Video on Demand

In der Corona-Krise mit Versammlungsverboten und geschlossenen Kinos ist bei Filmfestivals Kreativität gefragt. Im April findet traditionell das Lichter Filmfest in Frankfurt statt - diesmal nur online, aber mit der gewohnten Festival-Organisation.

Verschieben war für Gregor Maria Schubert keine Option, absagen auch nicht. Also wird das "Lichter Filmfest Frankfurt International" in diesem Jahr auf die einzig mögliche Weise stattfinden: online.

"Zum einen ist es ja so, dass die Leute nicht mehr vor die Tür gehen können und für verschiedene Angebote dankbar sind", sagt der Festivalleiter im Gespräch mit dem hr. "Zum anderen mussten wir einen positiven Umgang mit der Situation, also eine neue Festivalform finden. Und für die, die wir jetzt gefunden haben, ist der Zuspruch relativ hoch."

Auf 300 Abrufe begrenzt

Bislang umfasst das Festivalprogramm 15 Filme, die online zu sehen sein werden. "Viel mehr sollen es auch nicht werden", sagt Schubert. "Wir werden am Ende auf etwa 20 Programmpunkte kommen, die über eine Video-on-Demand-Plattform abrufbar sein werden." Genaue Informationen gibt es ab Anfang kommender Woche auf der Lichter-Webseite.

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Das Lichter Filmfest

Das Lichter Filmfest wurde im Jahr 2008 von einer Gruppe Frankfurter Filmschaffender und -fans gegründet und hat sich zu einer festen Größe im (über)regionalen Kulturleben entwickelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, hessischen Filmemachern Raum zu geben und aktuelle gesellschaftliche Fragen zu beleuchten. Seit 2018 findet jedes Jahr parallel der Kongress "Zukunft Deutscher Film" statt, die diesmal in den Herbst verschoben wird.

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Der Abruf wird 8 bis 9 Euro kosten und auf 300 pro Film limitiert sein - so wie es im analogen Leben mit limitierten Sitzplätzen im Kino auch wäre. Und ganz wie im echten Leben werden die Filme auch nur im normalen Festivalzeitraum vom 21. bis 26. April und nur in Deutschland zu sehen sein.

Mit Podcasts Lebendigkeit herstellen

Festivaldirektor Gregor Maria Schubert sowie Stellv. Festivaldirektorin Johanna Süß

"Die Filme sind ja nach Lichter nicht aus der Welt", erklärt Schubert. "Es wird andere Festivals geben, die sie zeigen wollen, und dann wollen die Filmemacher auch noch mit anderen Verwertungsmöglichkeiten Geld verdienen."

Als Rahmenprogramm produzieren die Macher frei zugängliche Podcasts, zum Beispiel ein Frage-und Antwort-Format mit Filmemachern: "Darüber versuchen wir, die Lebendigkeit zu generieren, die so ein Festival ausmacht - sofern die Technik mitmacht", sagt Schubert. Viele Filmemacher wären sonst aus dem Ausland angereist.

"Solidaritätsbeitrag an die Kinos"

Die Einnahmen aus den Film-Abrufen gehen an die Rechteinhaber, aber auch in kleinen Anteilen an die Kinos, in denen die Filme normalerweise laufen. "Es ist ein kleiner Solidaritätsbeitrag", sagt Schubert und hofft darauf, dass die Kinos die Krise überstehen. "Filme gehören auf eine große Leinwand, und da wollen wir sie nächstes Jahr auch wieder hinbringen."

Volle Rückendeckung komme dabei von den Festivalförderern, unter anderem dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt und dem Kulturfonds RheinMain. "Da kam bedingungslose Unterstützung", freut sich der Festivalleiter. "Wenn man dieser ganzen Krise etwas Gutes abgewinnen kann, dann dass die Hilfsbereitschaft sehr groß ist."

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Weitere Festivals gehen online

Vom 5. bis 11. Mai findet in Wiesbaden das "goEast Festival des mittel- und osteuropäische Films" statt. Auch das Festival soll auf jeden Fall stattfinden - online oder offline. Die Macher planen nach eigenen Angaben in alle Richtungen, auch weiter für den Fall, dass Reiseeinschränkungen und Veranstaltungsverbote in Europa im Mai wieder gelockert werden.

Sicher ist schon, dass das größte japanische Filmfest außerhalb Japans, Nippon Connection (9. bis 14. Juni) ebenfalls online stattfindet. Das Team arbeitet an einem neuen Konzept, um eine Auswahl an aktuellen japanische Kurz- und Langfilmen und interaktive Angebote präsentieren zu können, heißt es in einer Pressemeldung.

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