Die Fassade des "ruruHauses" ist bemalt, hier arbeitet das Künstlerkollektivg Ruangrupa

Die Kunstausstellung documenta 15 soll trotz unsicherer Pandemie-Zeiten wie geplant 2022 stattfinden. Es sei die Möglichkeit, von Kassel aus "Licht und Zuversicht in die Welt zu senden", sagt Oberbürgermeister Geselle. Die Macher und das Kuratoren-Kollektiv stehen nun vor besonderen Herausforderungen.

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hessenschau vom 02.07.2021
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Die documenta 15 wird trotz der weltweiten Corona-Pandemie im Jahr 2022 in Kassel stattfinden. Das habe der Aufsichtsrat der Weltkunstausstellung einstimmig nach sorgsamen Abwägen entschieden, erklärte der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Man wolle "mutig, aber nicht wagemutig sein", sagte er. Von Kassel aus könne mit der Kunst "Hoffnung, Zuversicht, Glaube und Liebe" in die ganze Welt gesendet werden, betonte Geselle. Es müsse auch nicht alles immer nur "höher, schneller und weiter" sein.

Künstlergespräche im Online-Meeting

Als eine der weltweit größten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst ist die documenta auch von der Anwesenheit und den Werken von Künstlern weltweit abhängig. Auch Besucher kommen von weit her angereist. Die Pandemielage und Einreisebestimmungen haben seit dem Start der Vorbereitungen Anfang 2020 Hürden mitgebracht: Das aktuelle Kuratorenkollektiv Ruangrupa kommt aus Indonesien, nicht alle der Gruppe konnten zuletzt vor Ort in Kassel an den Vorbereitungen mitarbeiten - sie waren wegen Corona teils nur über Videokonferenzen dabei.

documenta-15-Künstlerkollektiv Ruangrupa

"Wir haben tausende Stunden in Online-Meetings verbracht, um mit Künstlern, Experten und Forschern in der ganzen Welt zu sprechen", sagte Ruangrupa-Mitglied Ade Darmawan. Das Kuratorenkollektiv sei sehr froh, dass die documenta 15 stattfinden wird, es werde ohnehin kein "Zurück zum Normalen" nach Corona geben. Die Pandemie habe gezeigt, "wir müssen damit leben und trotzdem vorankommen".

Lokal arbeiten und gleichzeitig vernetzt sein

Die Situation während Corona habe auch einen Ansatz gestärkt, dem Ruangrupa immer schon nachging, sagt Darmawan: Darüber nachzudenken, wie es ist, lokal zu arbeiten und gleichzeitig vernetzt zu sein. Die Gruppe habe außerdem schon einen großen Teil der Künstler und Künstlerinnen gefunden, die bei der documenta dabei sein werden. Die Namen sollen erst im September bekanntgegeben werden.

Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) sagte, Ruangrupa mit dem Gedanken der Kollektivität und des Gemeinschaftlichen sei ein Glück für die documenta. Es werde Wege geben, Lösungen zu finden, die in diese Zeit passen.

Mehr Defizit, mehr Aufwand

Oberbürgermeister Geselle rechnet für die Schau mit weniger Erlösen, mehr Aufwand und mehr Defizit, das die Gesellschafter zu tragen haben, darunter ist das Land Hessen und die Stadt Kassel. Das sei aber nötig, weil die Ausstellung eine hohe kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutung habe.

Die documenta ist alle fünf Jahre auch ein kleiner Wirtschaftsmotor für Kassel: Zur letzten documenta im Jahr 2017, die zeitgleich auch in Athen stattfand, kamen rund 890.000 Besucher; in Griechenland waren es nochmal 339.000. Für die vergangene documenta wurden die Ausgaben der Übernachtungsgäste auf mehr als 13 Millionen Euro geschätzt, dazu die Ausgaben der Tagestouristen mit nochmal über 43 Millionen Euro.

100 Tage Hochsaison

Die Übernachtungen steigen in Kassel in den documenta-Monaten teils über 80 Prozent an im Vergleich zu Sommermonaten ohne die Kunstschau. Das ergeben Schätzungen die von der documenta GmbH erstellt werden.

Für Hotels und Gastronomie bedeute die Ausstellung 100 Tage lang Hochsaison, sagte Oliver Kasties von der Dehoga Nord- und Osthessen. Die Betriebe leiden noch unter den den Defiziten der Corona-Zeit, das müsse wieder reingeholt werden, so Kasties. Auch für die Betriebe könnte es ein Lichtblick sein, dass die documenta doch stattfindet.

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