Collage aus verschiedenen Fotos der Ausstellungen, die im 1. Quartal starten.
Bild © Caricatura, Fernandez/ Bayerische Staatsgemäldesammlungen /picture-alliance/dpa / Gironcoli Museum, Herberstein, Foto: Christian Krass

Biestiger Humor, ein bisschen Bauhaus und Goldschätze aus einem Keltengrab, dazu noch eine pralle Städel-Schau mit Meisterwerken aus der Renaissance. Zu Jahresbeginn starten in hessischen Museen Ausstellungen mit erstaunlicher Bandbreite.

Januar | Februar | März

100 Jahre Bauhaus, das feiern einige Museen in Hessen mit großen Sonderausstellungen. Gleich im Januar legt das Museum Angewandte Kunst los mit seiner Schau "Moderne am Main" (19. Januar bis 14. April). Unter dem Namen "Neues Frankfurt" geht das revolutionäre Programm von Stadtplaner Ernst May in die Kulturgeschichte ein - und ist doch so viel mehr, als ein reines Wohnungsbauprogramm: Frankfurt wird zum Zentrum der Avantgarde.

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Die Frankfurter Küche im Museum Angewandte Kunst

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 2019 kommt man ums Bauhaus nicht herum

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Der Kasseler Kunstverein bringt den US-amerikanischen Künstler und Komponisten Ari Benjamin Meyers ins Fridericianum. Vom 17. Januar bis 3. Februar wird Meyers für seine Schau "Tacet" das Museum in einen virtuellen Theaterraum verwandeln. "Tacet", in der Musik die Stille, gilt es dann auch auszuhalten. Die Besucher betreten vielmehr eine Bühne, als einen Ausstellungsraum. Der wird während der Laufzeit übrigens von einem eigentümlichen Archivar bewohnt.

Werk von Ari Benjamin Meyers
Bild © Ari Benjamin Meyers / Kasseler Kunstverein

Wie sieht Architektur heute aus und was von dem, was aktuell gebaut wird, ist preisverdächtig? Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt zeigt vom 26. Januar bis 22. März die 25 besten Bauten in und aus Deutschland. Zum Auftakt der Schau wird einer der vier Finalisten mit dem DAM Preis 2019 ausgezeichnet.

Einer der Finalisten: GMP-Architekten für die Modernisierung und den Umbau des Kulturpalasts in Dresden
Einer der Finalisten: GMP-Architekten für die Modernisierung und den Umbau des Kulturpalasts in Dresden Bild © Christian Gahl / gmp Architekten

Theresienstadt, Sobibor, Treblinka - Konzentrationslager, deren Namen bekannt sind. Anders als der "Vernichtungsort Malyi Trostenez", der in Weißrussland beinahe zu einem vergessenen Ort geworden wäre. Im Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt macht vom 26. Januar bis 17. März eine Wanderausstellung Station, die die Geschichte des Lagers und die Erinnerungskultur thematisiert. Die Schau wurde um eine lokale Komponente erweitert, die Geschichten von Frankfurter Opfern sowie eines Täters, der in Malyi Trostenez mordete, erzählt.

Eröffnung der Wanderausstellung "Vernichtungsort Malyi Trostenez" in der Kirche St. Katharinen in Hamburg
Eröffnung der Wanderausstellung "Vernichtungsort Malyi Trostenez" in der Kirche St. Katharinen in Hamburg Bild © picture-alliance/dpa

Die Kunsthalle Darmstadt startet ihr Ausstellungsprogramm 2019 mit rund 35 Arbeiten aus der Art Collection Telekom. "What Are We Made Of?" zeigt Werke von Künstlern aus Osteuropa. Wie steht es um die ideologische und tatsächliche Aufteilung der Welt in Ost und West? Was macht uns in "Ost" oder "West" wirklich aus? Vom 26. Januar bis 14. April können die Besucher dieser Frage nachgehen.

Iza Tarasewicz, Turba Turbo, 2015
Iza Tarasewicz, Turba Turbo, 2015 Bild © Iza Tarasewicz und Deutsche Telekom AG

Das Goldschmiedehaus Hanau zeigt von 27. Januar bis 14. April die Schau "Die Metallästheten. Reformer und ihre Entwürfe aus Messing vom Jugendstil bis zur Neuen Sachlichkeit". Zu sehen sind Arbeiten von Peter Behrens oder Henry van de Velde, die den Werkstoff Messing mit seinem satten, warmen Farbton für sich entdeckten. Die Ausstellung ist auch ein Beitrag zum Bauhaus-Jubiläum.

