Über sieben Kilometer weit strahlt ein Laserkunstwerk regelmäßig in den Nachthimmel über Kassel. Dem Documenta-Kunstwerk fehlte lange ein entscheidendes Stück: einer der zwei Laserstrahlen. Bis jetzt.

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Audioseite Das Kunstwerk "Laserscape" ist wieder vollständig - mit rotem Strahl

Roter Laser über Kassel
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Nachts ist am Himmel über Kassel regelmäßig ein inoffizielles Wahrzeichen zu sehen: Ein neongrüner Laserstrahl, der von der Innenstadt mehr als sieben Kilometer bis zur Herkulesstatue im Bergpark reicht.

Dieser Strahl ist Teil einer Documenta-Kunstinstallation, nur fehlt ihr seit mehr als zehn Jahren ein entscheidenes Stück: Der parallel verlaufende rote Laserstrahl. Ab Samstagabend wird er wieder am Himmel zu sehen sein.

Von Spiegeln aufgespalten durch die Stadt

Die Installation "Laserscape" wurde vom Künstler Horst H. Baumann für die sechste Documenta im Jahr 1977 geschaffen. Damals musste die Laser-Technik noch aufwändig mit Wasser gekühlt werden. Zum Werk von Baumann gehören nicht nur die beiden roten und grünen Strahlen Richtung Herkules. Ein weiterer Laserstrahl ist auf die Orangerie gerichtet. Von dort wird der Strahl mit Spiegeln in drei Teile aufgespalten durch die barock angelegte Parkanlage Karlsaue gelenkt.

Sabine Schormann, Generaldiektorin der Documenta sagt, die Laserinstallation sei ein Werk, das Kassel präge. Dass der rote Laser nun wieder da ist, sei ganz im Sinne des Künstlers. "Baumann hätte sich darüber ein Loch in den Bauch gefreut". Der Künstler starb im vergangenen Jahr.

Laser gehört seit Jahrzehnten zu Kassel

In den 1970er-Jahren war Laser-Technik eine aufwändige Sache, die Strahlen mit Spiegeln umzulenken sei zu dieser Zeit eine besondere Innovation gewesen, sagt Schormann. Die Documenta versuche immer, auch im Stadtraum neue Räume zu entdecken, "das ist hier in exzellenter Weise gelungen. Im wahrsten Sinne des Wortes nimmt sie Raum ein."

Seit 40 Jahren war die Installation in Phasen immmer wieder zu sehen, teils ermöglicht durch Spenden von Bürgern. Den neuen roten Laser haben die Städtischen Werke zu ihrem 90-jährigen Bestehen gestiftet.

Sendung: hr1, 19.12.2020, 6.20 Uhr