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Audioseite Burlesque – mehr als nackte Haut

Frau in Charleston-Kleid räkelt sich lasziv auf einer Bank

Glitzer, Federn, Strumpfbänder und das Spiel mit dem Publikum stehen bei ihr auf dem Programm. Emma Sass ist Burlesque-Tänzerin aus Leidenschaft. Ihre Liebe zum Showtanz gibt sie auch in Kursen an ihre Schülerinnen weiter.

Emma Sass räkelt sich vor dem großen Spiegel im Saal des Turnverein Oberrad in Frankfurt. Hinter ihr stehen zwei ihrer Schülerinnen und folgen gespannt ihren Bewegungen. Lasziv streckt Emma das rechte Bein zur Seite und fährt sich mit einem weißen Federfächer sanft vom Knöchel bis zur Hüfte. Dabei richtet sie sich langsam auf und fixiert mit ihren schwarz umrahmten Augen die Frauen hinter ihr.

Drei Frauen tanzen in einem Saal mit Fächern in der Hand

Heute trainieren sie das erste Mal mit der wohl bekanntesten Requisite des Burlesque. Mit Federboas haben sie schon getanzt, erzählt Emma Sass, mit Regenschirmen und Lutschern.

Bei ihr können die Frauen in die Welt von Glitzer, Korsagen, Strumpfbändern und Federn eintauchen. Emma Sass ist Burlesque-Tänzerin und -Trainerin. Bis zu siebzehn Frauen besuchen regelmäßig ihre Kurse. Mit ihren "Damen", wie sie ihre Schülerinnen liebevoll nennt, trainiert sie Posen und Choreografien und teilt mit ihnen ihre Liebe zum Showtanz.

Wenn Emma Sass nicht für verschiede Veranstaltungen im Scheinwerferlicht steht, arbeitet sie in einem Blumenladen. Frei fühle sie sich aber nur auf der Bühne. "Wenn alle Leute einen anlächeln, das ist für mich das größte Geschenk, denn es hat den Leuten gefallen."

"Man wächst ein bisschen"

"Es geht um das Entkleiden und das Spiel mit Reizen. Aber nicht nur. Es geht um Laszivität, also dass man so ein bisschen verrucht rüberkommt. Ein bisschen unnahbar ist", erklärt Emma Sass. Ihren Schülerinnen will sie vor allem eins mitgeben: Die Liebe zu sich selbst. Es sei toll zu sehen, wie sehr viele der Frauen schon nach zwei Stunden Burlesque viel selbstbewusster seien. Oft mache sie Vorher – Nachher Bilder, damit die Frauen ihre eigene Entwicklung beobachten könnten.

Burlesque-Tanzkurs bei Emma Sass

Auch Steffi, Erzieherin und langjährige Schülerin bei Emma, berichtet begeistert von ihrer Veränderung: "Es pusht einen. Man fühlt sich dann viel präsenter und weiblicher. Selbstbewusster. Und ein Stückchen größer."

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Vom Theater zum Tanz

Der Ursprung von Burlesque liegt im Italien des 16. Jahrhunderts. Dort brachte "Burla" als "Theater des kleinen Mannes" stark überzeichnete Charaktere auf die Bühne, die mit Parodien vergleichbar sind.  Erst später kamen Elemente des Varietés dazu. So wurde aus der Theaterform mehr und mehr ein erotischer Tanz. Dabei steht aber nicht nur das bloße Ausziehen im Vordergrund. Und auch das Augenzwinkern hat Burlesque bis heute nicht verloren.

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Die Macht des Burlesque

Für Emma Sass bedeutet Burlesque auch Empowerment der Künstler*innen. Auf der Bühne hält sie klar die Zügel in der Hand: "Weil ich entscheide, wieviel ich mache. Ich habe eine Nummer, in der trage ich ein grünes Kleid. Ein Abendkleid mit Reißverschluss. Und ich habe bei einer Sequenz, da öffne ich ihn bis zum Knie. Und dann schließe ich ihn wieder."

Etwas zeigen und es dann wieder zurücknehmen und verstecken sei klassisch für das Burlesque. Man müsse sich auch nicht vollständig entkleiden. Manchmal reiche es, einen Handschuh abzustreifen.

Ihr persönlich habe die Kunstform geholfen zu sich selbst zurückzufinden. Hier müsse sie nicht funktionieren. Sie sei nicht nur Mutter oder Arbeitnehmerin: "Burlesque hat mir auf jeden Fall meine Weiblichkeit wieder gegeben." 

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Frankfurt Burlesque Festival

Am 8. und 9. Oktober findet das erste Frankfurter Burlesque Festival statt. Künstler*innen wollen die Welt des Showtanz in die Jahrhunderthalle holen.

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