Teegarnitur, Messing, Holz,  Frankreich, um 1925
Teegarnitur, Messing, Holz, Frankreich, um 1925 Bild © Knud Schöber

Die Opelvillen in Rüsselsheim würdigen Litauens bekanntesten Fotografen, Antanas Sutkus, mit einer Ausstellung vom 30. Januar bis 28. April. Sutkus verweigerte sich der kunstpolitischen Doktrin der Sowjetherrschaft und konnte viele seiner Arbeiten erst nach 1990 veröffentlichen. Legendär seine Aufnahme von Jean-Paul-Sartre, den Sutkus 1965 auf einer fünftägigen Reise durch Litauen begleitete. Sartre gegen den Wind gestemmt - ein Meisterwerk der Fotogeschichte.

Jean-Paul Sartre in Lithuania. Nida 1965
Jean-Paul Sartre in Litauen, 1965 Bild © Galerie argus fotokunst, Antanas Sutkus/ VG Bild-Kunst, Bonn

Februar

Ein 70. Geburtstag ist eine gute Gelegenheit, eine ordentliche Party zu schmeißen. Das dachte sich auch die Caricatura Frankfurt und feiert den runden Geburtstag von Ernst Kahl mit der Ausstellung "Vergessene Katastrophen" (7. Februar bis 12. Mai). Das dürfte eine ziemlich bunte und vielseitige Schau werden, denn der Zeichner, Maler, Autor, Musiker, Lyriker und Schauspieler hat von Cartoons bis hin zu Objekten und Musik so ziemlich alles im Repertoire.

Waschbärenplage in Kassel
Ernst Kahl: Vergessene Katastrophen: Waschbärenplage in Kassel 2010 Bild © Ernst Kahl

Das Frankfurter Städel Museum entführt uns mit seiner ersten Sonderausstellung des Jahres gleich in das Venedig der Renaissancezeit. Vom 13. Februar bis 26. Mai 2019 dreht sich alles um eines der folgenreichsten Kapitel der europäischen Kunstgeschichte. Tizian, Bellini, Bassano oder Veronese - die Schau bildet mit über 100 Meisterwerken einen Überblick über die Bandbreite der Renaissance in Venedig und zeigt, welchen Einfluss diese Schwergewichte auf nachfolgende Künstlergenerationen hatten und bis heute noch haben.

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Paolo Veronese (1528–1588), Amor mit zwei Hunden, ca. 1580

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ein Schmankerl im Städel gleich zu Jahresbeginn

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"Prototypen einer neuen Spezies" landen vom 14. Februar bis 12. Mai in der Frankfurter Kunsthalle Schirn. Und tatsächlich sehen die Skulpturen von Bruno Gironcoli aus wie aus einer wilden Traumwelt entsprungen. Irritierend fremdartig, findet sich in den Konstrukten dann doch wieder Vertrautes, das Gironcoli in seine Plastiken eingebaut hat. Eine Schau für Detail-Entdecker.

Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1996
Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1996 Bild © Gironcoli Museum, Herberstein, Foto: Christian Krass

Die filmische Welt der Schweden Nathalie Djurberg und Hans Berg ist eindrucksvoll und farbenprächtig. Begleitet von hypnotischer Musik werden düstere Fabeln voll schwarzem Humor erzählt. Ein Erlebnis der besonderen Art, das die Frankfurter Kunsthalle Schirn vom 28. Februar bis 26. Mai bietet. Das Künstlerpaar verspricht eine Reise ins Innere des Menschen - bis zu den Grenzen des Erträglichen.

Nathalie Djurberg & Hans Berg, Dark Side of the Moon, 2017
Nathalie Djurberg & Hans Berg, Dark Side of the Moon, 2017 Bild © Nathalie Djurberg & Hans Berg, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

März

Freunde gepflegter Schadenfreude sollten vom 2. März bis 12. Mai der Caricatura in Kassel einen Besuch abstatten. Erstmals werden dort Karikaturen von Fernandez in einer Einzelschau mit dem Titel "Gegen den Strich" gezeigt. Des Künstlers Lieblings-Sujet? Kleine, fiese Unglücke, die Menschen im Alltag so zustoßen können.

