Neuer Winter, neue Regeln - altes Bild: Die Clubs sind geschlossen, die Mitarbeiter gehen kurz vor Weihnachten wieder in Kurzarbeit, mehr Hilfen werden gefordert. Das Gibson in Frankfurt hat einen anderen Weg gefunden - und dafür seine Tanzfläche geopfert.

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Clubs in Nöten, mehr Hilfen werden gebraucht

Bildkombo: Eine Diskokugel bunt angestrahlt und eine, die zerbrochen am Boden liegt.
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Wer in Hessen tanzen gehen will, hat es schwer. Die meisten Clubs sind geschlossen, wegen der aktuellen Corona-Regelungen. Mit Maske tanzen - das will niemand. Besonders hart trifft es diejenigen, die in den Clubs arbeiten und jetzt wieder in Kurzarbeit müssen oder ganz ihren Job verlieren. Deshalb fordern Clubbetreiber mehr Hilfen.

"Wir sehen kein Ende der Pandemie"

Die Stimmung ist ein bisschen hoffnungslos, sagt Matthias Morgenstern, Betreiber des Tanzhaus West in Frankfurt und Vorstand der Initiative "Clubs am Main". "Wir sehen kein Ende der Pandemie." Die Organisation vertritt rund 25 Clubs, darunter Batschkapp, Nachtleben und Zoom. Alle stünden vor der Situation, dass man mit den aktuellen Regeln keinen Club betreiben könne. "Wir leben von Intensität und Exzessivität. Tanzen mit Maske, das machen unsere Gäste nicht mit."

2G-Plus für mehr Freiheit

Deshalb will Matthias Morgenstern für die Clubs Freiheiten zurückhaben und ist im Gegenzug bereit, hohe Sicherheitsmaßnahmen anzubieten. Er hält 2G-Plus für die richtige Wahl, also Einlass nur geimpft oder genesen und mit zusätzlichem Test. Die Branche habe diese Regelung schon frühzeitig eingeführt und damit gute Erfahrungen gemacht. "Mit 2G-Plus konnten wir Impfdurchbrüche bei Gästen und Personal auf Null reduzieren."

 Erst viel Personal, dann gar keines mehr

Allerdings mit hohem Personalaufwand: Allein im Tanzhaus West brauche es bis zu zehn Personen, die am Eingang kontrollieren, außerdem Hygienehelfer. Bis zu 25 Personen seien zuletzt pro Abend im Einsatz gewesen und je nach Länge der Veranstaltung im Schichtbetrieb doppelt so viele. Insgesamt habe das Tanzhaus West zuletzt mehr als 100 Personen beschäftigt, rechnet Matthias Morgenstern vor. "Und die mussten wir jetzt wieder ins Off schießen."

Wie können die Clubs überhaupt noch überleben?

Die Situation sei vor allem für die Mini-Jobber schwierig, von denen es in der Branche viele gebe. Sie müssten sich neue Jobs suchen. Die Festangestellten seien nun wieder in Kurzarbeit. "Die stocken wir jetzt auf, damit sie das stemmen können", sagt Matthias Morgenstern. Denn bei den vergleichsweise niedrigen Löhnen in der Kulturbranche zähle jeder Euro. Allerdings reichten die Reserven des Tanzhaus West für solche Zahlungen nicht länger als drei oder vier Monate. Und dann? Dann kommt das große Fragezeichen: "Wie können die Clubs überhaupt noch überleben in der Zukunft?"

Mehrere Menschen stehen in einer Warteschlange vor einem Eingangstor, darüber steht in leuchtender Schrift der Name "Gibson".

Gibson: Sitztanz mit Trennscheibe

Eine Antwort darauf, wie das Überleben gesichert werden kann, hat das Gibson für sich gefunden. Der Club auf der Frankfurter Zeil hat seit dem 10. Dezember wieder geöffnet - mit einem speziellen Hygienekonzept, das mit dem Frankfurter Gesundheitsamt abgestimmt wurde. Das erinnert allerdings mehr an Gastronomie als an ausschweifende Partys. Maximal 350 Personen darf der Club einlassen, etwa ein Drittel der sonstigen Besucherzahlen. Pro Gast muss ein Sitzplatz ausgewiesen sein. Die Gäste können sich in festen Gruppen von maximal zehn Personen in einem vorgegebenen Bereich aufhalten, der mit Raumteilern von den anderen abgetrennt ist. Tanzen? "Man kann sich rhythmisch zur Musik bewegen", sagt Bastian Bernhagen, Mitgründer des Clubs.

Bildkombo: Der Gibson Club mit Tanzfläche und mit Tischen auf der Tanzfläche

Nicht ideal, aber offenbar besser, als das Personal wieder in Kurzarbeit zu schicken. Für Bernhagen ist entscheidend, dass das Team aus 40 Festangestellten erhalten bleibt, "das größte Kapital des Clubs". Manche von ihnen sind von Anfang an mit dabei. Und sie sollen es auch im kommenden April noch sein, wenn das Gibson sein Zehnjähriges feiert.  

Insgesamt hält Bastian Bernhagen die Situation des Clubs für schwierig, aber nicht existenzbedrohend. Man habe gut gewirtschaftet und frühzeitig ein Konzept mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Und alle beantragten Hilfen seien bewilligt worden.  

"Clubs am Main" fordert mehr staatliche Unterstützung

Matthias Morgenstern von "Clubs am Main" hält weitere Hilfen für nötig. Für 2022 rechnet er damit, dass ein großer Teil der Veranstaltungen im Freien stattfinden muss. Deshalb wünsche er sich eine Fortsetzung des Programms "Ins Freie", mit dem die hessische Landesregierung im Sommer Open-Air-Events unterstützt hat. Für Veranstaltungen im Innenbereich brauche es wegen des Mehraufwandes entsprechend mehr Unterstützung.

Vor allem sieht Matthias Morgenstern aber Handlungsbedarf bei den Mini-Jobbern und bei Künstlerinnen und Künstlern wie etwa den DJ. Damit sie noch da sind, wenn wieder richtig gefeiert werden kann in den Clubs.

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Kulturveranstalter leiden unter neuen Corona-Regeln

hs
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