Die Kombination zeigt ein Foto der Elchskulptur, die vor der Caricatura Frankfurt steht und ein Portrait von Achim Frenz
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Der Streit ist beigelegt und das Caricatura Museum in Frankfurt vom Tropf des Historischen Museums abgeschnitten. Endlich, sagt der Direktor Achim Frenz. Er spricht von einem großen Schritt "für die Weltherrschaft der komischen Kunst".

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Nach gut zehn Jahren Streit zwischen den beiden Museumschefs Achim Frenz und Jan Gerchow hat Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) eine Entscheidung getroffen: Das Caricatura Museum für Komische Kunst wird vom Historischen Museum abgekoppelt und kann in Zukunft eigenständig agieren. Das freut Caricatura-Leiter Frenz sehr. Was er mit der neu gewonnenen Freiheit vorhat, erzählt er im hessenschau.de-Interview.

hessenschau.de: Unabhängig, eigenständig – sind Sie jetzt happy?

Achim Frenz: Ich bin happy, ja. Das ist ein großer Schritt für die Menschheit und für die Weltherrschaft der komischen Kunst. Wir sind jetzt endlich da, wo wir immer hin wollten. Seit ich im Jahr 2000 nach Frankfurt kam, war angedacht, dass dieses Museum eigenständig werden wird. Durch unglückliche Umstände ist das verwässert worden.

hessenschau.de: Ist der jahrelange Streit mit dem Direktor des Historischen Museums, zu dem die Caricatura bislang gehörte, mit der jüngsten Entscheidung beendet? Oder bleibt da emotional etwas hängen?

Frenz: Es wird ja immer so gesagt, das sei eine Auseinandersetzung zwischen zwei Herren, die sich nicht verstehen. Das sehe ich nicht so. Das ist eine ganz normale Auseinandersetzung um den richtigen Weg. Dass ich und der Direktor des Historischen Museums nicht aus einem Holz geschnitzt sind, das merkt man schon, wenn man uns sieht. Aber das muss ja auch nicht sein. Das alles hat mich sehr beschäftigt während dieser langen zehn Jahre des Kampfes. Aber ich tat es für Frankfurt. Jetzt sehe ich das alles ganz locker und bin zufrieden.

hessenschau.de: Warum haben Sie so vehement für die Eigenständigkeit der Caricatura vom Historischen Museum gekämpft?

Frenz: Was wir bisher hatten, war nicht tragbar. Ich habe ja mehrfach öffentlich erklärt, dass uns Geld genommen oder nicht richtig organisiert wurde und dass uns Stellen geklaut wurden. Das ist bis zu einem bestimmten Punkt aushaltbar, und dann eben nicht mehr. Und dann stellt sich die Frage, ob dieses Museum bewusst klein gehalten wird oder ob man den anderen Weg geht und versucht, das Potenzial auch wirklich auszuschöpfen.

Ich bin wirklich froh, dass die Dezernentin die Entscheidung getroffen hat, dass wir eigenständig in die Welt hinaus ziehen können, um unseren Auftrag zu erfüllen.

hessenschau.de: Was versprechen Sie sich von Ihrer neu gewonnenen Freiheit? Bekommen Sie von der Stadt mehr Geld und mehr Mitarbeiter?

Frenz: Ich verspreche mir, dass wir schlagkräftiger werden. Dass wir die Entscheidungen, die wir hier treffen auch selber verantworten und nicht über drei, vier Hürden laufen müssen. Sicher: Wir bekommen mehr Geld. Und uns wurde eine neue Stelle zugesagt. Wir versuchen, unsere Struktur so zu ordnen, dass das alles nicht mehr so improvisiert ist.

hessenschau.de: Wie war die Caricatura bislang finanziell aufgestellt?

Frenz: Das Caricatura Museum hat von den Stadtverordneten einstimmig einen Etat von 510.000 Euro zugesprochen bekommen. Das war für das gesamte operative Geschäft, damit haben wir unter anderem Ausstellungen gemacht, die Buchmesse bespielt oder das Stoffel unterstützt.

