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Alte Stadtmauer in Darmstadt nach Sanierung geöffnet

Lange lag sie im Dornröschenschlaf, dann folgte die Sanierung. Ein Teil der historischen Darmstädter Stadtmauer ist jetzt wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Eigentlich sind es zwei Mauern. Und sie haben viel zu erzählen.

In Darmstadt ist am Dienstag ein Teil der historischen Stadt- und Gefängnismauern an der Erich-Ollenhauer-Promenade wiedereröffnet worden. Drei Jahre lang hatte die Technische Universität (TU) sie denkmalgerecht sanieren lassen. Nun wurde sie an die Stadt und ihre Bürger übergeben, als "symbolisches Geschenk zum Weltkulturerbe", wie die TU wissen ließ.

Mit der Sanierung sollte dieser geschichtsträchtige Teil der ehemaligen Befestigung um die Alte Vorstadt wieder der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Genau gesagt handelt es sich um zwei parallel verlaufende Mauern. Zusammen bilden sie einen 57 Meter langen und 2,50 Meter breiten Gang. Laut TU führte er zu einem 1897 errichteten Frauengefängnis, das als Ergänzung des bereits 1834 eröffneten Männergefängnisses diente.

Weggefährte Büchners starb hinter den Gefängnismauern

Einer der Häftlinge war Ludwig Friedrich Weidig, ein evangelischer Theologe und Mitstreiter des Schrifstellers Georg Büchners. Weidig starb 1837 hinter den Gefängnismauern, nachdem er dort wiederholt misshandelt worden war. Möglicherweise nahm er sich selbst das Leben.

Nach 1933 sperrten die Nationalsozialisten hier Menschen ein. Die Gestapo folterte politische Gefangene und Juden, auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurden in Darmstadt inhaftiert. Nach dem Krieg war das Gefängnis weiter in Betrieb, bis es 1970 abgerissen wurde.

Neun Planungsbüros beteiligt

Mit der aufwändigen Sanierung der Mauer waren der TU zufolge neun Planungsbüros und zwölf Unternehmen befasst. Uni-Kanzler Manfred Efinger hatte das Projekt 2015 angestoßen. Teile der Mauer waren stark von Wurzeln durchzogen, die entfernt werden mussten. Fehlende Steine wurden ersetzt, andere ausgetauscht.

Mehrfach musste das Sanierungskonzept in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde neu bewertet werden. Überraschenderweise traten bei den Arbeiten zwei historische Tore aus dem 19. Jahrhundert zutage, vier neu entdeckte Schießscharten ließen außerdem erkennen, auf welcher Seite die Innenstadt lag.

Infotafeln und Ausstellungen geplant

Tagsüber kann man den Gang nun vom Darmstadtium zur Mathildenhöhe durchschreiten. Die Aufstellung von Sitzbänken und Informationstafeln zur Geschichte der Mauer ist geplant. Künftig sollen hier auch Ausstellungen stattfinden.

Ein erstes Kunstwerk steht bereits: Die Eisenskulptur "Vielleicht ein Blatt" des Bildhauers Erwin Wortelkamp. Kanzler Efinger kannte dessen Werke und hatte sich an den Künstler gewandt. Der schlug die 1976 entstandene Skulptur vor. "Wir haben diesen Vorschlag im Kreis der Projektverantwortlichen sowie des TU-Kunstforums besprochen und fanden die Arbeit sehr passend", sagte Efinger.

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