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"Heil dich doch selbst!" Dokumentarfilm über einen Selbstversuch

Frau mit kurzen Haaren neben einer Filmkamera im Freien

Jahrelang nahm Yasmin C. Rams Tabletten gegen ihre Epilepsie. Dann setzte sie die Medikamente ab und versuchte es mit alternativen Heilmethoden - und filmte sich dabei. Herausgekommen ist ein ungewöhnlich persönlicher Dokumentarfilm, in dem auch Rams' Vater eine wichtige Rolle spielt.

Seit ihrer Kindheit leidet die Darmstädter Filmemacherin Yasmin C. Rams an Epilepsie. Lange nahm sie gegen die Krankheit Medikamente ein, doch irgendwann spürte die 36-Jährige erste Nebenwirkungen. In den Beipackzetteln war die Rede von Appetitlosigkeit, Depression und Gedächtnisverlust. Rams beschloss, die Medikamente abzusetzen, sich mit alternativen Heilmethoden zu beschäftigen und daraus einen Film zu machen.

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Yasmin C. Rams

Die Filmemacherin hat mehrer Kurz- und Dokumentarfilme gedreht. Ihr Film 'Im Exil' wurde auf dem Toronto International Film Festival als Best Human Rights Documentary ausgezeichnet.  

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hessenschau.de: Ihr Film "Heil dich doch selbst" ist ein Dokumentarfilm, allerdings einer, der Ihre ganz persönliche Geschichte erzählt.

Yasmin C. Rams: Ich bin an den Film rangegangen mit einem sehr naiven Mind-Set. Ich habe gesagt: 'Ich heile mich selbst' und dachte, das klappt! Ich hatte mittlerweile einige Nebenwirkungen von meinen Medikamenten. Ich dachte okay, ich versuch das jetzt. Ich hatte eine schlechte Kombination von Naivität und Rebellion in mir, die mich dazu verleitet hat.

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hessenschau.de: Sie haben dann verschiedene alternative Heilmethoden ausprobiert. 

Rams: Ich hatte das bei meiner Freundin Hillary gesehen, sie ist auch in dem Film und war die Inspiration dafür. Sie war ohne Medikamente zehn Jahre lang symptomfrei von Multipler Sklerose. Das hat sie geschafft, indem sie nach Ayurveda gekocht und gelebt hat, indem sie Yoga gemacht hat. 

Einer meiner anderen Protagonisten, Junius, arbeitet mit Hypnose. Er hat sich mit Hypnose von den Auswirkungen eines Schlaganfalls viel schneller erholt, hat als man es gedacht hätte. Der hat dann die Hypnose bei mir durchgeführt.  

hessenschau.de: Das ist im Film auch zu sehen und Ihre Gefühle dabei haben Sie mit ganz poetischen Bildern und Musik umgesetzt. Sie sagen da, dass Sie noch wochenlang ein gutes Gefühl hatten. Im Film kommen aber auch andere Protagonisten vor: eine krebskranke Frau, Männer mit Parkinson oder auch ein Epileptiker. Diese Menschen versuchen sich alle an alternativen Heilungswegen in den verschiedensten Ecken der Welt. Das klingt erst mal nach einem Film über einen alternativen Selbstfindungs-Trip. Aber im Film kommen auch kritische Stimmen vor.

Rams:  Für mich war es wichtig, einen ausgeglichenen Dokumentarfilm zu machen. Im Film kommen Menschen vor, ein Heilpraktiker zum Beispiel, mit dem ich jetzt nicht so übereinstimme, dem ich ziemlich kritisch gegenüber bin.  

Es kommt aber auch ein leitender Parkinson-Experte aus Deutschland vor, Professor Horst Przuntek. Er hat in den 1980ern Parkinson-Medikamente mitentwickelt und sagt von sich selbst, dass er irgendwann gemerkt hat, die Schulmedizin kommt hier nicht weiter. 

Er hat erkannt, dass die traditionelle indische Medizin, das Ayurveda, Parkinson schon seit vielen Jahren kennt und ihn durch den Darm behandelt. Er hat Studien dazu gemacht und ist darauf gestoßen, dass Parkinson zwar eine neurologische Krankheit ist, die aber im Darm beginnt.  

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Der Film

'Heil dich doch selbst' hat am Freitag, 1. April, um 17.45 Uhr Hessenpremiere im Frankfurter Cinema am Roßmarkt in Anwesenheit der Regisseurin und des Filmteams. Bundesweiter Filmstart ist am 21. April.

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Kritik an sich war auch wichtig. Da hat sich mein Vater sehr angeboten: Er hat gedacht, dass ich verrückt bin, dass ich das versuche. Er wollte mich konstant davon abbringen und hat sich sehr viele Sorgen gemacht. 

hessenschau.de: Im Film sagt er Sätze wie 'Alternative Heilmethoden, damit zieht man den Leuten nur das Geld aus der Tasche' oder 'Daran glauben eh nur Frauen'. Ihr Vater war also Ihr größter Kritiker. Aber sind Ihnen selbst nie Zweifel gekommen an diesem doch sehr unkonventionellen Weg, mit einer chronischen Krankheit umzugehen? 

Rams: Ich habe irgendwann gedacht, okay, das ist gar nicht so einfach, wie ich gedacht habe. Ich habe gemerkt: Es kostet enorm viel Geld, wenn man Komplementär-Medizin nutzen möchte. Und Filmemachen – viele stellen sich das ja mit Glanz und Glamour vor – ist leider doch mehr eine brotlose Kunst.  

Zwei Frauen streifen durch einen Dschungel

hessenschau.de: Und dann war der alternative Weg ja auch nicht ganz ungefährlich: Sie hatten Rückfälle, epileptische Anfälle. Im Film sieht man, dass sie sich dabei vor allem im Gesicht schwer verletzt haben... 

Rams: Da wurd es doch oft sehr schwierig. Irgendwann hatte ich ein ganz schönes Down, und dann hat sich der Titel des Films für mich eher angehört wie 'Leichter gesagt als getan: Heil dich doch selbst!'. 

hessenschau: Irgendwann haben Sie sogar wieder angefangen, Medikamente zu nehmen. Was also ist das Fazit des Dokumentarfilms? 

Rams: Für mich ist er ein wunderbares Beispiel für die Zusammenarbeit von verschieden Arten der Medizin, die wirklich auch fundiert sind, also traditionelle chinesische Medizin, traditionelle indische Medizin oder von indigenen Völkern in Südamerika. Das sind Erfahrungsmedizinen. Wenn man da zusammenarbeitet, die Scheuklappen aufmacht und so etwas wie eine Weltmedizin kreiert, da kann man ganz viel gewinnen. 

 Das Interview führte Yvonne Koch.

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