Melanie (r.) als Bösewicht Rob Lucci aus dem Anime "One Piece" mit einer Cosplay-Freundin

Für die Frankfurter Buchmesse legen sich die Cosplayer richtig ins Zeug. Aufwändig verkleidet als Comic-Helden oder Manga-Figuren genießen sie ihren Auftritt auf der Agora. Doch nicht alle haben Verständnis für das ungewöhnliche Hobby.

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Cosplayer auf der Frankfurter Buchmesse
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Das Schwert muss erst einmal zur Seite geschoben werden, bevor sich der Elbenmann im großen Saal des Congress Center auf dem Frankfurter Messegelände auf seinen Platz setzen kann. Hier findet am Buchmessen-Sonntag die Deutsche Cosplay Meisterschaft statt. Der vermeintliche Elbenmann gehört zu einer Gruppe von sechs Leuten und stellt eigentlich einen Hexer dar. Die Gruppe kommt aus Düsseldorf und spielt Charaktere aus dem Computerspiel "The Witcher".

Freude am Basteln und am Feedback

Die sechs Freunde haben sich beim Bogenschießen kennengelernt, erzählt Andrea. Vor einem Jahr hatten sie beschlossen, "das mit dem Cosplay" mal auszuprobieren. Die 32-Jährige verbrachte viele Stunden vor dem Fernseher mit Nähen, erzählt sie. Bei einem Kostüm hat sie viele unterschiedliche Brokatstoffe und Steine, die wie Edelsteine aussehen, vernäht. Ein Jahr lang hätten sie an den sechs Kostümen gearbeitet. Den meisten Spaß macht Andrea das Basteln. "Aber das Feedback freut einen auch total", sagt sie.

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Und davon bekommt sie in Frankfurt jede Menge. Denn die Frankfurter Buchmesse ist seit Jahren ein beliebter Treffpunkt für Cosplayer. Auch die Deutsche Cosplay-Meisterschaft findet hier statt. 17 Paare treten gegeneinander an - sie stellen Charaktere aus Animes, Videospielen und Filmen nach. Aber auch Barbie und Ken oder Marie Poppins sind am Start. Die Teilnehmer spielen samt Requisite einige Minuten lang eine Szene nach. Dabei geht es darum, den Charakter überzeugend zu verkörpern. Die Halle ist zwar voll, doch viele der Cosplayer tummeln sich trotzdem draußen auf dem Messegelände. Machen Selfies, lassen sich fotografieren - gerne auch von Fremden - und werfen sich direkt in Pose.

Cosplay-Trend "Crossplay"

So auch Melanie aus Waldshut-Tiengen in der Nähe von Freiburg. Sie trägt einen schwarzen Anzug, lange schwarze Haare und weiße Kontaktlinsen. Mit ihren aufgemalten strengen Augenbrauen und dem Männerbart sieht sie finster aus. Sie stellt den Bösewicht Rob Lucci aus dem Anime "One Piece" dar. Die Serie basiert auf der meistverkauften Manga-Serie. "Für einen 2-D-Character sieht der sehr männlich aus", sagt Melanie und lacht. Sogenanntes "Crossplayen" werde immer beliebter, erzählt die 24-Jährige - also, dass Jungs sich als weibliche Charaktere und Mädchen als männliche Charaktere verkleiden.

Melanie erzählt auch, dass viele der Cosplayer in der Community mehr aus sich herausgehen würden als im privaten Umfeld. Denn die Cosplay-Szene sei sehr tolerant und die Hemmschwelle niedrig, da man gleich eine Gesprächsbasis habe. Außerhalb der Cosplay-Szene stieße sie dagegen oft auf Unverständnis für ihr Hobby, erzählt Melanie. Sie geht auch ungern spätabends im Kostüm durch die Straßen. Da bekäme man schon mal den ein oder anderen komischen Spruch zu hören. "Ich hab' einen Job, mein Leben im Griff und trinke keinen Alkohol", betont die Mediengestalterin. Die Community sei zwar oft laut, gleichzeitig aber auch gewaltfrei, und Alkohol würde ebenfalls keine Rolle bei den Treffen spielen. "Schade, dass die Leute nicht so tolerant zu uns sind."