Grube Messel: Welterbe
Die Grube Messel im Jahr 1987: Damals sollte sie eine Müllkippe werden - heute ist sie Weltnaturerbe. Bild © picture-alliance/dpa, Archiv Welterbe Grube Messel gGmbH, Grafik: hr

Die Grube Messel hat in den vergangenen 30 Jahre viele Fossilien hervorgebracht und damit weltweit Bekanntheit erlangt. Heute ist die Grube Weltnaturerbe. Fast hätte die Politik alles ruiniert.

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Die berühmten Urpferdchen und die älteste Primatenhand der Welt sind nur zwei der vielen außergewöhnlichen Funde, die in der Grube Messel in den vergangenen Jahren entdeckt wurden. Archäologische Schätze gab es viele. Nicht umsonst ist die Grube seit 23 Jahren Unesco-Weltnaturerbe. In den vergangenen drei Jahrzehnten haben Forscher zehntausende Fossilen ausgegraben.

Das Besondere: Die meisten Fundstücke sind in einem sehr guten Zustand. So fanden Forscher im Fossil einer Schlange eine Echse, die wiederum ein Insekt gefressen hatte - alles gut erhalten. "Die Grube gibt in außergewöhnlicher Weise Aufschluss über die frühe Evolution der Säugetiere", sagt die Deutsche Unesco-Kommission.

Doch es hätte nicht viel gefehlt, da wäre die Grube mit Müll und Schutt vollgeschüttet worden. Vor genau 30 Jahren - am 23. November 1988 - kippte der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Mülldeponie-Pläne der damaligen Landesregierung.

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Was ist die Grube Messel?

Die Grube Messel liegt in Messel im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Aufgrund der vielen bislang gefundenen Fossilien wurde sie am 8. Dezember 1995 als erstes deutsches Naturdenkmal zum Unesco-Weltnaturerbe ernannt. Die heutige Grube besitzt eine Ausdehnung von 800 Metern Durchmesser und ist 130 Meter tiefn. Mehrere 10.000 Fossilien aus der Zeit des Eozäns wurden bisher aus der Grube geborgen, jährlich kommen ca. 3.000 neue Funde hinzu.

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Kampf für die eigene Heimat

Bereits nach der Stilllegung des Ölschiefer-Tagebaus Anfang der 1970er Jahre kamen die Pläne für eine Deponie in Messel auf - und das obwohl die Grube durch ihre Funde längst weltbekannt war. Doch das Land Hessen suchte nach einem passenden Ort für eine Müllkippe. Hessens damaliger Kultusminister Hans Krollmann (SPD) machte sich dafür stark.

Die Bürger in Messel wollten das nicht hinnehmen und gründeten eine Bürgerinitative. Denen es weniger um die Fossilien-Rettung, sondern vielmehr um ihre Heimat ging. Karl Wenchel war einer von ihnen. "Bei dem ganzen Müll wäre Messel untergegangen", sagt er viele Jahre später.

Doch Anfang der 80er Jahre stand der Beschluss: Die Messeler Grube wird eine Mülldeponie. Karl Wenchel und 54 weitere Kläger zogen 1984 vor das Verwaltungsgericht Darmstadt - und scheiterten.

Kläranlagen in der Grube Messel
Im Bau befindliche Pumpen und Kläranlagen an einer Zufahrtstraße zur Grube Messel, aufgenommen am 24.07.1985. Bild © picture-alliance/dpa

Joschka Fischer unterstützte die Müll-Gegner

Im Jahr 1987 folgte dann die Wende. Eine renommierte Stuttgarter Kanzlei nahm den Fall an - und gewann. Der Grund: Die Planung der Mülldeponie war fehlerhaft. Die Kosten der Nachbesserungen hätten sich auf mindestens 300 Millionen D-Mark belaufen. Somit war die Mülldeponie gescheitert.

Grube Messel: Joschka Fischer
Der hessische Umweltminister Joschka Fischer (l.) nach der Vertragsunterzeichnung in der Grube Messel, die nun dem Land Hessen gehört. Bild © picture-alliance/dpa

Auch Joschka Fischer (Grüne), der damalige Umweltminister Hessens, setzte sich damals gegen den Plan ein und unterzeichnete 1991 den Vertrag zum Ankauf der Grube durch das Land Hessen - für 32,6 Millionen Mark.

Die Investition hat sich gelohnt. In den vergangenen 30 Jahren wurden Zehntausende Fossilien geborgen: Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.

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Urpferdchen Grube Messel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Urpferdchen machte die Grube Messel weltbekannt

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Grube in Messel ist einzigartig

Dass die Fossilien in Messel so gut erhalten sind, hat vor allem einen Grund. "Die Tiere fallen in den See hinein, sinken auf den Boden und bilden am Boden Sedimentschichten, die von uns ausgegraben werden", erzählt der Frankfurter Forscher Stephan Schaal vom Forschungsinstitut Senckenberg, wo viele der Funde ausgestellt sind.

Die klimatischen Bedingungen vor 48 Millionen Jahren haben den ganzen Prozess begünstigt. Die Temperaturen lagen durchgehend bei ungefähr 20 Grad, Jahreszeiten gab es nicht. Zusätzlich war der See besonders tief, ungefähr 200 bis 300 Meter. Somit war kaum Sauerstoff vorhanden und es bildete sich Ölschiefer, der die Fossilien gut konservierte.

Diese Funde helfen uns heute, die Tierwelt von damals nachzuvollziehen. Die Forscher der Grube Messel haben so zahlreiche neue Arten entdeckt. Und sie rechnen fest damit, auch in den kommenden Jahren neue Funde zu machen. Denn noch ist längst nicht alles erforscht, was seit 48 Millionen Jahren im Verborgenen liegt.

Grube Messel: Besucherzentrum
Das Besucherzentrum bietet einen Einblick in die aktuelle Forschung der Grube. Bild © Archiv Welterbe Grube Messel gGmbH