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Der Offenbacher Technoclub Robert Johnson wird 20 Jahre alt. Ein ungewöhnlich hohes Alter für einen Club dieser Art. Über die Entstehung eines Mythos.

Am Anfang war ein weißer Schuhkarton - darin kleine, weiße Boxen. Ata Macias wollte alles anders machen als andere Clubs, in denen elektronische Musik lief. Kein anderer Club gefiel ihm.

Gemeinsam mit Heiner Blum, Professor für experimentelle Raumgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, und Sebastian Kahrs baute Macias das Grundmodell des Clubs - aus einem Schuhkarton.

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Weiße Wände und ein DJ auf Augenhöhe

Anders als bestehende Techno-Clubs, zwischen deren dunklen Wänden der DJ hoch über den tanzenden Gästen thront, sollte der neue Club ganz in Weiß erscheinen. Mit einem DJ auf Augenhöhe mit der Menge.

Klaus Unkelbach, Pächter eines Geländes am Offenbacher Mainufer, stellte einen Raum zur Verfügung. Kurze Zeit später war "Baustellenparty". Am 25. Juni 1999 öffnete das Robert Johnson dann auch offiziell seine Tore.

"Bei der Gründung dachten wir, dass sich das Konzept nach drei Jahren überholt haben wird", erinnert sich Heiner Blum. Doch 20 Jahre später ist das Robert Johnson ein lebender Mythos, zählt zu den weltweit bedeutendsten Clubs für elektronische Musik. Was ist das Geheimnis dieses Clubs?

"Totale Hingabe zur Musik"

Einmal ist da die "totale Hingabe zur Musik", sagt Blum. Diese schlage sich schon in dem Namen des Clubs nieder. Namensgeber ist der US-amerikanische Bluesmusiker Robert Johnson (1911-1938), der der Legende nach für sein musikalisches Talent seine Seele an den Teufel verkaufte.

Im Robert Johnson gelten höchste musikalische Qualitätsstandards, es legen die weltweit renommiertesten DJ-Größen auf - neben den hoffnungsvollsten Talenten der Szene.

"Wir sind ein Lieblingsort für viele weltbekannte DJs", sagt Oliver Bauer. Bauer ist so etwas wie der Clubmanager im Robert Johnson. Seit zehn Jahren kümmert er sich um die Clubabende, um das Booking der DJs. Ganz nebenbei tourt er selbst unter dem Alias Oliver Hafenbauer um die Welt und legt auf. Dixon, Gerd Janson und Roman Flügel sind nur einige der Namen, die sich in der Szene international einen Namen gemacht haben und immer wieder ins Robert Johnson kommen, um dort ihre Musik zu spielen.

Auch Ricardo Villalobos legt hier seit Jahren auf: "Das Robert Johnson ist ein Ort, an dem die Anarchie der Moleküle durch den Sound befruchtet und so zu einer Welle kollektivistischen, gegenseitigen und physischen Austauschs wird", schwärmt er.

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Minimalistische Ausstattung, intime Atmosphäre

Die Musik ertönt in Offenbach aus "einer der besten Soundsysteme Europas". Das schreibt Resident Advisor, ein in der Szene hoch angesehenes Onlinemagazin. In dessen letztem Club-Ranking belegte das Robert Johnson den siebten Rang - weltweit.

Auch das minimalistische Design hat seinen Anteil am Mythos. Ein großer Raum, vorne in der Mitte ein kleines DJ-Pult, rechts und links an den Wänden weiße Holzklötze, darüber in einer Reihe kleine Röhrenfernseher - das war's. Im Club gibt es kein Sponsoring, keine Marken. Die Alkoholika an der Bar sind für die Gäste nicht sichtbar. "Minimalismus sah noch nie so gut aus", schreibt Resident Advisor.

Auch die intime Atmosphäre macht den Mythos Robert Johnson aus. "Der Club hat eine gute Aura. Man kann hier herkommen, eine Zigarette auf der Terrasse rauchen, sich nett unterhalten. Es ist wie eine Party von Freunden für Freunden", sagt Oliver Bauer.

Frankfurt als Problem

Doch es gibt auch eine große Herausforderung für die Betreiber des Offenbacher Clubs: "Frankfurt ist keine Metropole wie Berlin, Amsterdam oder Paris. Die Stadt bietet Touristen nur sehr wenig", sagt Bauer. Das führe dazu, dass das Robert Johnson zwar weltweit bekannt sei, nur wenige den Club aber schon von innen gesehen haben. Es sei eine große Herausforderung, immer wieder neue junge Leute zwischen 20 und 25 anzulocken.

"Wir haben es Oli zu verdanken, dass es hier heute so gut läuft", sagt Heiner Blum, der Initiator des Clubs. Bauer schaue sich international um und fördere gleichzeitig die hoffnungsvollen DJ-Newcomer aus dem Rhein-Main-Gebiet. Bauer selbst sagt: "Ein Club ist wie ein Fußballverein. DJs, die es nicht mehr bringen, spielen irgendwann nicht mehr. Dafür kommen neue Talente nach."

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Philosophieren über Clubkultur

"Oft werden Clubs mit ihrem Stammklientel alt - und müssen dann irgendwann schließen", erklärt Blum. Im Robert Johnson kämen aber immer wieder neue Stammgäste nach. Doch auch für Gäste, die älter werden und sich nicht mehr die Nächte um die Ohren schlagen, hat der Club etwas zu bieten.

Seit 2010 veranstaltet Blum die Robert Johnson Theorie. Einmal alle vier Wochen sitzen dabei Musikinteressierte auf Schulbänken und lauschen Vorträgen von DJs oder Musikproduzenten. Die referieren dann über Clubkultur, Subkultur, über Produktion von Techno- und House-Musik. Danach folgt ein normaler Clubabend. Mitte Mai findet die Robert Johnson Theorie schon zum 67. Mal statt.

"Wer sich mit elektronische Musik auseinandersetzt, kommt am Robert Johnson nicht vorbei", sagt Oliver Bauer. Ende Juni feiert der legendäre Club nun sein 20-jähriges Bestehen - mit drei Tagen Party. Die weißen Wände des Schuhkartons sind mittlerweile bunt, auch der DJ-Pult. Doch an den Wänden stehen immer noch die weißen Boxen.