Die Fliegende Volksbühne erhält feste Spielstätte

Nach zehn Jahren auf Reisen bekommt die Fliegende Volksbühne in Frankfurt eine feste Spielstätte. Eröffnung ist am Freitag mit dem "Struwwelpeter".

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Die Jahre des Vagabundierens sind vorbei: Die Fliegende Volksbühne in Frankfurt erhält eine feste Spielstätte. Vor der großen Premiere am Freitag wurde am Montag zu einer Eröffnungsfeier geladen. Die Volksbühne sei "wie unsere Stadt. Vielfältig und unterhaltsam", sagte Franfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Kulturträchtiger Ort

Die neue Volksbühne hat ihre Räume neben Goethes Geburtshaus im Großen Hirschgraben. Ein kulturträchtiger Ort. Unter dieser Adresse gab es auch schon eine Mundartbühne: Das Frankfurter Volkstheater von Liesel Christ spielte von 1975 bis zu seiner Auflösung 2013 ebenfalls im sogenannten Cantate-Saal. Zwischenzeitlich nutzte danach auch die Fliegende Volksbühne diese Räume, ehe sie nun endgültig hier einzieht.

Die Fliegende Volksbühne wurde 2008 gegründet. Mehrere Anläufe für ein festes Haus verliefen im Sande, zum Beispiel der sogenannte Paradieshof in Alt-Sachsenhausen. Das neue Domizil hat 370 Plätze, ein denkmalgeschütztes Foyer, Lagerräume, Garderoben, eine richtige Produktionsstätte also - "ein Quantensprung", sagt Theaterleiter Michael Quast.

"Frankfurt zum Thema machen"

Mindestens fünf große Produktionen pro Jahr will die Volksbühne in Zukunft stemmen, vier Abende die Woche öffnen. Die städtische Förderung deckt Miete und Betrieb der Spielstätte, die Produktionen selbst müssen durch Kartenverkauf und Sponsorengelder finanziert werden. Im Zentrum der Produktionen soll die Stadt und ihre Menschen stehen, so Theaterleiter Quast: "Die Frankfurter bekommen ein Theater, das sich Frankfurt zum Thema macht".

Nach der schon lange ausverkauften Premierenproduktion mit dem Kinderbuchklassiker "Der Struwwelpeter" wird es in den nächsten Produktionen etwa um Wohnungsnot gehen oder um Eintracht Frankfurt, aber auch große Stoffe von Frankfurter Autoren bis hin zu Goethe scheue man nicht, so Quast: "Wir wollen ein Ort sein, wohin die Menschen ohne Schwellenangst gehen. Sie sollen mit guter Laune aus dem Theater kommen, aber wir wollen das Publikum auch nicht unterfordern." Sein Anspruch: "die Tradition des Volkstheaters weiterentwickeln".

Das heiße aber keineswegs, dass man hier nur Mundart zu hören bekomme, betont er. Die Volksbühne will auch Raum bieten für Gäste, demnächst zum Beispiel für ein türkisches Theaterfestival.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.01.2020, 19.30 Uhr