Deichkind fahren mit einem bunten Fass durch das Publikum.

Pyramide auf dem Kopf und Bass im Ohr: In Frankfurt hat die Hip-Hop und Electro-Punk-Formation Deichkind einen bunten Kindergeburtstag für Erwachsene gefeiert.

Zwei Frauen beim Einlass. Die eine sagt missmutig zur anderen mit skeptischem Blick auf eine grölende Männergruppe mit Leucht-Pyramiden auf dem Kopf, Neonleggins an den Beinen und metallicblauen Augenbrauen, aufgebrezelt wie für eine Bad-Taste-Faschingsparty: "Wehe, das wird jetzt gleich kein Spaß!"

Deichkind mit Pyramidenhüten auf der Bühne

Doch ein Spaß muss es ja werden, es sind ja Deichkind, die am Samstagabend die Festhalle in Frankfurt mit gut 11.500 Menschen nach einer zweijährigen Tourpause vollmachen. Die Hip-Hop- und Elektropunkformation hat im September 2019 ihr Album "Wer sagt denn das?" rausgebracht, Frankfurt ist nun das fünfte Konzert der aktuellen Tour.

Das Kollektiv flippt aus

Nach einem rund zehnminütigen Video-Intro brechen Deichkind wie ein Orkan in blau-weißen Outfits auf die Bühne und drehen von null auf hundert. Auf sehr laut. Das Publikum flippt gleich aus, Eltern drücken den zahlreich mitgeschleppten Kindern die Schallschutzkopfhörer fester auf die Ohren.

Mit "Keine Party", "Wer sagt denn das" und "Dinge" startet die Show mit drei Hits des neuen Albums. Die Band führt konstant eine Bewegungsperformance auf, und obwohl sie eigentlich nur aus drei Musikern besteht, agieren meistens fünf oder sieben oder noch mehr Menschen auf der Bühne, oft bis zur Unkenntlichkeit maskiert. Das hat was von Jazz-Tanz-Gruppe in der 7. Klasse, schön durchchoreografiert, gepaart mit eskalierenden Schauspielschülern im Pantomime-Unterricht. Gerne wird auch auf Trampolinen rumgesprungen. Overacting gibt es nicht. Bunter, lauter, Deichkind! Mehr ist mehr! Kollektiver Freakout und das unverändert seit über 20 Jahren Bandgeschichte.

Jogginganzug von Deichkind

Die Bühne verändert sich permanent, die Kostüme der Band ebenso, die Inszenierung ist theatral und aufwendig. Nur der weiße Wer-sagt-denn-das-Jogging-Anzug mit den großen schwarzen Buchstaben als All-over-Print taucht häufiger auf, wie ein roter Faden, der den geneigten Fan denn auch direkt zum Merchandising-Stand leitet, wo er das Teil für zackige 90 Euro kaufen kann.

Bier und Liebe: Die Parole lautet "Party"

Das Konzert ist in zwei Hälften geteilt. Nach dem ersten Teil wird eine längere Videosequenz gezeigt, für die das das gut gelaunte Party-Publikum nicht sonderlich viel übrig hat. Es wird Bier und Jägermeister von der Bar rangeschafft, gequatscht und irgendwann ungeduldig gepfiffen. Dann platzt die Band wieder auf die Bühne, schreit "Bück dich hoch" und alle sind wieder dabei, hüpfen und schreien mit. "Leider geil" gleich hinterher und "Komm schon!". Das Wort, das am häufigsten vorkommt, ist "Party". Bei "Arbeit nervt" trägt die Band Anzug und die obligatorischen leuchtenden Pyramidenhüte.

Deichkind Festhalle

Bei "Niveau weshalb warum" fahren sie in einem großen, bunten Fass durch das Publikum in der Halle und schwenken eine Fahne, auf der "The Power of Love" steht. Bei "1.000 Jahre Bier" schwebt eine leuchtende Pyramide über das Publikum und verteilt Bier von oben - entweder Becher darunter halten oder nass werden!

Kindergeburtstag für Erwachsene

Eine achtläufige Riesenkanone schießt Lametta und weiße, mit schwarzen Buchstaben bedruckte Stofffetzen in die Menge. Es könnten T-Shirts sein, die Leute reißen sich darum. Zum großen Finale gibt es als Zugabe "Remmidemmi". Ein Riesendonut oder Schlauchboot oder was auch immer fährt durch die Menschenmenge, auf der Bühne steht eine Hüpfburg, irgendjemand schwingt an einem Seil hin und her - impulsive Menschen kennen keine Grenzen! Yippie Yippie Yeah Yippie Yeah.

Nach gut zweieinhalb Stunden ist die Sause rum, die Neon-Leggins sind durchgeschwitzt, der Jägermeister ist getrunken, die Ohren dröhnen bassig nach - und ja, es war ein Spaß.