Mann im Kanu mit Tankschiff im Hintergrund

Dirk Rohrbach ist von der Quelle des Missouri zur Mündung des Mississippi gepaddelt. Das sind rund 6.000 Kilometer. Im Interview erzählt der Hanauer Arzt von Huckleberry Finn-Momenten, von Sehnsuchtsorten und wie alles anfing auf der Kinzig.

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Auf seiner 6.000-Kilometer-Reise geriet Rohrbach in heftige Stürme mit bis zu zwei Meter hohen Wellen, dann wieder fast ruhiges Gewässer, Mückenschwärme, die Hitze der Südstaaten.

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Dirk Rohrbach hat in Frankfurt Medizin studiert und arbeitete dann acht Jahre lang als Arzt in einer orthopädischen Praxis in München. Außerdem war er Radiomoderator beim Bayerischen Rundfunk. Im Jahr 2004 nahm er sich seine erste Auszeit. Mit dem Fahrrad radelte er 15.000 Kilometer durch Amerika. Vor zehn Jahren unternahm er seine erste Kanutour auf dem nordamerikanischen Yukon River. Er hat nach eigenen Angaben derzeit keinen festen Wohnsitz.

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Bis zu zehn Stunden am Tag paddelte er in seinem selbstgebauten Kajak. Start war die Quelle des Missouri. Nach 135 Tagen und 6.051 Kilometern hatte der Hanauer die Mündung des Mississippi erreicht.

Unterwegs traf der heute 52-jährige auf die "River Angels" - Flussengel - selbst passionierte Kajakfahrer. Sie freuen sich über jede Geschichte, die einer erzählen kann. Und Rohrbach erzählt ihnen gerne seine. Und die hat der Extremsportler nun in einem Buch festgehalten. "Im Fluss" heißt es und ist im Malik-Verlag erschienen. hessenschau.de sprach mit ihm über seine Reise.

hessenschau.de: Was hat Sie ausgerechnet auf den Yukon gebracht?

Rohrbach: Der Yukon war ein Sehnsuchtsort seit der Kindheit und Jugend. Ich habe mit meinem Schulfreund Matthias die Bücher von Jack London gelesen und wir wollten in den Norden, sind nach Lappland, nach Schweden. Da war die Faszination für den Norden geboren und da wollte ich dann zum Yukon.

hessenschau.de: Sind sie vorher schon gepaddelt?

Rohrbach: Ja. In Hanau gibt es einen ganz erfolgreichen Kanu-Verein, die SKG Hanau, da habe ich als Jugendlicher meine allerersten Kanu-Erfahrungen auf der Kinzig gesammelt, später auch auf dem Main und Rhein. Das habe ich, als ich aus Hanau weg bin, weiterverfolgt, indem ich in Amerika immer wieder mal gepaddelt bin, aber nie so lange. Und dann eben diese Reise 2010, die alles für immer verändert hat.

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hessenschau.de: Sie schreiben, auf der Missouri-Mississippi-Tour hätten  auch gegen sich selbst gekämpft. Was meinen Sie damit?

Rohrbach: Das stimmt. Das fand ich so überraschend und deswegen war das mit Abstand die anstrengendste Reise bisher. Weil ich nicht gewappnet war. Ich dachte, ich weiß ja jetzt, wie das geht. Und dann hat der Fluss aber gesagt: Nö, machen wir mal anders jetzt. Jetzt übernehme ich mal.

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Buchcover

hessenschau.de: Was hat der Fluss denn übernommen?

Rohrbach: Die Kontrolle über die Reise. Sonst bin ich der Kapitän, und ich steuere das Boot, ich entscheide, wann ich wo hingehe, wo ich übernachten will, ich bin hier der Chef. Habe ich gedacht. Und dann sagt der Fluss, nein, bist du gar nicht, weil ich viel stärker bin. Und das zu akzeptieren ist mir lange sehr schwer gefallen. Ich habe zwischenzeitlich nicht ernsthaft ans Aufgeben gedacht, aber ich habe zumindest gedacht, ich habe so wenig Spaß daran, warum mache ich das? Der Missouri hat mich demütig gemacht.

hessenschau.de: Sie schreiben, erst im Misissippi konnten Sie sich "im Fluss" fühlen. Was war da anders?

Rohrbach: Ich dachte, der Mississippi ist nur die Zielgerade, um an den Golf zu kommen. Und dann hat der mich total überrascht, wie wild und einsam er war streckenweise, ich konnte jeden Abend auf Sand kampieren. Ich habe mich gefühlt wie Huckleberry Finn und dachte, wow, jetzt bin ich im Fluss. Ich übernachte heute auf einer Insel mittendrin. Das ist mir am Missouri nicht vergönnt gewesen, weil das Wasser so hoch war.

hessenschau.de: Obwohl diese beiden Flüsse Sie so gefordert haben – Sie wollen weitermachen?

Rohrbach: Ja, unbedingt, ich muss den Mississippi oben sehen, ich muss in Minnesota starten, und dann habe ich alle drei langen Flüsse Amerikas gepaddelt. Flussreisen sind wunderschön. In diesem Jahr werde ich zum ersten Mal eine Reisegruppe mit zum Missouri nehmen.

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Rohrbach: Ja, bei einer Spendenreise, die wir mit unserem Verein zur Unterstützung indigener Völker durchführen. Wir machen das schon seit Jahren in Alaska und South Dakota, unterstützen dort Sprachprojekte. Jetzt werden wir in diesem Jahr zum ersten Mal zum Missouri in Montana reisen und durch die spektakulären Missouri Breaks paddeln. Ich bin schon gespannt, wie ich den Fluss dann sehe und erlebe, wenn ich ihn anderen Menschen zeigen kann und sehe, wie die dann reagieren.

hessenschau.de: Aber für Sie ist es ganz klar: Es sind die USA und nicht zum Beispiel Südamerika oder Asien ?

Rohrbach: Ja, ich mag Amerika, ich mag die Amerikaner, die Musik, die ein großer Teil meines Lebens ist. Und ich möchte mit den Menschen kommunizieren können, auch für meine Arbeit: Podcast, Buch, Radio, Vorträge. Und leider spreche ich zum Beispiel kein Spanisch. Außerdem bin ich bin so ein nordischer Typ und tropische Hitze ertrage ich nicht. Mich zieht es immer wieder in den Westen und Norden Amerikas. Das ist meine Welt.

Das Interview führte Nicole Bothof.

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