Portrait des Dramatikers Rolf Hochhuth.

Er war es, der die Politik in der Nachkriegszeit auf die Bühne brachte. Mit scharfem Ton forderte Rolf Hochhuth die moralische Verantwortung des Einzelnen und der Mächtigen für ihre Taten im Nationalsozialismus ein. Nun ist der in Eschwege geborene Dramatiker mit 89 Jahren gestorben.

Der aus Nordhessen stammende Theater-Schriftsteller Rolf Hochhuth ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 89 Jahren in Berlin, wie sein Herausgeber Gert Ueding am Donnerstag mitteilte. Weltruhm erlangte der gelernte Buchhändler mit seinem 1963 veröffentlichten Theaterstück "Der Stellvertreter".

Das Stück mit dem Untertitel "Das christliche Trauerspiel" übte scharfe Kritik am Verhalten des Vatikan während der NS-Zeit. Papst Pius XII., so die These des damals 32-jährigen Autors, habe zu wenig getan, um den Mord an den Juden zu verhindern. "Der Stellvertreter" wurde 2002 von dem griechisch-französischen Filmregisseur Constantin Costa-Gavras verfilmt.

Hochhuth stürzte einen Ministerpräsidenten

Geboren wurde Hochhuth am 1. April 1931 im hessischen Eschwege (Werra-Meißner) als Sohn eines Schuhfabrikanten. Der Dramatiker gilt als wichtiger Vertreter des sogenannten dokumentarischen Theaters. Diese Theaterform stützt sich auf reale Begebenheiten oder historische Dokumente und will eine politisch-gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema fördern.

Mit seinem 1978 erschienenen Prosawerk "Eine Liebe in Deutschland" und dem 1979 folgenden Stück "Juristen" trug Hochhuth auch zum Sturz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (CDU) bei. Der Autor bezeichnete ihn als "furchtbaren Juristen", der noch 1945 im Gefangenenlager nach NS-Gesetzen geurteilt und im Januar 1945 einen Matrosen wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt und die Hinrichtung selbst befehligt habe.

2004 kritisierte er den "Raubtierkapitalismus"

Weitere bekannte Werke Hochhuths sind das Nachwende-Stück "Wessis in Weimar" (1993) über das Wirken der Treuhand in Ostdeutschland und das Schauspiel "McKinsey kommt" (2004), in denen der Autor sich kritisch mit Managern und Raubtierkapitalismus auseinander setzt.

Über die von ihm gegründete Ilse-Holzapfel-Stiftung war Hochhuth Eigentümer des traditionsreichen Theaters am Schiffbauerdamm in Berlin. Es kam zu langjährigen Querelen zwischen ihm und dem Berliner Ensemble, das das Theater als Spielstätte nutzte.