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Der Bachelor - ein Hesse im Glück?

Dominik Stuckmann (blonder Mann mit Bart in weiß-blauer Badehose)

Schon zum zwölften Mal verteilt "Der Bachelor" im Fernsehen seine Rosen. Dominik Stuckmann heißt er diesmal und kommt aus Hessen. In einer TV-Show den Partner fürs Leben finden? Die Teilnehmenden haben gute Gründe dafür.

Vor den Dreharbeiten hatte Dominik Stuckmann schon seine Zweifel. Der 30-jährige Frankfurter hatte keinerlei Erfahrung vor der Kamera, bis er "Der Bachelor" wurde. Gerade kann ihm ganz Deutschland dabei zuschauen, wie er allwöchentlich bei RTL seine Traumfrau sucht. 22 Kandidatinnen buhlen in der Dating-Show um sein Herz, am Ende wird eine übrig bleiben.

"Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass unter den Frauen auch eine dabei ist, wo es dann einfach passt?", fragte er sich. Er wollte es trotz Bedenken herausfinden.

Fernsehen verspricht Berühmtheit

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen im Fernsehen nach der Liebe suchen, sagt Misha Kavka. Die Medientheoretikerin forscht seit vielen Jahren zum Thema Reality-TV. "Es ist aufregend, für ein Fernsehformat ausgewählt zu werden", erklärt sie. Und auch wenn heute theoretisch jeder einfach ein TikTok- oder ein Youtube-Video hochladen und damit bekannt werden könne: Fernsehen verspreche Berühmtheit wie kein anderes Medium.

Doch die Wissenschaftlerin sieht darüber hinaus eine tiefergreifende Motivation dafür, die Partnerwahl ins Fernsehen zu verlegen. "Wir geben das nicht gerne zu, aber Menschen mögen es, wenn ihnen Entscheidungen abgenommen werden", sagt Kavka. "All die Dating-Apps und die Online-Portale vermitteln einem permanent: Du hast die Wahl! Aber das ist anstrengend - und am Ende haut es eben doch nicht hin mit der Liebe."

"Potenzielle Partner sind heiß!"

Stuckmann sagt, er sei eigentlich eher der zurückhaltende Typ - "gerade, was das Thema Dating anbelangt". Auch Franziska Temme, eine der Kandidatinnen der diesjährigen Staffel von "Der Bachelor" berichtet, sie sei vor ihrer Teilnahme an der Show nicht aktiv auf der Suche nach einem Freund gewesen. "Ich war grundsätzlich immer offen, aber ich hab es auf mich zukommen lassen."

Franziska Temme

Stuckmann und Temme haben eine Fernsehproduktion Amor spielen lassen. Wissenschaftlerin Kavka erklärt weitere Vorteile: "Sie wussten, dass alle anderen Teilnehmer der Sendung einen Auswahlprozess durchlaufen haben. Sie wussten, die potenzielle Partnerin oder der potenzielle Partner würde heiß sein!"

Entscheidungen werden abgenommen

Wichtiger jedoch sei noch: Bei "Der Bachelor" hätten alle klare Absichten. "In dem Format geht es um die Liebe, speziell um eine Liebe, die auf eine monogame Langzeitbeziehung hinausführt", erklärt Kavka. "Man muss nicht herausfinden, ob es dem Gegenüber nur um Sex geht oder ob die Person lediglich auf Freundschaft aus ist."

Allen "Bachelor"-Teilnehmenden sei das klar und so könnten sie sich leichter aufeinander einlassen. Das ganze Format sei darauf angelegt, dass romantische Gefühle aufkommen, so Kavka. Dinner bei Kerzenschein, Picknick mit Ausblick - der Bachelor und die Kandidatinnen dürften sich nur selten sehen und wenn, würden ihre Begegnungen emotional aufgeladen inszeniert.

"Schnell an die Situation gewöhnt"

Wie aber können intime Momente entstehen, wo doch etliche Kameras auf die potenziellen Paare gerichtet sind? "Es ist schon eine Ausnahmesituation, zu daten, wenn einem mehrere Menschen dabei zugucken", berichtet Stuckmann. Er sei am Anfang nervös gewesen, doch die Aufregung habe sich schnell gelegt. "Ich war überrascht, wie schnell man sich an so eine Situation gewöhnt", sagt er.

Temme teilt seine Erfahrung. "Man hat sich ein bisschen beobachtet gefühlt", erinnert sich die 26-jährige Kasselerin. "Aber nach und nach ist das komplett verschwunden."

"Man lebt wie in einer Seifenblase"

Für Außenstehende mag das schwer vorstellbar sein, doch die Berichte von Stuckmann und Temme decken sich mit dem, was Wissenschaftlerin Kavka über die Erfahrungen ehemaliger Reality-TV-Kandidatinnen und Kandidaten weiß. "Sie gewöhnen sich an die Kameras und vergessen sie - so, wie man manchmal vergisst, dass ein Haustier im Raum ist."

Das Fernsehset wirke nur zu Beginn einer Aufzeichnung hemmend. Tatsächlich würden Kandidaten Gefühle unter den besonderen Gegebenheiten oft intensiver erleben. "Dadurch, dass man dort wie in einer Seifenblase lebt, fühlt sich alles viel krasser an", bestätigt Temme. Weit weg von zu Hause und ohne die Möglichkeit, das Erlebte im Gespräch mit Freunden zu verarbeiten - das sei eine besondere Situation.

Wieder hat auch Rosenkavalier Stuckmann die Dreharbeiten ähnlich erlebt. "Dass man nicht von seinem Alltag abgelenkt ist, dass man sich nur auf eine oder mehrere Frauen einlässt, lässt Gefühle schneller wachsen."

Realität nicht abgebildet

Selbstverständlich bildet ein Reality-Format nicht eins zu eins die Realität ab, erklärt Wissenschaftlerin Kavka. Damit die Geschichte für die Fernsehzuschauer spannend wird, schneiden die Macher Unmengen Material zu verhältnismäßig kurzen Episoden zusammen.

Sie bauen Spannungsbögen, lassen Momente weg, die für die Teilnehmer einer Show vielleicht wichtig waren, fürs Storytelling aber nicht entscheidend sind. Doch die Gefühle, die im Fernsehen zu sehen sind, sagt Kavka, sind echt - jedenfalls in dem Moment.

Liebe hält oft nicht

Elf fertig ausgestrahlte Staffeln "Der Bachelor", acht Staffeln "Die Bachelorette" - es bleibt aber auch festzuhalten, dass von den einstigen Traumpaaren keines mehr zusammen ist. Ex-Bachelor Niko Griesert und Ex-Bachelorette Jessica Paszka haben ihr Herz jedoch an ihre Zweitplatzierten aus der Show vergeben. Andere Ex-Teilnehmer suchen mitunter in anderen Reality-Formaten weiter.

Natürlich passiere es, dass eine Beziehung, die im Fernsehen entsteht, im Alltag keinen Bestand hat, sagt Kavka. Doch in der Liebe gebe es grundsätzlich keine Garantie - ob man sich nun vor laufenden Kameras kennenlernt oder an der Bushaltestelle.