ie Schriftstellerin Elke Erb steht vor der Verleihung des Georg-Büchner-Preises vor dem Darmstädter Staatstheater.

Die Autorin Elke Erb ist am Samstag mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand im Darmstädter Staatstheater statt, wegen der Corona-Pandemie allerdings fast ohne Publikum.

Die Lyrikerin und Dichterin Elke Erb hat am Samstag in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis für ihr "unverwechselbares" literarisches Lebenswerk erhalten. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Erb ist seit 1951 die elfte Frau, die den Preis bekommt.

Preisverleihung vor leeren Stühlen

Die 82-Jährige bedankte sich in ihrer Rede mit einem, wie es der Präsident der Akademie Ernst Osterkamp ausdrückte, "graziösen Sprachtanz durch Büchners Werk". Ihre Rede wurde vor der Preisverleihung im Staatstheater aufgezeichnet. Erb nahm den Preis persönlich entgegen, wollte jedoch nicht auf der Bühne sprechen.

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Die Akademie hatte trotz der Corona-Pandemie an der Verleihung festgehalten, allerdings fast ohne Publikum. Die Sitzreihen im Staatstheater waren nahezu leer. "Die Preisverleihung ist alles andere als selbstverständlich", sagte Osterkamp. Eine Absage hätte aber den Bruch einer Tradition bedeutet. So wurde die Verleihung via Internet übertragen.

Dichter in Ost und West beeinflusst

In ihrer Begründung hatte die Akademie über Erb gesagt: "Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchstlebendige Erkenntnisform." Ihr schriftstellerisches Lebenswerk begann 1975 in der DDR und setzt sich nach deren Ende bis in die Gegenwart fort. Sie habe mehrere Generationen von Dichtern in Ost und West beeinflusst, hatte die Jury schon im Sommer bei der Verkündung ihrer Entscheidung gelobt.

Die 82 Jahre alte Erb lebt in Berlin. Sie wurde am 18. Februar 1938 in Scherbach geboren, einem kleinen Dorf in der Eifel. 1949 übersiedelte sie als Zwölfjährige mit der Familie nach Halle in die DDR. Dort liegen ihre literarischen Wurzeln. Wegen ihres Einsatzes in der Friedensbewegung, einer Arbeit an einer Anthologie "inoffizieller Literatur" und dem Protest gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers Roland Jahn wurde sie jedoch vom Staatssicherheitsdienst überwacht.

Elke Erbs erste Buchveröffentlichungen waren "Gutachten, Poesie und Prosa" (1975) und "Der Faden der Geduld" (1978). Auswahlbände von ihr erschienen parallel im Westen. Nach der Wende veröffentlichte sie 1991 den Prosatext "Winkelzüge oder Nicht vermutete, aufschlussreiche Verhältnisse", 1995 folgte "Der wilde Forst, der tiefe Wald. Auskünfte in Prosa" sowie zahlreiche Gedichtbände.

Bedeutende Preisträger

Die Auszeichnung wird seit 1951 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller verliehen, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten" und "an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben".

Zu den Preisträgern gehörten Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967). Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner ("Woyzeck"). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

Sendung: hr2, 07.07.2020, 18.00 Uhr