Es musste aber auch das Haus unterhalten werden. Die Strom- und Heizungskosten sind in den vergangenen zehn Jahren etwa um 50 Prozent gestiegen. Das wurde nie angepasst und musste am operativen Bereich abgeknapst werden. Wenn wir erzählt haben, dass wir das alles mit 510.000 Euro schaffen, hat uns das da draußen kein Mensch geglaubt. Der berühmte Künstler Arnold Hau hat einmal gesagt: "Mit 150 Mark ist die Bibel nicht zu verfilmen."

hessenschau.de: Macht die Caricatura jetzt alles selbst? Auch den ganzen Verwaltungskram – will man das?

Frenz: Will man das? Also ich habe mal Kunst studiert. Ich habe keine Ahnung davon und kann es nicht machen. Deswegen müssen neue Kollegen kommen und die Verwaltung organisieren. Ich hoffe, dass wir gute Ansprechpartner im Kulturdezernat haben und das zusammen ruckeln werden. Wenn wir das nicht schaffen, müssten wir über eine Abwicklung der Caricatura in Frankfurt reden und das kann ernsthaft keiner wollen.

hessenschau.de: Oberbürgermeister Peter Feldmann nennt Frankfurt die "Hauptstadt der Satire". Was sagen Sie dazu?

Frenz: Meine Rede seit fast 20 Jahren! Schön, dass der Oberbürgermeister das auch so sieht. Und er hat ja recht damit.

Historisch gesehen spielte die Satire, der gezeichnete Witz oder die Karikatur immer eine ganz besondere Rolle in Frankfurt. Die Linie lässt sich von 1848 Paulskirche über Stoltze bis hin zu Pardon und Titanic ziehen - zwei wichtige Magazine, die hier gegründet wurden. Namen wie Robert Gernhardt, F.K. Waechter, F.W. Bernstein, Chlodwig Poth, Eckhard Henscheid, Pit Knorr haben alle bei Pardon mitgearbeitet und einige von ihnen haben die Titanic gegründet. Den Geist der Neuen Frankfurter Schule wollen wir in die Welt hinaus tragen.

hessenschau.de: Welchen Stellenwert hat die Caricatura in der Frankfurter Museumslandschaft?

Frenz: Dieses Haus gehört zu dieser Stadt. Gäbe es das Museum nicht schon, müsste man es erfinden. Von den Besucherzahlen sind wir ganz gut aufgestellt: Im vergangenen Jahr hatten wir fast 70.000 Besucher, damit stehen wir im Ranking der Frankfurter Museen irgendwo im obersten Drittel. Wir locken Besucher aus ganz Deutschland an.

hessenschau.de: Sie fordern eine Weiterentwicklung der Caricatura. Welche Grenzen spüren Sie?

Frenz: Wenn wir die neuen Mitarbeiter bekommen, die wir brauchen, ist das nächste Problem, dass wir Raum brauchen. Wir sind mit dem Haus eigentlich sehr zufrieden, aber es ist zu klein. Bei 70.000 Besuchern pro Jahr stehen sie zeitweise in Dreierreihen vor den Bildern.

Wir brauchen mittelfristig mehr Raum und das kann Anbau heißen, das kann aber auch bedeuten , dass wir für ein paar Jahre Container auf dem Hof aufstellen. Und wir brauchen auch neuen Platz für die grafische Sammlung, die derzeit noch im Historischen Museum untergebracht ist. Einen Umzug kann ich mir derzeit nicht vorstellen, ich wüsste gar nicht wohin.

hessenschau.de: Welchen Stellenwert hat die Kunstform Karikatur heutzutage noch in der Gesellschaft?

Frenz: Einen sehr hohen. Sie wurde zwar ein bisschen vernachlässigt in Deutschland und ist ein bisschen bedroht, weil die Zeitungen, die Cartoons drucken,  auch nicht mehr diese großen Auflagen haben. Zeichner werden eingespart, das ist ein Problem.

Aber seit dem Anschlag auf Charlie Hebdo in Frankreich ist klar geworden, wie wichtig Satire und unser Museum für die Gesellschaft sind. Denn immer, wenn es Angriffe auf unsere Freiheit gibt und gab, stehen die Satiriker, also auch wir, in der ersten Reihe und verteidigen die Meinungsfreiheit. Das ist eine Aufgabe, die wir sehr ernst nehmen. Wir sind ein ernsthaftes Kunstmuseum und kein Museum für lustige Bilder an der Wand.

Das Gespräch führte Katrin Kimpel.