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Beeindruckende Kulturschaffende aus 2021

Die Pandemie stellte die hessische Kulturszene auch in diesem Jahr wieder vor große Herausforderungen. Trotzdem entstanden beeindruckende Projekte. Diese hier werden in Erinnerung bleiben.

In einem Jahr, in dem die Gesellschaft vor vielen Herausforderungen stand, die oft entzweiten, zu Wut führten und teilweise Gräben durch Familien zogen, haben viele Kulturschaffende in Hessen mit ihren Ideen und Projekten versucht, andere zu unterstützen. Hier fünf Beispiele:

Sonja Marschall erklärt Kindern mit ihren Büchern Krebs

"Wenn jemand mal den Mund aufmacht und sagt, was Sache ist, kann man viel besser damit umgehen", meint Sonja Marschall aus Kelkheim. Sie schreibt Kinderbücher, in denen es um Krankheiten wie Allergien oder Krebs und den Tod geht. Auf die Idee gekommen ist die Medizinstudentin 2017. Damals erkrankte ihr Babysitter-Kind an Krebs. Bücher, die ihm hätten helfen können um zu verstehen, was da im eigenen Körper passiert, gab es kaum.

Und so wurde Marschall noch zu Schulzeiten Kinderbuchautorin. "Man kann Kindern schon sehr viel zumuten - wobei zumuten eigentlich ein schwieriges Wort ist", sagt sie. Schließlich sei die Krankheit in all ihrer Härte da und dann sei es auch wichtig, darüber zu sprechen.

Ihre Bücher sollen Kinder dabei unterstützen, mit ihren Krankheiten besser zurecht zu kommen. "Wenn ein Kind sich selbst damit beschäftigen kann, wie eine Infusion aussieht oder warum bei einer Chemotherapie die Haare ausfallen, dann könnte das einen erheblichen Teil der Angst nehmen."

Filmemacherin Theresa Breuer rettet Menschen aus Afghanistan

"Ich bin noch nie die Helikopter-Journalistin gewesen, die sich kurz irgendwo im Krisengebiet abseilen lässt und dann wieder abhaut", erzählte Dokumentarfilmerin Theresa Breuer im Oktober im Interview mit hessenschau.de. Zu dem Zeitpunkt plante sie von Tadschikistan aus eine weitere Evakuierungsmission in Afghanistan.

Mehr als 500 Menschen konnten dank ihrer Hilfe in diesem Jahr vor den Taliban gerettet werden. Die Wiesbadenerin sagt von sich selbst, sie habe eine Tendenz, sich in Dinge reinzusteigern. "Ich glaube auch, dass es diesen Wahnsinn braucht, um Dinge möglich zu machen - zumindest in der Anfangsphase, wenn alles noch unmöglich scheint."

Wahnsinn oder Organisationstalent? Fest steht: Ohne ihr ganz persönliches Hilfsbestreben hätte das Projekt "Luftbrücke Kabul" wohl nie geklappt. Als Journalistin wisse sie, welche Fragen man stellen müsse, um ein eine Evakurierungsmission zu starten. "Nach zehn Jahren Arbeit in Krisengebieten weiß ich, wie man Dinge möglich macht."

Dragqueen Electra Pain macht anderen Mut auf Tiktok

Electra Pain zieht auf Tiktok Tausende in ihren Bann. Die Dragqueen aus Frankfurt nutzt die Plattform, um sich für LGBTQI+-Szene einzusetzen. Oft beantwortet sie dort Fragen von Jugendlichen zu Themen wie Outing, sexuelle Identität oder Liebeskummer.

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Sie gibt die Ratschläge, die ihr in dem Alter selbst gut getan hätten. "Ich war sehr in mich gekehrt, ich hatte wenig Freunde und habe mich sehr zurückgezogen, weil ich Angst davor hatte, was die anderen denken, wenn sie merken, dass ich schwul bin."

Viele ihrer mittlerweile fast 400.000 Tiktok-Fans sind Kinder. Wenn ihr jemand von einem ernsthaften Problem berichte, leite sie das an entsprechende Beratungsstellen weiter. "Ich bin ja keine ausgebildete Psychologin", sagt sie. "Aber ich bin empathisch, habe ein großes Herz und habe selbst schon einiges im Leben erlebt."

Yvonne Sophie Thöne und Anna Voelske krempeln die Modewelt um

Yvonne Sophie Thöne aus Kassel macht Diversität sichtbar. Die Models der Fotografin sind Menschen mit Behinderung, Transfrauen, Schwarze, Kurvige und alle, die aus anderen Gründen nicht der "Norm" entsprechen, denn sie hat ein Problem mit der Modewelt: "Wir sind immer noch zu wenig divers und das müssen wir ändern", meint sie. "Die Normalität erreicht man nur, indem man Sichtbarkeit schafft."

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Diversität in der Modewelt

maintower vom 14.05.2021
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Um diese Sichtbarkeit herzustellen, veranstaltet Thöne immer wieder Fotoshootings mit diversen Models. Anfangs würden Betrachterinnen und Betrachter der Fotos vielleicht noch denken: "Oh, das ist eine dicke Frau." Aber Yvonne Sophie Thöne glaubt fest daran, dass schon bald ein Normalisierungseffekt eintritt: "Irgendwann denkt man: Naja, das ist einfach eine Frau, das ist ein geiles Kleid, was die anhat!"

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Modelagentur setzt sich für Nachhaltigkeit ein

Anna Voelske hat eine nachhaltige Modelagentur gegründet
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Nicht nur diverser, auch umweltbewusster ist die Modewelt in diesem Jahr geworden. In Butzbach gibt es sogar eine nachhaltige Modelagentur. Gegründet wurde sie von Anna Voelske, die ebenfalls Modefotografin ist. "Spätestens seit Fridays for Future ist es in allen Mündern, dass wir diesen Planeten hier haben - und nur diesen", meint Voelske.

Bei den Models, die sie unter Vetrag nimmt, ist ein umweltbewusster Lifestyle Voraussetzung. Rund 60 Models sind bereits in der Kartei der Agentur. Das Ziel von Gründerin Anna Voelske ist es, weltweit durchzustarten.

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