Symbolfoto Festivalsommer 2020

Eigentlich ist es die Zeit der meisten Events, nicht aber in diesem Jahr. Bis Ende des Sommers sind Großveranstaltungen wegen des Coronavirus verboten. Mancherorts wurden diese bereits abgesagt oder verlegt.

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hs
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Die Nachricht von Bund und Ländern zu den weiteren Corona-Maßnahmen verschaffte am Mittwoch Gewissheit: Trotz einiger vorsichtiger Lockerungen wurden Großveranstaltungen bis zum 31. August wegen der Corona-Pandemie grundsätzlich untersagt. Welches Event dabei unter "Großveranstaltung" fällt, ist nicht geklärt, das Land Hessen soll die Beschlüsse nun durch eine Verordnung konkretisieren.

Für viele Veranstaltungen wie Festivals, Konzerte in riesigen Arenen oder Hallen sowie beliebte Volksfeste mit mehreren tausend Menschen bedeutet dieses Verbot wohl aber das Aus. Während manche Veranstalter noch auf die ausstehende Corona-Verordnung der Landesregierung warten, haben bereits einige schon am Donnerstag auf das befristete Verbot reagiert. Veranstaltungen wie die Bad Hersfelder Festspiele wurden wenige Tage vorher schon abgesagt.

Museumsuferfest Frankfurt abgesagt

Besonders Volksfeste trifft das Verbot hart. Öffentliche Feste wie das Museumsuferfest in Frankfurt seien auf das sommerliche Ambiente angewiesen und könnten nicht so einfach verlegt werden, wie Kurt Stroscher, Leiter des Bereichs für Volksfeste und Veranstaltungen von der "Frankfurter Tourismus und Congress GmbH", erklärte. Aus diesem Grund müsse das Museumsuferfest in diesem Jahr, das vom 28. bis 30. August stattfinden sollte, abgesagt werden.

Mit zwei Millionen Besuchern an einem Wochenende sei das Fest ein "Mammutfest", Entscheidungen müssten mit einer Planungssicherheit von mehreren Monaten gefällt werden können. "Auch wenn dann tatsächlich die Saison der Feste wieder nach dem 31. August beginnen würde, haben viele Künstler, Handwerker und gastronomische Betreiber bereits andere Anschlussplätze", so Stroscher. Von der Absage betroffen sei auch das Frankfurter Mainfest (31. Juli bis 3. August). Beim Apfelweinfestival (7. bis 16. August) werde derweil über eine Alternative als reiner Verkaufsmarkt nachgedacht.

Wegen der Corona-Maßnahmen wird vermutlich auch das Heimat- und Wasserfest Zissel in Kassel abgesagt. "Eine Verschiebung scheint ausgeschlossen", sagte eine Sprecherin der Stadt Kassel am Donnerstag. Eine Verlegung in den Herbst sei aufgrund des Wetters nicht möglich. Der Zissel an der Fulda sei mit etwa 200.000 Besuchern das größte Volks- und Wasserfest in Nordhessen und hätte vom 31. Juli bis 3. August stattfinden sollen.

Festivals werden auf 2021 verschoben

Von Mai bis September dauert üblicherweise die Festival-Saison. Das heißt: Konzerte unter freien Himmel, tausende Besucher, die feiern, zelten und vor dem Bühnen eng beieinander stehen. In diesem Jahr wohl unmöglich. Das Electro-Festival Solå, das in diesem Jahr am 31. Mai seine Premiere im Staatspark Kassel feiern sollte, soll nun auf das kommende Jahr verschoben werden, wie die Veranstalter mitteilten.

Mit einem solchen Schritt habe man schon gerechnet. "Das Bauchgefühl hat uns schon gesagt, dass etwas passieren wird. Nun hatte man es schwarz auf weiß bekommen und darauf haben wir letztendlich auch gewartet", sagte Adam Cieplak vom Veranstalter AC2B GmbH". Ähnlich erging es den Veranstaltern des Festivals Open Flair in Eschwege (Werra-Meißner). Auch hier soll das Festivalwochenende mit täglich rund 20.000 Besuchern am 11. bis 15. August 2021 nachgeholt werden.

"Wir haben in irgendeiner Form schon damit gerechnet", sagte Alexander Feiertag, Geschäftsführer des Vereins "Arbeitskreis Open Flair". Tickets aus diesem Jahr könnten erstattet oder im kommenden Jahr genutzt werden. "Wir haben laufende Kosten und hoffen, dass viele Künstler und Dienstleister die Rechnungen erst im kommenden Jahr stellen und viele Gäste sagen, ich behalte mein Ticket. Das würde uns übers Jahr bringen."

Auch der World Club Dome in Frankfurt (5. bis 7. Juni) finde in diesem Jahr nicht statt, wie es auf der Homepage heißt. Ticketinhaber würden per E-Mail über den weiteren Prozess informiert werden.

Konzerte schon zuvor verlegt

Auch große Konzerte trifft das Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August. Geplant waren unter anderem Auftritte der Band "Die Fantastischen Vier" in der Commerzbank-Arena Frankfurt (27./30. Juni), der "Toten Hosen" in der Festhalle Frankfurt (26./27. Juni) oder eine Vielzahl an Konzerten auf dem Hessentag 2020 in Bad Vilbel. Dieser wurde jedoch schon vor dem Verbot komplett abgesagt. Wie Ralf Scheffler von der Agentur "Batschkapp Konzert- und Promotion GmbH" aus Frankfurt erklärte, habe man nicht damit gerechnet, dass große Konzerte in der Stadthalle Offenbach, der Jahrhunderthalle oder der Festhalle in Frankfurt zeitnah wieder stattfinden dürften.

"Wir haben natürlich die großen Veranstaltungen in der Festhalle, die um Juni oder Juli stattfinden sollten, vorher verlegt, weil die Künstler und Agenturen davon ausgegangen sind, dass diese sowieso nicht stattfinden werden." Zehn große Konzerte, darunter die Konzerte der Toten Hosen in Frankfurt, seien bereits aufs nächste Jahr verschoben worden. Nur wenige Konzerte würden ganz abgesagt werden.

Die Corona-Pandemie betreffe auch bereits seine Planungen für den Herbst, weil Künstler, die eine Welttournee planten, nicht extra für ein Konzert nach Deutschland kämen, wenn der Großteil ihrer Veranstaltungen bereits abgesagt worden sei.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 17.04.2020, 16.45 Uhr