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"Wir haben Einbußen von über 80 Prozent"

Ein DJ legt auf.

Es geht wieder los mit dem Nachtleben. Club- und Konzertbesuche sind in Hessen ab diesem Freitag erlaubt. Das freut nicht nur die Feiergemeinde, sondern auch die Veranstalter - völlig entspannt sind sie angesichts der Lockerungen allerdings nicht.

Buntes Licht, wummernde Bässe, ein Drink in der Hand, fremde Körper überall. Man stupst aneinander, schreit sich ins Ohr. Seit Beginn der Pandemie ist all das keine Selbstverständlichkeit mehr, viele Clubs sind mehr oder weniger dauerhaft geschlossen. Das ändert sich ab Freitag, den 4. März. Clubs öffnen wieder, Konzerte sind erlaubt.

"Das ist gut für alles und jeden", sagt Ronny Krämer vom Musik- und Kunstverein Gießen (MuK) kurz bevor in Hessen wieder die ersten großen Feiern steigen. Der MuK versteht sich als soziokulturelles Zentrum, organisiert Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Partys. "Es ist gut für die Leute, dass sie mal wieder mit Bekannten weggehen können. Denen fällt die Decke auf den Kopf. Und es ist gut für uns. Wir lieben unsere Arbeit!"

"Gesellschaftlicher Druck hat zugenommen"

Auch Victor Oswalt von der Initiative "Clubs am Main" ist froh, dass es weitergeht - "auch, dass es friedlich weitergeht". Er habe in letzter Zeit das Gefühl gehabt, die Politik könnte vorschnell auf Unmut in Teilen der Bevölkerung reagieren. "Meine Sorge war, dass man solche Schritte auch gegangen wäre, wenn die pandemische Lage es nicht zugelassen hätte - einfach, weil der gesellschaftliche Druck zugenommen hat."

Oswalt setzt sich für die Interessen von 15 Clubs in Frankfurt und Umgebung, von Veranstaltenden, DJs, Künstlerinnen und Künstlern ein. Er hat sich gewünscht, dass wieder Partys stattfinden, aber eben nicht um den Preis explodierender Infektionen.

Kapazitätsbegrenzung auf 60 Prozent

Ab 4. März darf nun auf die Tanzfläche, wer sich an die 2G-plus-Regel hält, also geimpft oder genesen ist und ein negatives Testergebnis oder einen Booster-Nachweis vorzeigen kann. Außerdem gilt speziell für Tanzlokale, Clubs und Diskotheken nach Paragraf 24 der hessischen Coronavirus-Schutzverordnung eine Kapazitätsbegrenzung von 60 Prozent.

Wer Club-Partys veranstaltet, darf anders als bei anderen Kultur-Events also nur etwas mehr als die Hälfte der Personen reinlassen, die eigentlich in den Laden passen würden. Das Sozialministerium geht von einer erhöhten Ansteckungsgefahr beim kollektiven Schwitzen, Schwatzen und Schmusen aus. Auch dass auf Tanzveranstaltungen oft Alkohol konsumiert wird, ist offenbar Grund für die Extraauflagen.

"Freuen uns auf Konzerte"

"Ich kann das verstehen", sagt Krämer vom MuK. Geärgert hat er sich aber im Herbst, als Privatleute "ohne Kontrolle, ohne professionelles Eingreifen mehr machen konnten als wir Profis". Das sei zum Glück nun geändert worden. "Wir freuen uns einfach darauf, endlich richtige Konzerte machen zu können. Dass die Leute wieder dicht an der Bühne stehen und ihren Idolen zubrüllen können."

Oswalt von "Clubs am Main" bezweifelt allerdings, dass Clubs mit der 60-Prozent-Auflage ordentlich wirtschaften können. "Wir haben ja weiterhin keine Perspektive", findet er. "Für die Clublandschaft ist eine Pandemie das Worst-Case-Szenario." Das Geschäftsmodell von Clubs sei das Aufeinandertreffen von Menschen - und genau das werde zur Gefahr. Mittlerweile seien Rücklagen aufgebraucht, das Personal zu erheblichen Teilen in andere Branchen abgewandert.

Kritik an unterschiedlichen Regeln

Oswalt hat Verständnis für die Entscheidungen der Politik, doch verlangt von den Verantwortlichen Planungssicherheit. "Die absolute Grundvoraussetzung für einen wirtschaftlichen Clubbetrieb ist, dass in Clubs im Innenbereich ohne Abstand und ohne Maske getanzt werden kann. Es darf keine Kapazitätsbeschränkungen geben", fordert er deswegen.

"Wenn jetzt nicht schleunigst angefangen werden kann mit Wirtschaften, dann fehlen einfach Reserven, um künftige Schocks abfangen zu können." Er kritisiert auch die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern, die das Booking etwa von Bands oder DJs kompliziert machen: "In NRW machen die Clubs gar nicht auf, in Hessen gehen nur 60 Prozent rein, Baden-Württemberg öffnet ganz."

Sorge vor dem Herbst

Die Aussicht darauf, dass am 20. März alle Corona-Regeln wegfallen könnten, genügt Oswalt nicht. Die Politik habe sich noch Hintertürchen offen gelassen. Er blickt außerdem schon jetzt mit Sorge auf die Zeit nach dem Sommer - und darauf, dass bei steigenden Infektionszahlen die Clubs wieder zuerst geschlossen werden könnten.

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