinen eigenen Sohn habe ich Arbeiten der Franzosen Marc Boutavant und Guy Delisle kennengelernt. Aber auch die Bücher von deutschen Zeichnern wie Mawil oder Barbara Yelin, die mich auf unterschiedliche Weise fasziniert haben und die bei mir den Wunsch ausgelöst haben auch einmal einen 'richtigen' eigenen Comicband zu zeichnen", führt er aus.

Viel Liebe zum Detail

Für den Illustrator ist der Unterschied zwischen Bilderbuch und Comic nicht allzu groß. "Der Comic reiht Bild an Bild, Szene an Szene - ähnlich, wie bei einem Film - und er lebt von den Dialogen der handelnden Personen. Das, was ein literarischer Text im Bilderbuch inhaltlich und atmosphärisch vermittelt, muss ein Comic eher szenisch über die Bilder und Dialoge schaffen. Das liegt mir, weil ich aus dem erlebten Alltäglichen schöpfe", erklärt er.

Es sind die kleinen, feinen Details, die den Band so liebenswert machen. Philip Waechter ist ein guter Beobachter und er hat ein tolles Erinnerungsvermögen für die selbst erlebten Abenteuer und Enttäuschungen. Und natürlich hilft ihm auch, was sein Sohn gerade selbst erlebt.

Was ihm schwerer fällt ist das Konzeptionelle, Organisatorische. "Jedes Mal gibt es tausend Entscheidungen zu treffen: Wer erlebt die Geschichte? Wie sieht das Umfeld aus? Um was soll es gehen? Wie wird die Farbigkeit? Und, und und...", so Waechter.

Unfassbar viel Arbeit - die man leicht unterschätzt

Der Comic ist in einzelne Kapitel eingeteilt, die auch schon für sich alleine funktionieren würden. Eines davon ist in leicht gekürzter Fassung bereits im Frankfurter Kindercomic-Magazin Polle erschienen. "Alles will entschieden sein und zu jedem Zeitpunkt könnte auch immer wieder alles über den Haufen geworfen - und verändert werden", sagt Philip Waechter. "Nicht zu vergessen ist auch, dass das Zeichnen eines Comics unfassbar viel Arbeit sein kann. Das hatte ich unterschätzt. Daran nicht zu verzweifeln ist nicht immer ganz einfach."

Rechtzeitig zur Frankfurt Buchmesse ist der Band dennoch auf den Markt gekommen und trotz des enormen Aufwands spielt Waechter schon jetzt mit der Idee einer Toni-Fortsetzung. "Comics zu zeichnen macht soviel Spaß, das muss natürlich weitergehen."