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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Wir Kinobetreiber sind gebrannte Kinder"

Kinos öffnen wieder

Endlich ist es soweit: Filmfans können wieder Blockbuster auf der großen Leinwand genießen. Unter Hochdruck haben sich die Kinobetreiber auf ihr Publikum vorbereitet. Doch auch während der Schließung waren sie tätig. Zwei von ihnen haben sogar investiert.

Eine wichtige Sache fehlt noch: "Wo ist denn der Mais für das Popcorn?", fragt Christopher Bausch in die Runde. "Das kommt erst am Nachmittag", antwortet eine Mitarbeiterin. Der Rest steht aber schon bereit: die Säle des Harmonie-Kinos in Frankfurt sind tiptop geputzt, Eis und Getränke sind in der Kühlung, und das Wichtigste ist auch schon da: die Filme.

Kinos öffnen wieder

Das Team um den Kinobetreiber Christopher Bausch bereitet sich nun schon seit fast zwei Wochen auf die Wiedereröffnung vor. Diese zweite Öffnung sei nun deutlich anstrengender und arbeitsintensiver als die erste, erzählt Bausch. "Es ist ein Unterschied, ob Sie dreieinhalb Monate zu hatten wie im vergangenen Jahr oder ob es acht Monate waren", sagt Bausch. Die Kinos waren diesmal seit November geschlossen. Da dauere es länger, alles wieder zu reaktivieren.

"Die Problematik war, dass es keine bundeseinheitliche Lösung gab", erklärt Bausch. "Ein Filmverleih bringt einen Film ja nicht nur deshalb in die Kinos, weil Hessen die Kinos wieder öffnet." Die Filmverleiher machen bundesweite Kampagnen und geben - je nach Film - Millionen aus. Bausch ist froh, dass die Kinos es geschafft haben, sich entsprechend zu organisieren und ein gemeinsames Öffnungs-Datum zu finden.

Immenser Filmstau

Und jetzt sind die Filme da. Mehr als genug sogar. Einen riesigen Filmstau gebe es, sagt Bausch: "Was schön für unsere Gäste ist. Für uns als Kino ist das ein bisschen schwierig. Wir wollen den Filmen eigentlich Luft geben, damit die Leute ein bisschen darüber reden können", sagt er. Er sei mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen.

Dank der Hilfen von Bund und Land konnte er seinen Betrieb halten und sogar erweitern: zum Betrieb vom Harmonie-Kino in Sachsenhausen, dem Cinéma an der Hauptwache, kommt jetzt noch das Eldorado in der Nähe der Konstablerwache. Das älteste Kino Frankfurts stand eigentlich schon vor dem Aus. Doch Kinoliebhaber Bausch konnte es nicht sterben lassen. "Moralisch muss man da irgendwie was tun", dachte er sich und pachtete es.

Bausch ist risikofreudig - dabei aber auch realistisch. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nur 50 Prozent Kapazität haben. Wir wissen nicht wie der Herbst wird - ohne pessimistisch sein zu wollen. Wir sind jetzt auch ein bisschen die gebrannten Kinder. Wir waren immer die ersten, die zumachen mussten und die letzten, die aufmachen." Weniger Vorstellungen wird es jetzt erst einmal geben, damit das Publikum mit nötigem Abstand kommen und gehen kann. Und durch die Schachbrettmuster-Belegung der Sitzplätze, passt auch weniger Publikum rein. Doch Bausch bleibt selbstbewusst.

"Kino ist ein besonderes Erlebnis"

Kinos öffnen wieder

Genauso wie Sebastian Eckerlin. Er betreibt die Erbacher Lichtspiele im Odenwald, und das schon in zweiter Generation. Er ist überzeugt: "Kino wird immer laufen". Schließlich habe es ja schon den Fernseher, die VHS-Kassette und Videotheken überlebt. Vor den Streamingdiensten fürchtet er sich nicht. Denn Kino sei schließlich ein ganz besonderes Erlebnis: "Sie lachen zusammen, sie heulen zusammen. Das macht eben Kino aus und von daher bin ich immer optimistisch", sagt er.

Besonders Kinder und Jugendliche wolle er in sein Kino bringen. Damit die das erste Filmerlebnis haben mit den Großeltern oder den Eltern, das erste Popcorn oder auch den ersten Kuss im Kino. Das Kino bringe Menschen zusammen, sagt er. Und noch einen anderen wichtigen Aspekt nennt er: "Gerade bei uns hier auf dem Land, wir sind die letzte kulturelle Instanz überhaupt, die wir hier noch haben." Eckerlin hat in der Pandemie auch Mut bewiesen und investiert. Den angrenzenden "Schützenhof" hat er gekauft und als Biergarten reaktiviert. Dort zeigt er jetzt auf einer Outdoor-Leinwand "Silence Kino". Die Gäste können bei Pizza und Bier Filmklassiker gucken - mit Kopfhörern, also ohne, dass die Nachbarn gestört werden.

Ob sich der Mut ausgezahlt hat, wird sich in nächster Zeit zeigen. Dessen ist sich auch Christopher Bausch bewusst. "Bisher haben wir Gelder bekommen. Jetzt machen wir wieder auf und jetzt kommen natürlich auch wieder die Kosten für Betrieb und Personal. Ob wir dann eine Schwarze Null schreiben, sehen wir in ein, zwei Monaten."

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