Caricatura Ausstellung

Ja, Deutschland dreht durch - zumindest, wenn man den Machern einer neuen Ausstellung in Kassel glaubt. Hier schauen Cartoonisten zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes auf den Zustand der Nation. Und der scheint eher mau.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Wie ist eigentlich die Lage in Deutschland?"

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Nachts, irgendeine Straße in Deutschland. Am Nachthimmel hängt eine Mondsichel, auf der Erde herrscht helle Aufregung: "Hilfe, wir werden islamisiert!" schreit ein Mann. Und eine Frau stimmt mit ein: "Merkel muss weg!"

Mit dieser Karikatur treibt Satiriker Martin Perscheid das Thema Islamophobie auf die Spitze. Zu sehen ist das Bild derzeit in der Caricatura Kassel in der Ausstellung "Deutschland dreht durch!". Perscheid ist einer von 41 illustren Namen der Schau.

Thema Deutschsein

So hat auch Klaus Staeck, der ehemalige Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Plakate beigesteuert. Sie stamen aus einer Serie zum Thema Deutschsein und dem Heimatbegriff, erklärt Saskia Wagner von der Caricatura: "Er hat sich unter anderem des Gartenzwerg-Klischees angenommen", so Wagner.

Auf einem Plakat sagt ein Gartenzwerg: "Ich bin stolz, Deutscher zu sein." Dabei liegt er auf einer brennenden Streichholzschachtel. Die Kasseler Ausstellung spießt die aktuelle Diskussion um Nation, Rassismus und Rechtspopulismus auf. Anlass sind 70 Jahre Grundgesetz.

Eher düsteres Bild

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 "Wir setzen uns weniger mit dem Grundgesetz als solchem auseinander", sagt Saskia Wagner. "Wir haben uns überlegt, wir schauen uns mal an, wie die Lage in diesem Land ist: Was ist noch zu tun, was haben wir geschafft in den letzten 70 Jahren, gibt es Entwicklungen, die ungut sind?""

Die Ausstellung, die bis zum 11. August zu sehen ist, vermittelt ein eher düsteres Bild zur Lage der Nation. "Ich glaube, wir können aber festhalten, dass der grundsätzliche Stand in diesem Land erst einmal kein schlechter ist", findet Saskia Wagner. Trotzdem gebe es Entwicklungen, auf die sich ein genauer Blick lohne  - wie beim Thema Rechtspopulismus.

Recht einseitige Auswahl

Viele Satiriker arbeiten sich in Deutschland am Rechtspopulismus ab. Das zeigt die Ausstellung eindrucksvoll. Leider ist die Auswahl an Karikaturen doch recht einseitig. Das Thema Islamismus zum Beispiel kommt überhaupt nicht vor. Saskia Wagner und ihr Team haben andere Schwerpunkte gesetzt: "In der Tat geht es auch um Terrorismus im Allgemeinen, heutzutage natürlich auch um Cyberterrorismus", sagt die Kuratorin.

Cybercrime und auch die ständig zunehmende Überwachung seien dankbare Themen für Satire. Dreht Deutschland wegen alldem durch? Wer sich in der Ausstellung umsieht, kann durchaus diesen Eindruck bekommen.