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Vorschau: Das tut sich 2022 in hessischen Museen

Die 15. Ausgabe der Documenta macht Kassel im neuen Jahr wieder zum Zentrum zeitgenössischer Kunst. Aber auch anderswo in Hessen warten echte Blockbuster-Ausstellungen. Mit dabei: Chagall, Renoir, Tischbein - und ein Mammut auf Reisen.

Januar | Februar | März

"Renoir. Rococo Revival" im Städel Frankfurt

Pierre-Auguste Renoir, Ruderer bei Chatou, 1879

Im März findet im Städel eine Blockbuster-Ausstellung statt: Pierre-Auguste Renoir gilt als einer der herausragenden Maler des französischen Impressionismus. Das Städel Museum befasst sich in einer groß angelegten Sonderausstellung vom 2. März bis zum 19. Juni erstmals intensiv mit den überraschenden Bezügen seiner Kunst zur Malerei des Rokoko. Gezeigt werden dazu auch Bilder von Edgar Degas, Édouard Manet und Claude Monet.

"American Heiner" im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Peale's Mastodon, Mammut americanum

Das Darmstädter Mammut ist weltbekannt. Aber kaum einer weiß: Es ist eigentlich Amerikaner und hat dort jede Menge Prominente von Thomas Jefferson bis Alexander von Humboldt angezogen. 1854 kam das Skelett über Umwege nach Darmstadt - und ist damit seit mehr als 150 Jahren ein echter "Heiner". 2020 kehrte das Mammut erstmals wieder zurück in die USA - als Leihgabe für eine Ausstellung in Washington DC. Anlass für das Hessische Landesmuseum, hierzulande der Geschichte dieses weltbekannten fossilen Elefantenskeletts nachzugehen: vom 25. März bis zum 19. Juni.

April | Mai | Juni

"documenta fifteen" in Kassel

Mitglieder des Künstlerischen Teams und Ruangrupa vor dem ruruHaus, einem der Veranstaltungsorte der Documenta.

Unbestritten eines der Highlights 2022: die documenta fifteen, die 15. Ausgabe der wohl weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die künstlerische Leitung hat diesmal das indonesische Künstlerkollektiv Ruangrupa. Es rückt vom 15. Juni bis 25. September die Werte und Ideen von lumbung, dem indonesischen Begriff für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in den Mittelpunkt: Es geht um Kollektivität, gemeinschaftlichen Ressourcenaufbau und gerechte Verteilung.

Juli | August | September

"Frei schaffend. Die Malerin Ottilie W. Roederstein" im Städel Frankfurt

Ottilie W. Roederstein, Selbstbildnis mit roter Mütze, 1894

Die 1859 in Zürich geborene Malerin Ottilie W. Roederstein zählte zu den herausragenden Künstlerinnen der Zeit um 1900 - und ist heute trotzdem nahezu unbekannt. Das Städel Frankfurt möchte das ändern. Vom 20. Juli bis zum 16. Oktober zeigt es eine Retrospektive mit 75 Gemälden und Zeichnungen der freischaffenden Porträtmalerin, die ab 1891 in Frankfurt und in Hofheim im Taunus lebte und sich im männlich dominierten Kunstbetrieb durchsetzte. Das Städel lobt ihr Werk als vielseitig: Sie habe zahlreiche Tendenzen der Moderne widergespiegelt von der akademischen Kunst über Experimente mit der altmeisterlichen Temperamalerei bis hin zu impressionistischen, symbolistischen und neusachlichen Stilelementen.

"Ernst Wilhelm Nay - Retrospektive" im Museum Wiesbaden

 Das Gemälde "Blauklang" von Ernst Wilhelm Nay aus dem Jahr 1953.

Ernst Wilhelm Nay wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als documenta-Künstler international bekannt. Das Museum Wiesbaden zeigt vom 16. September bis zum 5. Februar 2023 sein breites Schaffen von den berühmten Lofoten-, Scheiben- und Augenbildern bis zur Werkphase zwischen 1945 und 1948, in der er sich in Hofheim im Taunus der gegenstandslosen Kunst zuwandte. Die Retrospektive zeigt seine Schaffensperioden nicht als in sich geschlossene Phasen, sondern als ein ineinander übergehendes Gesamtwerk.

Oktober | November | Dezember

"Chagall. Welt in Aufruhr" in der Frankfurter Schirn

Archivbild: Eine Frau betrachtet im Kunsthaus Apolda Avantgarde die Ausstellung «Marc Chagall. Von Witebsk nach Paris», rechts ist die Farblithografie "Les trois acrobates" zu sehen.

Und noch eine Blockbuster-Schau kommt nach Frankfurt: Die Frankfurter Schirn widmet sich vom 4. November bis zum 19. Februar 2023 einer bislang wenig bekannten Seite des jüdischen Malers Marc Chagall. Gezeigt werden über 100 Werke aus den 1930er- und 1940er-Jahren, in denen seine sonst farbenfrohen Werke dunkler werden. Er thematisierte in seiner Kunst zunehmend den immer aggressiver werdenden Antisemitismus, die Kunstpolitik der Nazis und Themen wie Heimat und Exil.

"Guido Reni - die Schönheit des Göttlichen" im Städel Frankfurt

Guido Reni, Himmelfahrt Mariens, ca. 1596–1597

Guido Reni galt als Malerstar des italienischen Barock, wurde aber von seinem Rivalen Caravaggio in die zweite Reihe gedrängt. Das Frankfurter Städel will ihn wieder ins Bewusstsein holen und widmet ihm vom 23. November bis zum 5. März 2023 eine groß angelegte Ausstellung.

Dazu führt das Museum erstmals seit über 30 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional del Prado in Madrid seine Gemälde, Zeichnungen und Radierungen in einer Ausstellung zusammen, darunter Leihgaben aus den Uffizien in Florenz, dem Metropolitan Museum of Art in New York und dem Louvre in Paris sowie eine Reihe von neu entdeckten und noch nie ausgestellten Werken Renis.

"300 Jahre Johann Heinrich Tischbein" im Schloss Wilhelmshöhe

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Selbstbildnis in jüngeren Jahren.

Vom 21. Oktober bis zum 31. Januar 2023 widmet die Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe dem Kasseler Hofmaler Johann Heinrich Tischbein eine Sonderausstellung. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der großen deutschen Malerfamilie. Der Bestand der Kasseler Sammlung zeigt die Bandbreite seiner Tätigkeit von seinen Porträts und historischen Zyklen für den Landgrafen bis zu Tischbeins Zeichnungen und seiner Tätigkeit an der Kasseler Kunstakademie.

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