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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr als schnöde Verpackung: Coverkunst

verschiedene Plattencover nebeneinander - jeweils nur ein Streifen ist pro Cover zu sehen

Wer Musik streamt, bringt sich um ein sinnliches Vergnügen: Plattencover sagen oft viel über die Musik aus. Einige haben Kultstatus. Und was haben hessische Bands zu bieten? Ein Ausflug durch Plattencover der vergangenen Jahrzehnte.

Als die Schallplatte vor über 100 Jahren in Mode kommt, schenkt man der Verpackung des neuen Trendprodukts noch wenig Aufmerksamkeit. Die Schellack-Scheiben stecken in einfachen Papierhüllen - fertig ist der Lack.

Rodgers & Hart ‎– Smash Hits By Rodgers & Hart, 1940

Vor 80 Jahren entwirft der 23-jährige Grafiker Alex Steinweiss aus New York das erste gestaltete Plattencover. Darauf spielt die Leuchttafel des New Yorker Imperial Theatre eine Hauptrolle. Steinweiss überredet den Besitzer, die Anzeigentafel für eine Stunde so einzustellen, dass sein Team den Schriftzug "Rodgers & Hart" fotografieren kann.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Gestaltung von Plattencovern zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Viele dieser Bilder sind legendär: Das Prisma auf "Dark Side Of The Moon" von Pink Floyd, die Jeans mit Reißverschluss auf "Sticky Fingers" von den Rolling Stones oder die bunte Versammlung auf "Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles.

Und was haben hessische Bands und Musiker in puncto Plattencover zu bieten? Hier ein kleiner Ausflug durch die vergangenen Jahrzehnte:

Die 60er: Albert Mangelsdorff Quintet, "Tension"

Plattencover Albert Mangelsdorff, Tension 1963

In den 1960ern ist Frankfurt die Hauptstadt des Jazz in Deutschland. Das erste Album des Mangelsdorff-Quintetts gehört zeitweise zu den bestverkauften Alben der Plattenfirma CBS. Nach einer DDR-Tournee veröffentlicht die staatliche Amiga die Platte auch fürs ostdeutsche Publikum. Das Cover stammt vom Kronberger Grafiker Günther Kieser, der später mit seinen Plakaten für das Deutsche Jazzfestival Frankfurt bekannt wird.

Die 70er: The Petards, "Pet Arts"

Cover The Petards "Pet Arts"

Die Band aus Schrecksbach im Schwalm-Eder-Kreis ist eine der erfolgreichsten und populärsten Bands der Beat-Ära in Deutschland. Mit Hits wie "Pretty Liza" oder "Misty Island" sind sie in den Charts. Die Leserinnen und Leser der Zeitschrift "Musikexpress" wählen sie zur besten Nachwuchsgruppe. 1972 löst die Band sich auf und verabschiedet sich mit dem Doppelalbum "Pet Arts", dessen Cover an "A Saucerful Of Secrets" von Pink Floyd erinnert und folgerichtig auch den Weg der Band vom Beat zum psychedelischen Rock hörbar macht.

Die 80er: Rodgau Monotones "Volle Lotte"

Cover Rodgau Monotones "Volle Lotte"

Was kommt denn da für'n wüste Krach aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach? Was lärmt in Kassel, Gießen und Wiesbaden bloß so gnadenlos? Mit dem Album "Volle Lotte" (1984) erobern sich die Rodgau Monotones aus dem Landkreis Offenbach Herzen und Partys in ganz Deutschland.

Cover Rodgau Monotones Die Hesse komme, 1984

Die Single-Auskopplung "Die Hesse komme" gilt vielen bis heute als heimliche Hessen-Hymne. Im offiziellen Hessenlied jedenfalls beginnt keine Zeile mit: "Erbarme - zu spät - die Hesse komme".

Die 90er Jahre: Badesalz, "Och Joh"

Plattencover Badesalz "Och Joh"

Eigentlich nur als Nebenprojekt von Henni Nachtsheim und Gerd Knebel gegründet, wird das urhessische Duo "Badesalz" in den 90er Jahren bundesweit Kult. Vom Fleck weg sind sie mit dem Album "Och Joh" und der dazugehörigen Fernsehsendung sprichwörtlich in aller Munde. Zitate aus dem Debüt haben längst Eingang in die Alltagssprache gefunden. "Mein Bub, du bist 42 Jahre und Elektroingenieur." - "Hach, der Lambada." - "Och Joh!"

Die 00er: Juli, "Es ist Juli"

Plattencover Juli "Es ist Juli"

Die Band aus Gießen hat ihren Durchbruch im Sommer 2004 mit dem Song "Perfekte Welle". Er wird zu einer Art Hymne der neuen Erfolgswelle für deutsche Texte in der Popmusik. Das Album "Es ist Juli" folgt im Herbst, kommt bis auf Platz 2 der deutschen Albumcharts und hält sich mehr als ein Jahr lang unter den ersten 25. Das Cover ist eine klassische Collage, deren Stil sich im gesamten Booklet zur CD fortsetzt.

Die 10er: Milky Chance, "Sadnecessary"

Plattencover von Milky Chance Sadnecessary, 2013

Der Überraschungserfolg aus Kassel: Clemens Rehbein und Philipp Dausch landen 2013 über ein You-Tube-Video zuerst nationale, dann internationale Aufmerksamkeit und mit "Stolen Dance" einen Millionenhit. Das Album "Sadnecessary" folgt wenige Monate später und verschafft Milky Chance weltweiten Erfolg - inklusive ausverkaufter Tourneen. Das Albumcover haben die Kasseler Künstler Moritz Buchmann, Martin Rost und Benne Weymann gestaltet.

Sendung: hr-iNFO, 08.01.2021, 20.30 Uhr