ICE-Führer: "Ich korrigiere: Der Ausstieg befindet sich rechts" - links sind aber schon alle rausgepurzelt.
Hoppala. Bild © Caricatura / Fernandez

Mit ihrer erfolgreichen Schau "Amoklauf in der Waldorfschule" mit Karikaturen von Shootingstar Michael Holtschulte ist die Caricatura Kassel zudem vom 3. März bis 12. Mai zu Gast im Quellenmuseum Bad Wildungen.

Holtschulte-Cartoon Pinocchio am Kiosk: "Einmal Lügenpresse, bitte."
Pinocchio liest sie richtig gerne. Bild © Holtschulte/Caricatura


Mal wieder was vergessen? Kennen wir. Passiert jedem. Vergessen ist völlig normal. Das Historische Museum Frankfurt widmet dem Vergessen eine Sonderausstellung. "Warum wir nicht alles erinnern", heißt es vom 7. März bis 14. Juli. Warum vergessen wir? Unser autobiografisches Gedächtnis ist wählerisch. Nicht alles, was in unserem Leben passiert, bleibt auch haften. Wie geht man damit um, wenn man Traumatisches nicht vergessen kann? Die Schau sucht nach Antworten.

Ilia Kabakov, Collage of Spaces, 2010
Ilia Kabakov, Collage of Spaces, 2010 Bild © Bukhtoyarov Family Collection

2019 steht in Fulda ganz im Zeichen des Stadtjubiläums. Am 12. März 744, also vor 1.275 Jahren, gründete Sturmius mit seinen sieben Gefährten das Kloster Fulda. Damit war die Keimzelle für die Besiedelung einer ganzen Region gelegt. Vor 1.000 Jahren wurde der Stadt das Münz-, Markt- und Zollrecht verliehen. Wie sich die Stadt von damals bis heute wirtschaftlich entwickelt hat, zeigt die Ausstellung "Fulda handelt - Fulda prägt" im Vonderau-Museum vom 12. März bis 4. August.

Abt Eigil überwacht den Bau der Klosterkirche, Kuperstich 1615
Abt Eigil überwacht den Bau der Klosterkirche, Kuperstich 1615 Bild © Vonderau Museum Fulda

Die Frühjahrsausstellung der Kinder-Akademie Fulda ist ein Dauerbrenner (14. März bis 28. April). Alle Jahre wieder heißt es: "Vom Ei zum Küken". In einem überdimensionalen Nest aus Filz wird die Entwickung des Kükens im Ei gezeigt, im Brutraum kann das Schlüpfen der Küken live beobachtet werden.

Imago Küken
Wer ein bisschen Geduld mitbringt, kann Küken schlüpfen sehen. Bild © Imago Images

15 Jahre nach der großen Retrospektive über Eva Hesse stellt das Museum Wiesbaden das Schaffen der Künstlerin erneut in den Mittelpunkt einer Ausstellung. Die Schau vom 15. März bis 23. Juni ist ihren Zeichnungen gewidmet, die sich wie ein roter Faden durch Hesses Lebenswerk ziehen.

Eva Hesse, Ohne Titel, 1965
Eva Hesse, Ohne Titel, 1965 Bild © Galerie Hauser & Wirth, Zürich, Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Nahezu lautlos und majestätisch schweben sie dahin - Zeppeline. Das Zeppelin-Museum in Neu-Isenburg zeigt mit der Fotoausstellung "Luftschiffe der Gegenwart" die Vielfalt der Luftschifffahrt in Deutschland und den USA. Die Fotoschau ist vom 15. März bis 22. September zu sehen.

Zeppelin mit der Aufschrift "MetLife" vor Sonnenuntergang
Faszination Luftschiffe - eine Fotoschau im Zeppelin-Museum zeigt die Vielfalt der schwebenden Riesen. Bild © Zeppelin Museum Zeppelinheim /Jens Schenkenberger

Rot, Weiß und Blau - das sind nicht nur die Farben des hessischen Wappens. Das Museum Wiesbaden erzählt vom 17. März bis 18. August "Farbgeschichten aus Hessen". An Beispielen vom 16. Jahrhundert bis heute wird gezeigt, wie Hessen mit Farben und Farbstoffen verbunden ist, vom Biebricher Scharlach über das Frankfurter Schwarz bis hin zum Kasseler Braun.

