Bild-Kombo: Goethe-Elefant, Eiserner Steg

Die Frankfurter Fotografin Ulrike Crespo hat dem Städel Museum über 90 bedeutende Gemälde vermacht. Sie sind nun Teil einer Sonderausstellung. Was Schenkungen angeht, hat Hessen aber noch weit mehr zu bieten - auch Kurioses und Tierisches.

Für das Städel Museum ist es eines der bedeutendsten Vermächtnisse: 90 Gemälde und Arbeiten auf Papier hat die Frankfurter Fotografin und Mäzenin Ulrike Crespo dem Museum vermacht. Das Museum würdigt diese Geste nun in der Ausstellung "Zeichen der Freundschaft" und zeigt vom 24.11.2021 bis zum 6.3.2022 Werke von unter anderem Franz Marc, Otto Dix und Max Ernst.

2001 gründete Ulrike Crespo eine Stiftung in Frankfurt, die mit zahlreichen Projekten gesellschaftlich Benachteiligte fördert und dabei einen Schwerpunkt auf Bildung und Kreativität legt. Außerdem baute sie eine Sammlung zeitgenössischer Kunst auf. Die dem Städel vermachten Werke sind Teil der weit umfangreicheren Sammlung von Karl Ströher, Ulrike Crespos Großvater.

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Mit ihrer Schenkung reiht sich die 2019 gestorbene Mäzenin in eine lange Tradition ein: Die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger haben schon seit jeher nicht nur gerne Dinge selbst in die Hand genommen, sondern sich auch großzügig engagiert. Aber auch hessenweit haben Museen immer wieder Schenkungen erhalten - nicht nur in Form von Kunst.

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Audioseite Tierische Schenkungen für Museen in Hessen

Das Bild zeigt ein Elefanten-Skelett in einem Glaskasten.
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Der Goethe-Elefant im Naturkundemuseum Kassel

Zwei Jahre alt war der indische Elefant und nur so groß wie ein Esel, als er 1773 in den Tierpark von Friedrich II, Landgraf von Hessen-Kassel, kam - als Hochzeitsgeschenk. Das Tier wurde schnell ein Publikumsmagnet und lebte an den Hinterfüßen angekettet in einem Stall. Bei schönem Wetter durfte er an der Kette raus. Außerdem wurde der Elefant auch als Arbeitstier im Auepark eingesetzt. Bei einem Unfall stürzte das Tier im Alter von neun Jahren den Abhang der Karlsaue herunter und starb dabei.

Richtig berühmt wurde er aber erst nach seinem Tod. Der Naturwissenschaftler Samuel Thomas Soemmerring präparierte die Überreste des Tiers und stellte sein Skelett auf. "Allgemein nimmt man an, dass dieses Elefantenskelett von 1787, als es präpariert wurde, das älteste erhaltene Großsäugerskelett in Europa war", sagt Kai Fündler, der Leiter des Naturkundemuseums Kassel, wo das Skelett heute steht.

Johann Wolfgang von Goethe lieh sich damals den Schädel des Tiers für seine Studien am Zwischenkieferknochen. Nach damaligem Forschungsstand hatten Säugetiere einen solchen Knochen, Menschen aber nicht. Daraus schloss man, dass der Mensch sowohl geistig als auch anatomisch vom Affen zu trennen sei. Doch Goethe entdeckt den Knochen später auch beim Menschen - was weitreichende Folgen für Wissenschaft, Religion und Philosophie hatte.

Eine Dino-Mumie für das Senckenberg Museum

Das Skelett eines Dinosauriers

Edmond, ein Dinosaurier der Gattung Edmontosaurus, lief vor knapp 70 Millionen Jahren durch ein Flussbett und sank plötzlich ein. Das Tier war in Treibsand geraten - so die Vermutung der Forscher. Beim Versuch sich freizustrampeln, habe sich Edmond noch tiefer eingegraben und und sei schließlich versunken. Experten gehen davon aus, dass der Dino-Kadaver und der Treibsand danach schnell austrockneten. Es sei eine Art Mumie entstanden: ein dreidimensionaler Abdruck der Körperoberfläche und der Haut. Vom Körper selbst blieb lediglich das Skelett übrig.

1910 fand Fossilienjäger Charlie Sternberg Edmonds Mumie im US-Bundesstaat Wyoming. Er verkaufte sie A.v. Weinberg, einem der Besitzer der Cassella-Werke in Frankfurt-Fechenheim. Dieser wiederum überließ Edmond dem Senckenberg Museum. Ein besonderes Geschenk: Solche "Dino-Mumien" sind relativ selten, die Mumie von Edmond ist damals erst die zweite überlieferte ihrer Art. "Schenkungen sind für ein Museum das A und O", sagt Philipe Havlik, Kurator im Senckenbergmuseum.

Kreative Särge als Geschenk für das Sepukralmuseum

Ghanaische Särge

Eine Bibel, eine Kuh oder ein Linienbus: In Ghana sehen Särge aus wie Kunstwerke. Sie sind nicht nur dazu da, einen Leichnam zu bestatten, sondern auch die Persönlichkeit des oder der Verstorbenen widerzuspiegeln. Sie sind häufig entweder dem sozialen Status, dem Familientotem - ein Tier, das in besonderer Verbindung zur Familie steht - oder dem Beruf nachempfunden. Nicht selten verschulden sich die Angehörigen, weil die figürlichen Särge so hohe Kosten verursachen.

2018 schenkte die Kunsthändlerin Antje Hegge dem Museum für Sepulkralkultur Kassel 28 ghanaische Särge. Die Werke kommen aus der Werkstatt des Sargkünstlers Paa Joe, dem bedeutendsten ghanaischen Sargkünstler seiner Generation. Da mittlerweile viele Privatpersonen und Museen außerhalb Afrikas auf diese Objekte aufmerksam geworden sind, werden vermehrt figürliche Särge und Modelle für den Verkauf angefertigt und nicht für Bestattungen genutzt.

Bürger schenken der Stadt Frankfurt eine Brücke

Eine Metallbrücke über einem Fluss, dahinter die Silhouette einer Stadt

Als Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung Frankfurts von 35.000 auf 57.000 Einwohner stieg, forderten die Bürgerinnen und Bürger eine weitere Brücke. Denn die bis dahin einzige Brücke, die Alte Brücke, könne die steigenden Fiakerfahrten zu den Bahnhöfen sowie die vermehrten Bierfuhren nicht verkraften, meldeten sie dem damaligen Magistrat. Doch der wollte die Kosten für den Bau nicht übernehmen.

Wie so oft in Frankfurt ergriffen die Bewohnerinnen und Bewohner selbst die Initiative und riefen eine Art frühes Crowdfunding ins Leben: Sie gründeten 1867 einen Verein zum Bau einer eisernen Fußgängerbrücke und verkauften Anteilsscheine. Nachdem die geschätzten Baukosten von 120.000 Gulden eingenommen waren, wurde die Brücke kostenlos der Stadt übereignet. Weil die Finanzierung auf diese Weise gesichert war, stimmten die Stadtverordneten dem Bau der Brücke zu. Von 1868 bis 1869 wurde sie schließlich gebaut.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde der Eiserne Steg von der Wehrmacht gesprengt und 1946 als eine der ersten Brücken wieder aufgebaut. Heute überqueren täglich etwa 10.000 Menschen die Brücke.

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