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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Erinnerungen an die Dorfdisco-Zeit

Fünf Portraits der Protagonist*innen Franziska, Martin, Celine, René und Ivonne nebeneinander.

Immer mehr kleine Clubs auf dem Land müssen schließen - oft aus wirtschaftlichen Gründen. Dabei gelten sie vielen als "die wahre Disco". Fünf Hessinnen und Hessen erzählen Geschichten aus Discos wie dem Red-Stone, Way Up, Flip und Co.

52 Jahre wurde im "Red-Stone" in Fränkisch-Crumbach getanzt, getrunken und gefeiert. Ganze Generationen sind dort aufgewachsen. Jetzt kam das Aus der legendären Dorfdisco im Odenwaldkreis. Wie dem Red-Stone geht es vielen anderen hessischen Dorfdiscos: Seit Jahren sterben sie aus.

Was bleibt, sind die Erinnerungen an die schönen Dorfdisco-Zeiten. Fünf Stammgäste erinnern sich an Red-Stone, Way Up, Flip und Co. Welche Erlebnisse verbinden Sie mit Dorfdiscos?

Celine Treusch über das Red-Stone in Fränkisch-Crumbach

Zwei Portraits von Celine nebeneinander - damals und heute.

"Das Red-Stone war keine Disco. Das war Heimat. Ich bin gegenüber vom 'Schuppe' (wie das Red-Stone auch genannt wird, Anm. d. Redaktion) aufgewachsen. Als ich gehört habe, dass es schließt, dachte ich, ich werde verarscht. Der Schuppe gehört zu einfach zu Fränkisch-Crumbach. Es war immer warm drin wie die Hölle und du konntest dich eigentlich kaum bewegen. Aber es war legendär. Da trinkt jeder mit jedem zusammen. Im Red-Stone treffen Generation von Jung bis Alt aufeinander. Es ist einfach eine Ära. Schon mein Opa war da. Dann kam mein Vater und dann kam ich. Für die Jugend gibt es gar keinen Anlaufpunkt mehr. Das finde ich so traurig. Jetzt wird geknobelt, wer der Fahrer ist, um nach Frankfurt oder Mannheim feiern zu gehen."

René Mildner über das Saint Germain in Kelsterbach

Zwei Portraits von René nebeneinander - damals und heute.

"Das Saint Germain in Kelsterbach war unser Mekka. Wir waren jedes Wochenende da, um gemeinsam zu feiern. Es war ein kleiner Laden, in dem ich sehr geile Abende hatte. Wenn man sich mal nicht getraut hat, ein Mädel anzusprechen, dann wusste man, dass sie nächstes Wochenende wieder da ist. Dieses Vertraute gibt’s in der Stadt so gar nicht. Die Stimmung im Saint Germain war einerseits total familiär, andererseits gab’s mal eine Zeit lang regelmäßig Schlägereien. Immer so gegen ein Uhr sind ein paar Typen voller Testosteron vor die Tür und haben sich geprügelt - das war so ein Kräftemessen. Wenn sie dann rein sind, war wieder Friede, Freude, Eierkuchen, die Schlägerei vergessen und alle haben sich wieder zusammen getan. Heute bin ich als DJ in Rödermark tätig und spiele gerne die Musik vom Saint Germain damals."

Ivonne Güder über das Flip in Freigericht

Zwei Portraits von Ivonne nebeneinander - damals und heute.

"Ich war so eine Partymaus. In meinen Glanzzeiten war ich Donnerstag bis Sonntag mit meinen Mädels auf Tour. Und am Freitag immer im Flip. Das schöne an Dorfdiscos im Vergleich zu großen Clubs in der Stadt: Du musstest dich nicht bestimmt kleiden, um reingelassen zu werden, sondern bist mit T-Shirt und Turnschuhen reingekommen. Im Flip wurde viel R'n'B und Black Music gespielt. Unter den Jungs gab es da auch regelmäßig Breakdance-Battles. Das war total angesagt. Ich war sehr traurig, als das Flip zugemacht hat. Es wurde erst mal von einem neuen Besitzer übernommen und dann kam natürlich ein ganz anderes Klientel da rein. Und ja, das hat das alles kaputt gemacht."

Martin Wieland über das Way Up in Hainburg

Zwei Portraits von Martin nebeneinander - damals und heute.

"Wer keine Dorfdiscos mag, der hatte entweder keine Erlebnisse oder keine Freunde. Im Way Up war ich das erste Mal vor 17 Jahren: mit 15 schön reingeschummelt. Wir hatten einfach eine ganz andere Feierkultur als die Jugend jetzt. Da gab es kein Rumgeheule von wegen 'morgen Schule'. Wir haben uns einfach donnerstags schon komplett einen reingelötet und waren trotzdem am Freitag fit. Die Musik war immer grauenhaft, aber deshalb waren wir auch nicht da. Wenn das Way Up von damals wieder aufmachen würde, dann wäre ich auf jeden Fall der erste, der da wieder reingehen würde. Und mein halber Freundeskreis auch. "

Franziska Saak über das Le Palais in Edertal-Giflitz

Zwei Portraits von Franziska nebeneinander - damals und heute.

"Meine erste Disco war das Le Palais in Giflitz, wo schon meine Eltern als Teenies getanzt haben. Wenn ich heute 'Maria Maria' von Santana oder 'My Heart goes boom' im Radio höre, denke ich immer an die Zeit zurück. Meine älteren Cousins haben mich damals das erste Mal mitgenommen. Da war ich noch nicht volljährig, aber da hat niemand nach dem Ausweis gefragt. Das Alter hat die Türsteher nicht interessiert. Im Le Palais haben wir getanzt und Alkopops getrunken. Es war sehr aufregend - einfach ein Erfahrungssammeln für das weitere Discoleben."

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Ihre Kommentare Welche Geschichten verbinden Sie mit Ihrer Dorfdisco?

43 Kommentare

  • Das Graf Zeppelin in Buseck mit den DJ's Paul & Hektix! Auch Werner Reinke hat da mal aufgelegt, war ein genialer Abend und insgesamt eine tolle Zeit!!

  • Noch eine Ergänzung zur Diskoszene Weilmünster: Erinnern sich noch einige an das Happy Time? Für diese Umgebung eine Riesenlokalität, ein Traum in Ausstattung (alles in weiss) tolle Musikanlage ganz der 80 er Style. Man dachte man ist sonst wo und nicht mitten im Feld. Es wurde auch im Winter bei Schnee und Eis dort hingefahren (Stiefel im Auto mit Ballerina und Pumps in die Disko). Ich schließe mich einem anderen Kommentator an, das die Zeiten leider nicht mehr zurückzuholen sind. Ich denke Internet, Handy haben viel verändert auch die Menschen. Man muss froh sein dabei gewesen zu sein .

  • Mein Beitrag zur ersten Hälfte der 90er-Jahre: Das Way-Up in Hainburg: Mittwoch Rock Music, Donnerstag Single-Abend :), Freitag/Samstag Disco; immer mal rüber gegangen ins Lollipop :)
    Außerdem Tropical in Münster bei Dieburg sowie im Sommer 1993 und 1994 die HR-Clubnight auf dem Hessentag 1993 in Lich und 1994 in Groß-Gerau. In Frankfurt natürlich das Omen. Dann kam der Paramount Park in Rödermark. Ja, schee wars :)

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