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Museum Wiesbaden: Rot Weiß Blau - Farbgeschichten aus Hessen

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Zum Artikel auf hr2.de Wiesbaden, Museum: Rot, Weiß, Blau - Farbgeschichten aus Hessen

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"Hessen först!" heißt die Sonderausstellung, mit der das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach im Taunus in das Jahr startet. Gezeigt werden Karikaturen von Achim Greser und Heribert Lenz. Aus ihrem mittlerweile mehrere tausend Zeichnungen umfassenden Archiv werden etwa 70 handverlesene Karikaturen mit engem Hessenbezug gezeigt. Vom 17. März bis 1. Dezember immer mittwochs, freitags und an den Wochenenden.

Eine schwierige Entscheidung! Affe denkt darüber nach: Evolution? Ja oder Nein
Eine schwierige Entscheidung! Bild © Greser & Lenz

In der Keltenwelt am Glauberg kann man in einer Sonderausstellung vom 22. März bis 13. Oktober dem Geheimnis der Keltenfürstin von der Heuneburg auf den Grund gehen. Die Heuneburg in Baden-Württemberg zählt zu den bedeutendsten keltischen Siedlungen in Europa. 2010 stießen Archäologen dort auf die Grabkammer einer frühkeltischen Frau. In der Schau sind originalgetreue Nachbildungen der Fundstücke zu sehen.

Goldperlen aus dem Keltengrab Heuneburg - die 2010 bei Ausgrabungen gefunden wurden
Goldperlen aus dem Keltengrab Heuneburg - die 2010 bei Ausgrabungen gefunden wurden Bild © picture-alliance/dpa

In den 1920er-Jahren entstand in Frankfurt ein eindrucksvolles Programm baulicher und kultureller Erneuerung. Unter dem Namen "Neues Frankfurt" ging es in die Kulturgeschichte ein. "Neuer Mensch, neue Wohnung" heißt eine Sonderschau im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt vom 23. März bis 18. August, die sich der Architektur des neuen Frankfurt von 1925 bis 1933 widmet. Unter Stadtbaurat Ernst May nahm die Moderne Gestalt an.

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Podcast Frühkritik

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Zum Artikel auf hr2.de Frankfurt, DAM : Neuer Mensch, Neue Wohnung - Die Bauten des Neuen Frankfurt 1925 - 1933

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Um die "Die Kunst des Forschens" geht es vom 24. März bis 14. Juli 2019 im Museum Giersch in Frankfurt. Die Schau präsentiert mehr als 200 Bilder, Fotografien und Nachzeichnungen prähistorischer Felsbildkunst. Die Objekte entstanden auf den weltweiten Expeditionen von Leo Frobenius (1873-1939) und seinen Nachfolgern und sind spannende Zeugnisse aus der Verbindung von Kunst und Wissenschaft.

Karin Hissink: Elisabeth Pauli und Katharina Marr beim Kopieren der großen Elefantengruppe, Richa/Aflou, Algerien, 1934/35
Karin Hissink: Elisabeth Pauli und Katharina Marr beim Kopieren der großen Elefantengruppe, Richa/Aflou, Algerien, 1934/35 Bild © Museum Giersch

Bis 28. März zeigt das Sara Nussbaum Zentrum in Kassel die Sonderausstellung "Spirit of Israel". Zu sehen sind rund 40 Zeichnungen und Gemälde des israelischen Künstlers Gregory Vachlis, die eine Vielfalt an Motiven aus Jerusalem zeigen. Ein eigener Raum ist Illustrationen von jüdischen Ritualen gewidmet, wie sie vermutlich bis zur Zerstörung der Tempelanlage im Jahr 70 auf dem Tempelberg vollzogen wurden.

Tempelanlage von Gregory Vachlis
Tempelanlage Bild © Gregory Vachlis / Sara-Nussbaum-Zentrum

Als Schülerin von Marina Abramovic geht Chiharu Shiota für ihre Kunst manchmal ungewöhnliche Wege. Für eine Performance lag sie einmal vier Tage fastend in einem Erdloch. Gerne wird Shiota auch selbst Teil des Kunstwerks. Für ihre Arbeiten, die das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg zeigt (31. März bis 16. Juni), umspinnt sie Gegenstände. Vergessenes in Erinnerung rufen, das will die Schau mit dem Titel "Vernetzung".

Chiharu Shiota, Beyond Time, Yorkshire Skulpture Park, 2018
Chiharu Shiota, Beyond Time, Yorkshire Skulpture Park, 2018 Bild © Chiharu Shiota und VG Bild-Kunst, Bonn 2018