Fotografien von gelangweilten Frauen: Elsa Parra und Johanna Benaïnous, "Beyond the shadows" 2018-2019

Das Museum Künstlerkolonie in Darmstadt zeigt mit "Staging Identity" eine Ausstellung über Identitäten - wer sie konstruiert, wem sie zugeschrieben werden und wie viele in einer Person vereint sein können. Doch ist das nicht ein alter Hut?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ausstellung Staging Identity - Zwischen Maskerade, Körperinszenierung und Rollenspiel

Martine Gutierrez "Demons, Queer Rage, Girlicious *Like Me, p80 from Indigenous Woman", 2018
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Sie wirken auf einem Bild wie gelangweilte Landmädchen, auf einem anderen wie ebenso gelangweilte reiche Kinder: Die französischen Fotografinnen Elsa Parra und Johanna Benaïnous zeigen sich auf ihren Fotografien in der Ausstellung "Staging Identity" im Museum Mathildenhöhe in Darmstadt in verschiedenen Outfits und Szenerien und stellen so dar, wer sie alles sein könnten, aber auch wie stark der Blick von außen kategorisiert.

Die menschliche Wahrnehmung funktioniert auf die Schnelle häufig in Klischees. Und: Heute können wir, wenn die Mittel da sind, am Morgen gelangweilte Landmädchen und am Abend ebenso gelangweilte, reiche Kinder sein und so verschiedene Styles oder Identitäten in einer Person vereinen? Identität ist vielschichtig. Das wissen alle. Oder zumindest: Dass wir uns bei der Chefin anders geben als bei unserem Opa.

Was ist fake, was ist real?

Vor allem in der Fotografie und im Video gebe es ein "starkes Interesse am Durchexerzieren des Rollenspiels", sagt Stefanie Patruno, die Kuratorin von "Staging Identity". Und für sie ist die Frage nach der eigenen Identität bis heute ein aktuelles Thema, weil wir in der Bilderflut der Digitalisierung schwer zwischen Sein und Schein unterscheiden könnten.

Genau darum geht es auch dem Künstler Andy Kassier. Er hat seine Instagram-Selfies ausgestellt, in denen er verschiedenste Selbstdarstellungsmethoden durchspielt, also in jeder Hinsicht immer perfekt zu sein scheint. Die Fotos sind ironisch und wirken ein bisschen herablassend, weil alle Instagram-Nutzer genau diesen Mechanismen unterworfen sind. Denn es geht ja um reine Selbstdarstellung.

Der Künstler Andy Kassier in verschiedenen Posen

Eigentlich kann man das Thema nicht mehr hören

Gleichzeitig ist Instagram erst durch die Foto- und Videofilter bekannt geworden, die ganz offen künstlich sind, also gar nicht erst versuchen, authentisch zu sein. Spielt es dann vielleicht gar nicht mehr eine so große Rolle, was fake und was real ist? Diese Frage stellt sich grundsätzlich bei der Auseinandersetzung mit Identität in der Ausstellung: Seit Jahren ist viel gesagt worden zum Thema und trotzdem ist es auch immer noch aktuell und beschäftigt. Selbst Kuratorin Patruno gibt zu, dass man das Thema Identität "wirklich nicht mehr hören kann, weil sich auch viele Ausstellungen mit dem Thema beschäftigen."

Die Frage "wer bin ich?" wird immer aktuell sein - zum jetzigen Zeitpunkt scheint sie aber fast überstrapaziert. Und vielleicht ist das auch schon die Antwort: Dass wir zu sehr um uns kreisen, uns mehr mit der Individualität als mit der Gesellschaft beschäftigen. Wie wäre es also, mal darüber eine Ausstellung zu machen? 

Weitere Informationen

"Staging Identity"
Zwischen Maskerade, Körperinszenierung und Rollenspiel
Museum Künstlerkolonie Darmstadt
24.10.2020-28.02.2021

Die Ausstellung hätte schon im April öffnen sollen, wurde aber wegen der Pandemie verschoben. Die Besucheranzahl ist begrenzt und es gibt Maschinen, die die Luft reinigen. Gruppenführungen werden für maximal fünf Personen angeboten.

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Sendung: hr2, 26.10.2020, 15.30 Uhr