Mit einem Kran wurde der Obelisk abgebaut
Mit einem Kran wurde der Obelisk abgebaut Bild © picture-alliance/dpa

Über ein Jahr nach dem Ende der documenta in Kassel ist der Obelisk auf dem Königsplatz abgebaut worden. Autokräne demontierten das Monument am Mittwochmorgen. Künstler Olu Oguibe reagierte enttäuscht.

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Das bekannteste Kunstwerk der documenta 14 in Kassel ist vorerst Geschichte. Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, wurde der Obelisk auf dem Königsplatz am Morgen abgebaut und "zunächst sicher verwahrt". Zuerst hatte die die Zeitung HNA darüber berichtet. Demnach begann die Demontage um 4.30 Uhr.

In einem Video der HNA ist zu sehen, wie Arbeiter das Monument mit Hilfe zweier Autokräne Stück für Stück abbauen. Die Einzelteile wurden schließlich mit Tiefladern abtransportiert.

Abbau am "verkehrsruhigen" Feiertag

Der Obelisk auf dem Königsplatz in #Kassel wird seit den frühen Morgenstunden abgebaut. Um den Standort für das @documenta__14 -Kunstwerk von Olu Oguibe hatte es in der @StadtKassel viele Diskussionen gegeben. #documenta

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Die Stadt hatte sich nach eigenen Angaben bewusst für den Abbau am Feiertag entschieden. "Der Abbau des Obelisken war auf den Morgen des verkaufsfreien und verkehrsruhigen Tages gelegt worden, um die Beeinträchtigungen in der Königsstraße möglichst gering zu halten und die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten", hieß es in einer Mitteilung.

Die Verträge zwischen der Stadt und dem Künstler Olu Oguibe waren am Sonntag ausgelaufen - ohne Einigung über eine Zukunft für den Obelisken. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich am 24. September erneut gegen den Standort Königsplatz ausgesprochen und für den Standort Treppenstraße - plädiert.

Künstler: "Kein Sieg für irgendjemanden"

Künstler Olu Oguibe reagierte am Mittwoch, dem Tag der Deutschen Einheit, enttäuscht auf den Abbau: "Dass das Werk an solch einem symbolischen Tag entfernt wurde, ist ziemlich aufschlussreich", schrieb er auf hr-Anfrage. Es sei kein Sieg für irgendjemanden, nicht für die Stadt und sicher nicht für Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). "Ganz im Gegenteil."

"Ich bin mir nicht sicher, was das für die Zukunft der documenta verheißt." Er mache sich Sorgen um die Vision des documenta-Gründers Arnold Bode, schrieb Oguibe. "Ich sorge mich um uns alle."

Die Standort-Diskussion

Diskussionen um den Standort des Obelisken hatte es seit Monaten gegeben. In der Folge hatten Kulturdezernentin Susanne Völker und das documenta forum, der Förderverein der Weltkunstausstellung, einen Verbleib auf dem Königsplatz unterstützt. Noch im Januar 2018, als die Stadt und der Künstler einen gemeinsamen Spendenaufruf zum Kauf des Obelisken veröffentlichten, war allerdings vom Standort Königsplatz die Rede.

Documenta Obelisk Königsplatz
Auf dem Königsplatz stand der Obelisk. Er zitiert die Bibel in vier Sprachen: "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt." Bild © picture-alliance/dpa

Künstler favorisierte Königsplatz

Oguibe selbst war nie wirklich vom Standort Königsplatz abgerückt, immer wieder hatte er betont, dass er das Kunstwerk eigens für diesen Platz geschaffen habe. Einem Kompromissvorschlag, dem Standort Holländischer Platz in der Nordstadt, hatte er nur zwischenzeitlich einmal zugestimmt. Allerdings unter der Bedingung, dass der Obelisk erst umzieht, wenn das dort noch zu bauende documenta Institut fertig ist.

Am 24. September hatte die Stadtverordnetenversammlung nun beschlossen, der Obelisk solle an einen anderen Ort umziehen: die Treppenstraße: eine Lösung, die für den Künstler gar nicht zur Debatte stand.

Olu Oguibe
Olu Oguibe Bild © Stadt Kassel

Das 16,20 Meter hohe Kunstwerk wurde von März bis Mai 2017 auf einer Fläche von knapp zehn Quadratmetern gebaut. Auf dem Obelisken steht das Bibel-Zitat "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt" auf Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch. Das Kunstwerk soll an die weltweit 60 Millionen Flüchtlinge erinnern.

AfD sprach von "entstellter Kunst"

Am Obelisken hatte sich inhaltliche, aber auch städtebauliche Kritik entzündet. Die AfD hatte das Werk als "entstellte Kunst" bezeichnet. Denkmalschützer monierten, der Obelisk stehe nicht zentral auf dem Königsplatz und schaffe dort ein Ungleichgewicht.

Viele Kasseler Bürger störte zudem der vom Künstler aufgerufene Kaufpreis von zunächst 1.000.000 und später 600.000 Euro, vor allem vor dem Hintergrund des Millionendefizits der documenta 14. Der Ankauf des Obelisken sollte deswegen aus Spenden finanziert werden - wobei letztendlich nur rund 126.000 Euro zusammen kamen. Oguibe akzeptierte diese Summe aber. Da es keine Einigung über den Standort des Werkes gebe, werde die Rückzahlung des Geldes veranlasst, erklärte die Stadt in der Mitteilung vom Mittwoch.

Der Künstler

Der Dichter und Kurator Olu Oguibe wurde 1964 geboren und wuchs in der nigerianischen Region Biafra auf. Er studierte in Nigeria und London. Seit Mitte der 1980er Jahre unterrichtet er Kunst in Nigeria, England und den USA. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel.

Sendung: hr-iNFO, 03.10.2018, 12.00 Uhr