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Audioseite Hier dienen alte Bunker der Musik

Bildkombination aus drei Fotos: links ein Graffiti mit dem Schriftzug "Ausgang/Exit", in der Mitte die Protagonistin in Großaufnahme vor dem Bunkereingang, rechts die Fassade des Bunkers.

Der Musikbunker im Frankfurter Marbachweg steht möglicherweise vor dem Aus. Wegen Brandschutzmängeln wurden die Mietverträge gekündigt – rund 40 Bands, Musiklehrer und Studios müssen raus. Dabei haben die alten Weltkriegsbunker in Frankfurt eine lange Geschichte als Proberäume.

"So ein Bunker ist natürlich nicht Hochglanz, aber etwas unglaublich Cooles. Es ist unglaublich viel los auf den Gängen. Man trifft die Bands aus den anderen Räumen und man hört aus den anderen Räumen die Musik. Das war immer sehr inspirierend", schwärmt die Singer-/Songwriterin Ann DOKA vom Hochbunker im Marbachweg.  

Mit dem besonderen Ambiente soll es jedoch bald vorbei sein. Im September kündigte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) den Hauptmietern den Mietvertrag. Der Grund: das Gebäude entspräche nicht den Brandschutzbedingungen. Jetzt müssen zum Jahreswechsel mehr als 40 Bands, Musiklehrer und Studios ausziehen, wie zuerst die Frankfurter Rundschau berichtete. 

Musikerin Ann DOKA im Inneren des Bunkers

Ann DOKA hatte Glück. Sie und ihre Band können in einem Musikraum bei ihren Eltern im Taunus unterkommen. Das mache das Proben natürlich komplizierter, berichtet die Künstlerin. "Wir müssen unsere Sachen immer mitbringen und dann wieder mitnehmen. Man muss jetzt noch mehr auf die Zeiten achten und sich abstimmen. Aber wir sind froh, dass wir unter sind." Viele der anderen Bands und Kunstschaffenden seien noch auf der Suche nach neuen und bezahlbaren Proberäumen. 

Ein Traum für Musiker 

Bezahlbare Preise, unkonventionelle Öffnungszeiten, keine lärmempfindlichen Nachbarn – die alten Hochbunker haben für Musiker viele Vorteile. Kein Wunder also, dass sie sie Ende der 1980er Jahre für sich entdeckten, als die Weltkriegs-Relikte aus der Zivilschutz-Bindung herausfielen. Viele Musiker, Künstlerinnen und andere Kunstschaffende wurden Mieter beim damaligen Besitzer, dem Bundesvermögensamt. Wie beispielsweise im Bunker Schmidtstraße im Gallusviertel investierten sie zahlreiche Arbeitsstunden, um die Räume für ihre Bedürfnisse nutzbar zu machen.  

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Die Musikbunker der Stadt Frankfurt

Sie befinden sich in der Heddernheimer Kirchstraße in Heddernheim, in der Leunastraße in Höchst, in der Schmickstraße im Osthafen, in der Germaniastraße in Bornheim und in der Schmidtstraße im Gallus.

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2007 beschlossen dann die Innenminister der Länder, dass Bunker für den Zivilschutz nicht mehr länger gebraucht würden. Sie sollten also verkauft werden – möglichst gewinnbringend. Die Mieter in vielen Musik- und Kulturbunkern bekamen es mit der Angst zu tun. Doch die Kauf-Interessenten standen nicht gerade Schlange: Lichtlose Räume, enge Gänge, veraltete Sanitäranlagen. Und Wände, an den sich Bohrhämmer die Zähne ausbissen. Wenig attraktiv für Immobilienkäuferinnen zu dieser Zeit.  

So ließ sich die Stadt Frankfurt 1990 durch den Druck aus der Kulturszene dazu bewegen, fünf Bunker zu kaufen und ganz offiziell zu Kulturbunkern auszubauen – Brandschutz inklusive. Heute beherbergen die fünf Bunker rund 150 Proberäume.  

Noch Kapazitäten in anderen Bunkern? 

Ob das auch die Lösung für die Musikerinnen und Musiker im Marbachweg sein könnte, ist offen. Das Kulturamt erklärt, es sei im Kontakt mit dem Amt für Bau und Immobilien und prüfe jetzt erst einmal, ob es in den anderen Bunkern noch Kapazitäten gebe. Aber auch die Option, dass die Stadt den Bunker selbst erwirbt, ist möglich. Sie besitzt das Vorkaufsrecht, falls sich die BImA zum Verkauf entscheidet.  

Doch die Zeiten haben sich geändert: Inzwischen ist der Kauf eines Bunkers auch für Immobilienentwickler und andere Bauherren interessant geworden. Sie befinden sich oft in Top-Lagen, und ambitionierte Architekten und neueste Technik können die Betonklötze in attraktive Wohnungen verwandeln. Ob sich die Stadt angesichts dessen einen weiteren Bunker ans Bein bindet, in dem erst einmal der Brandschutz sichergestellt werden muss, ist offen. 

Für Künstlerinnen wie Ann DOKA ist der Einsatz der Stadt wichtig. "Ich finde, Kulturförderung gehört in die Hände von Städten und Gemeinden und nicht in die Hände von privaten Anbietern. Es wäre wünschenswert, wenn die Politik mehr Proberäume schafft, um die Kultur zu Fördern. Gerade jetzt nach Corona."

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