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Audioseite Buchmesse-Boykott und Reaktionen

Riccardo Simonetti, Anabelle Mandeng und Nikeata Thompson haben ihre Auftritte abgesagt.

Nach der Absage der Autorin Jasmina Kuhnke zeigen sich nun weitere prominente Gäste solidarisch: Sie treten nicht auf der Frankfurter Buchmesse auf. Unter ihnen ist auch der bekannte Influencer Riccardo Simonetti.

Die Autorin und Internet-Aktivistin Jasmina Kuhnke machte den Anfang. Nun ziehen weitere Gäste nach: Weil auch rechte Verlage als Aussteller auf der Messe sind, haben am Mittwoch auch die Schauspielerinnen Annabelle Mandeng und Nikeata Thompson, der Influencer Riccardo Simonetti und der Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen ihre Absage bekannt gegeben.

Thompson, Simonetti und Krauthausen waren wie auch die Schwarze Deutsche Kuhnke, die als Erstes auf Twitter ihren Besuch aus Angst vor rechtsextremen Übergriffen zurückgezogen hatte, als Gäste auf der ARD-Buchmessenbühne eingeplant.

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Kritik: Buchmesse gibt Rechtsextremen eine Bühne

Thompson und Mandeng haben beide afrikanische Wurzeln und schreiben in ihren neuen Büchern über das Schwarzsein und den Kampf gegen Rassismus. Mandeng bezeichnete die verteidigende Haltung der Frankfurter Buchmesse in ihrem Instagram-Post zur Absage als "erschreckend". Rassismus und Antisemitismus hätten nichts mit Demokratie zu tun.

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Weil es kein Attribut ist, das auf die Hautfarbe zielt, sondern eine konstruierte politische und soziale Zuordnung, schreiben wir die Bezeichnung "Schwarz" in diesem Artikel groß. Schwarzsein ist in diesem Kontext verbunden mit gemeinsamen Rassismuserfahrungen und bedeutet keine Zuordnung zu einer ethnischen Gruppe.

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Thompson erklärte, dass nicht Meinungsfreiheit das "höchste Gut" in der Demokratie sein sollte, sondern die "Gleichberechtigung aller Menschen, der Zusammenhalt, die Solidarisierung und die gegenseitige Unterstützung". Stattdessen gebe die Buchmesse Rechtsextremen "unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit" eine Stimme und eine Bühne. Sie sagte ihren Besuch ebenfalls in einem Instagram-Post ab.

Influencer Riccardo Simonetti zeigte sich ebenfalls solidarisch und sagte seinen Besuch auf Instagram am Mittwoch kurzfristig ab: Wenn Autorinnen wie Kuhnke ihren Besuch absagen müssten, dann sei die Buchmesse "kein Ort, an dem ich mich wohl fühlen würde". Er drängte die Buchmesse, ihre Haltung in der Sache zu überdenken.

Am Dienstag hatten sich auch die Bildungsstätte Anne Frank, die ebenfalls auf der Buchmesse ausstellt, und die Landtagsfraktion der Linken der Kritik angeschlossen. Raul Krauthausen, der seine Absage am Mittwochabend mitteilte, hatte bereits bei der Pressekonferenz zur Buchmesse-Eröffnung vor "zu viel Toleranz gegenüber den Intoleranten" gewarnt.

Buchmesse hält an Präsenz rechter Verlage fest

Juergen Boos auf der Eröfffnungs-Pressekonferenz 2021

Die Frankfurter Buchmesse verwies am Mittwochmorgen wiederholt auf die Meinungs- und Publikationsfreiheit. "Sie sind die Grundlage dafür, dass der freie Austausch in unserer Demokratie und die Buchmesse überhaupt möglich sind", heißt es in einer gemeinsam veröffentlichten Erklärung der Buchmesse und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Verlage, die sich im Rahmen der Rechtsordnung bewegten, könnten auf der Messe ausstellen, "auch wenn wir ihre Ansichten nicht teilen". Weiter betonten die Veranstalter: "Das Verbot von Verlagen oder Verlagserzeugnissen obliegt in unserem Rechtsstaat den Gerichten, und nicht einzelnen Akteur*innen wie der Frankfurter Buchmesse." Zugleich erklärten Buchmesse und Börsenverein ihr Bedauern über die Absage einzelner Autorinnen und Autoren. "Ihre Stimmen gegen Rassismus und ihr Eintreten für Diversität werden auf der Frankfurter Buchmesse fehlen.

Kuhnke rief auf Twitter zum Boykott auf

Jasmina Kuhnke

Ins Rollen gebracht hatte die Kontroverse um die Präsenz rechter Verlage die 39-jährige Internet-Aktivistin Jasmina Kuhnke, im Netz als Aktivistin für Frauenrechte, gegen Rechtsextremismus und für Minderheiten bekannt. Auf ihrem Twitter-Account "Quattromilf" hatte sie andere Autoren und Autorinnen dazu aufgerufen, sich solidarisch zu zeigen und die Buchmesse zu boykottieren. Aus Angst vor rechtsextremen Angriffen auf ihre Person hatte sich dazu entschieden, nicht zur Buchmesse zu gehen.

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Autorinnen kritisieren Streitkultur in sozialen Netzwerken

Nach den Absagen äußerten sich Autorinnen auf der Buchmesse zu den Forderungen, die Buchmesse zu boykottieren. Sie kritisieren unter anderem, dass Twitter zur Polarisierung der Debatte beitrage.

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Sie hatte insbesondere den Verlag Jungeuropa kritisiert, der als Aussteller auf der Buchmesse ist. Der Verlag wird von dem Rechtsextremen Philip Stein geleitet. Kuhnke wollte auf der Messe ihr erstes Buch "Schwarzes Herz" vorstellen, das die (Diskriminierungs-)Geschichte einer Schwarzen Deutschen erzählt, die in Deutschland aufwächst. Aus Sicherheitsgründen wurde Kuhnkes Kommen jedoch zuvor nicht offiziell angekündigt - sie wird immer wieder persönlich angegriffen.

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