Performance "Staging: solo" in der Neuen Neuen Galerie in Kassel

Die Entdeckung der Langsamkeit. In der documenta-Performance von Maria Hassabi bewegen sich Tänzer in Super-Zeitlupe. Zeit zum Innehalten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found documenta-Performance "Staging": Gaaaaaaaaaaanz langsam!

Ein Mann performt in der Neuen Galerie "Staging: solo" der Künstlerin M. Hassabi
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Die Tänzerin liegt vor mir gekrümmt auf dem Boden, die Arme und Beine seltsam ineinander verschlungen, der Blick geht ins Nichts. Sie bewegt sich nicht, schon seit ein paar Minuten. Ich frage mich, ob alles ok ist.

Dann plötzlich hebt sie den Arm ganz langsam. Sie dreht sich auf den Bauch - ganz langsam - und dann weiter auf die andere Seite. Hält wieder still.

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Die Kunstwelt schaut auf die documenta in Kassel. hr2-Reporterin Tanja Küchle hat sich auf der Weltkunstausstellung umgesehen. In der Reihe "documenta to go" stellt sie ihre persönlichen Lieblingswerke vor.
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Mein erster Impuls: "Das dauert mir zu lange! Noch so viel Kunst anzuschauen hier auf der documenta!" Doch dann setze ich mich auf den Boden und betrachte sie, die Tänzerin, deren Körper immer wieder für Sekunden oder Minuten erstarrt, zur Skulptur wird. Belebt von ihrem leichten Atem.

Ihr Innehalten lässt allmählich auch mich innehalten. Es hat eine fast meditative Wirkung.

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zum Video "Staging": Ein Tanz in Zeitlupe

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Sie dreht den Kopf langsam zur Seite und stemmt sich grazil und ganz langsam nach oben. Millimeter für Millimeter stützt sie sich auf eine Hand, dann auf die zweite, jetzt ganz langsam auf die Knie ...

Ihre Slow-Motion-Performance wirkt surreal und fremd in dieser Umgebung, in der alle anderen Menschen - vor allem Besucher, die die Ausstellung sehen wollen - sich so schnell durch den Raum bewegen. So schnell, dass sie mir jetzt unscharf erscheinen. Die Zeit ist wie gedehnt, nur der Augenblick zählt.

So wie die Tänzerin vor mir gibt es noch einige, die in der "Neuen Neuen Galerie" verteilt an verschiedenen Orten in Zeitlupe "tanzen". Die Künstlerin Maria Hassabi hat sich diese Performance ausgedacht. Sie heißt "Staging". Hassabi wurde auf Zypern geboren, lebt aber inzwischen in der hektischen Metropole New York.

Ich warte auf die nächste Bewegung der Tänzerin vor mir. Aber sie rührt sich nicht. Und ich auch nicht.