Bilder van Gogh

Das Städel Museum kann Blockbuster-Ausstellungen, so viel ist spätestens seit den Besuchermagneten wie Monet oder Botticelli bekannt. "Making van Gogh" reiht sich da problemlos ein.

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Vincent van Gogh Superstar

Van Gogh ist einer der bekanntesten Maler der Welt, vielleicht sogar der bekannteste überhaupt. Fast jeder dürfte schon einmal von diesem Maler gehört haben, der sich das Ohr abgeschnitten haben soll. Sein exzessives Leben machte van Gogh nach seinem frühen Tod zum Mythos. Das Städel geht nun der Frage nach, wer eigentlich zu dieser Mythenbildung beitrug und van Gogh weltweit bekannt machte. Außerdem fragt das Haus, welchen Einfluss van Gogh auf die deutsche Malerei hatte.

Als sich nämlich van Goghs Schwägerin Johanna nach seinem Tod das Ziel setzte, Vincents Werk bekannt zu machen, stieß sie vor allem in Deutschland auf offene Ohren. Viele Kulturschaffende hatten genug von der als bleiern empfundenen Kulturpolitik der Kaiserzeit. Damals sollte Malerei vor allem Botschaften vermitteln oder wichtige Persönlichkeiten zeigen.

Van Goghs Bilder standen dazu im krassen Kontrast. Eine ganze Generation junger Maler der Gruppen rund um den Blauen Reiter oder die Brücke hatten durch ihn richtiggehende "Erweckungserlebnisse". Oder, wie es Städel-Chef Philipp Demandt bei einer Vorbesichtigung am Montag formulierte: "Ohne van Gogh wäre die Geschichte der deutschen Moderne anders verlaufen."

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Das Städel spielte bei alldem eine besondere Rolle, war es doch eines der ersten Museen, das Werke des Niederländers erwarb: 1908 das Gemälde "Bauernhaus in Nuenen" (1885) und die Zeichnung "Kartoffelpflanzerin" (1885). Drei Jahre später gelangte eines der berühmtesten Gemälde van Goghs in das Museum, das "Bildnis des Dr. Gachet" (1890).

Zentrale Werke an einem Ort

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Die Schau versammelt 50 teils zentrale Werke van Goghs in Frankfurt: 43 Gemälde, sechs Zeichnungen und eine Radierung. Werke, für die Sie sonst weit reisen müssten, um sie im Original zu sehen: "Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer" von 1888 zum Beispiel hängt normalerweise im Van Gogh Museum in Amsterdam. Oder "Bauernhaus in der Provence" von 1888: Das Gemälde ist üblicherweise in der National Gallery of Art in Washington (USA) zu finden.

In Frankfurt nicht zu sehen ist "Das Bildnis des Dr. Gachet" von 1890. Wo genau sich dieses Bild heute befindet, das 1990 für 82,5 Millionen Dollar als damals teuerstes Bild aller Zeiten an einen japanischen Unternehmer verkauft wurde, wissen nur wenige Eingeweihte.

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Stattdessen erinnert ein leerer Rahmen an das Gemälde, das 1933 die Nazis als "entartete Kunst" brandmarkten, aus dem Städel entfernten und in die USA verkauften. Der Rahmen wiederum könnte in den kommenden Wochen zur bekanntesten Selfie-Station des Rhein-Main-Gebiets werden, wie Städel-Chef Demandt am Monat scherzte: "Auch wenn das so natürlich nicht gedacht war."

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Spektakulärer Ausstellungsort

Für "Making van Gogh" hat das Städel seinen unterirdischen Erweiterungsbau freigeräumt. So spektakulär der Bau, so unaufgeregt und aufgeräumt ist die Hängung. Sie gliedert sich in drei große Themenbereiche "Mythos", "Wirkung" und "Malweise". Die drei Bereiche haben keine direkte räumliche Verbindung untereinander, so dass sich die Besucher im zentralen Atrium sammeln und das Gesehene verarbeiten können.

In "Mythos" stellt das Haus die Menschen vor, die van Gogh maßgeblich bekannt machten, darunter vor allem den Galeristen Paul Cassirer und seinen Bruder Bruno. Erzählt wird auch die Geschichte früher Käufe. In "Wirkung" geht es unter anderem um Einfluss van Goghs: Warum seine Bilder vom einfachen Landleben in Zeiten der Industrialisierung so gut ankamen oder warum sich männliche Maler dermaßen mit ihm identifizierten, dass sie sich in Porträts fast kopierten.

Bilder van Gogh

Der Bereich "Malweise" erklärt, was an van Goghs Malerei so revolutionär war und warum er oft falsch interpretiert wurde: Er malte gar nicht "unordentlich" oder spontan, wie ein zeitgenössischer Kritiker schrieb, sondern hatte durchaus einen Plan dafür, wie er Farbe und Fläche einsetzte.

Fazit: "In einer solchen Breite und Tiefe ist van Goghs Rolle in der deutschen Kunstgeschichte noch nicht erzählt worden", sagte Städel-Chef Demandt am Montag. Da hat er absolut recht. Wer durch die Ausstellung geht, kann das Erweckungserlebnis der deutschen Maler nachvollziehen.

Weitere Informationen

Wann? Wo?

23. Oktober 2019 bis 16. Februar 2020

Städel Museum
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt

Di, Mi, Sa, So: 10 bis 19 Uhr, Do, Fr: 10 bis 21 Uhr

Tickets gibt es - je nach Besuchszeit - ab 14 Euro. Für Kinder unter 12 Jahren ist der Eintritt frei.
Multimediale Vorbereitung mit dem Städel-Digitorial

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Ja, ich liebe van Gogh!"

van Gogh Weiden Sonnenuntergang
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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 21.10.2019, 16.45 Uhr