Host Stefanie Heinzmann im Vordergrund, im Hintergrund ein Konzert von ELFMORGEN

Endlich wieder auftreten: Stefanie Heinzmann trommelt zum Konzertabend und bringt im hr-Sendesaal hessische Bands zusammen, die wegen der Corona-Krise lange keine Konzerte mehr spielen konnten. Nicht nur die müssen erstmal wieder warm werden.

"Auf der einen Seite ist da diese Freude, aber auf der anderen Seite ist man auch ein bisschen raus. Wie ging das denn alles nochmal?", fragt Stefanie Heinzmann lachend. Sie steht zum ersten Mal nach langer Zeit wieder auf einer Bühne.

Nicht nur sie ist aus der Übung - auch die vier hessischen Bands, die sie als Gastgeberin für diesen letzten "Bühne frei!"-Abend ausgesucht hat, mussten lange darauf verzichten, live vor Publikum zu spielen.

Mit der Aktion "Bühne frei!" will der Hessische Rundfunk Künstlerinnen und Künstler aus Hessen in der Corona-Krise unterstützen. Ensembles, Bands und Solisten aller musikalischen Genres bekommen die Gelegenheit, im hr-Sendesaal in Frankfurt ein 30-minütiges Konzert zu geben - natürlich gegen Gage.

Stefanie Heinzmann ist die Gastgeberin des Abends

"Mir liegt diese ganze Branche am Herzen"

Sie selbst sei zwar glimpflich durch diese schwere Zeit gekommen, sagt die Schweizer Sängerin. Die hr-Initiative sei für sie trotzdem wichtig: "Ich bin kein unempathisches, gefühlloses Arschloch, das durch die Welt wandelt und froh ist, das es arbeiten kann. Diese ganze Kulturbranche liegt mir am Herzen", sagt Heinzmann. Schließlich arbeite sie immer im Team mit Band und Crew.

Ihr Wunsch: dass sich Leute wieder nah sein können. Und "das zu schätzen und sich diese Freiheit einmal vor Augen zu führen, die wir immer ganz selbstverständlich gelebt haben." Bei ihrem Konzertabend im hr-Sendesaal ist das schon mal zu spüren. Diese Bands hat sie dafür ausgewählt:

Beni Fahr aus Seeheim-Jugenheim

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2019 trifft der 22-jährige Beni Fahr eine richtungsweisende Entscheidung: Er unterbricht sein Studium und zieht zurück zu seinen Eltern, um sich voll auf seine Musik-Karriere zu konzentrieren. Dann kommt Corona - und alle seine Pläne liegen erstmal auf Eis.

Aber Beni gibt nicht auf und kämpft für seinen Traum, von der Musik leben zu können. Er spielt Livestream-Konzerte, dreht Musikvideos, probiert sich auf Social-Media-Plattformen wie TikTok aus und schreibt an seinem ersten Album. Dafür bekommt er sogar ein Projektstipendium.

Aris Quartett aus Frankfurt

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Auch das Aris Quartett kennt sich aus mit Träumen und ihrer Verwirklichung: 2009 lernen sich Katharina Wildermuth, Noémi Zipperling, Caspar Vinzens und Lukas Sieber an der Frankfurter Musikhochschule kennen und gründen ein klassisches Streichquartett, machen einige Jahre später das Ensemblespiel sogar zu ihrem Hauptberuf. Ihre Haupteinnahmequelle: Konzerte.

Die können seit über einem Jahr bekannterweise kaum stattfinden. Die vier Musiker schaffen es nur durch staatliche Hilfen und ihre eigenen Rücklagen durch die Krise. Auch wenn sie versuchen, diese Zeit so produktiv wie möglich zu gestalten - mit einer CD-Produktion etwa oder Streamingkonzerten - die Situation bleibt frustrierend. Die Frankfurter hoffen, bald wieder vor Publikum spielen zu können. "Bühne frei!" ist schon mal ein kleiner Lichtblick.

Mykket Morton aus Kassel

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Der 13. März 2020 sollte ein besonderer Tag werden für Mykket Morton - die Band aus Kassel will ihre Single "Where I Go" veröffentlichen und eine Tour ankündigen. An diesem 13. März passiert aber noch etwas anderes: Deutschland geht in den ersten Corona-Lockdown.

Die Konzerttermine werden verschoben, die Finanzierung der neuen EP bricht weg. Produktion und Vermarktung stemmen die vier Bandmitglieder schließlich in Eigenregie und durch Fördergelder. So können sie dem Jahr 2020 doch noch etwas Gutes abgewinnen: Sie machen spannende Erfahrungen - und erarbeiten nicht nur neue Musik, sondern auch Ideen und Konzepte, wie sie diese zukünftig präsentieren können.

Elfmorgen aus Limeshain

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Ende 2019 wächst die Band Elfmorgen aus Limeshain um ein Mitglied: Andy, Chris und Fred schaffen sich einen Tourbus an, der sie auf der geplanten Promotour für ihr drittes Album von A nach B bringen soll. Nur: Plötzlich gibt es keine Konzerte mehr. Dabei sollten die doch den Bus finanzieren.

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, nimmt "die älteste Newcomer-Band der Welt", wie sich Elfmorgen selbst nennt, die Herausforderung an: "Von diesem Virus lassen wir uns nicht stoppen. Mal schauen, wer den längeren Atem hat", lautet ihre Kampfansage. Langer Atem ist auch mit Blick auf die Konzerte gefragt: Mittlerweile sind die geplanten Shows zum dritten Mal verlegt worden, die meisten ins nächste Jahr. "Bühne frei!" bietet schon mal Gelegenheit zum Warmspielen.

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Immer dienstags in der ARD Mediathek und donnerstags im hr-fernsehen. Welche vier Acts auftreten, entscheiden prominente Musikerinnen und Musiker: Neben Stefanie Heinzmann Max MutzkeCassandra SteenLaith Al-DeenSabrina Setlur und Gregor Meyle. Die 30-minütigen Konzerte der jeweils vier Acts sind dann ebenfalls in der Mediathek abrufbar.

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