Die Bildkombination zeigt ein Foto einer historischen Toilette und eine Zeichnung, die Casanova in der Hocke auf einer Toilette zeigt.
"Sella cacatoria": Rekonstruktion eins Kinderstuhles. Casanova nutze für seine Sitzungen ein Plumpsklo. Bild © Museum Römerkastell Saalburg

Der Titel derbe, die Botschaft lehrreich: Das Museum Römerkastell Saalburg zeigt in seiner Ausstellung "Drauf geschissen! Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens", wie sich Menschen seit der Antike ihrer Fäkalien entledigten.

Videobeitrag

Video

zum Video "Drauf geschissen" – Ausstellung in der Saalburg

Ende des Videobeitrags

Gut vier Jahre seines Lebens verbringt ein Mensch auf dem Klo. Bescheiden die Notdurft verrichten, verschämt sogar? Das war zumindest nicht die Art der alten Römer. Sie haben, wenn es um ihre Darmausscheidungen ging, gerne ordentlich auf die Kacke gehauen. "In Römischer Zeit und in der Antike allgemein gab es sehr viele Latrinen mit 20, 30 oder mehr Sitzen", sagt Carsten Amrhein, Museumsleiter im Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg. Man kackte quasi von Arschgesicht zu Arschgesicht.

Weitere Informationen

Sonderausstellung Saalburg

Römerkastell Saalburg
Sonderausstellung "Drauf geschissen"
12. April 2019 bis 20. Oktber 2019

Ende der weiteren Informationen

Amrhein berichtet, dass bei den Besucherführungen auf der Saalburg nach nichts so häufig gefragt werde, wie danach, was denn die Römer mit ihren Häufchen machten. So habe es auf der Hand gelegen, sich mal diesem "allzu menschlichen Thema" zu widmen.

Kaiser Vespasian machte Pisse zu Geld

Die Ausstellung "Drauf geschissen! Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens" zeigt rund 150 Exponate, die sich alle ausschließlich mit Fäkalien beschäftigen. Der kulturhistorische Bogen spannt sich von den Hochkulturen der Antike bis in unsere Tage. Es gibt Massenlatrinen, Prachtlatrinen, die Kanalisation.

Der Umgang mit Fäkalien und Hygiene war bei den Römern ein wichtiges Thema, es herrschten relativ hohe hygienische Standards. Eine Büste von Kaiser Vespasian im Eingangsbereich der Ausstellung erzählt die Geschichte, wie der Herrscher mit einer Urinsteuer Pisse zu Geld machte und so quasi das Sprichwort "Geld stinkt nicht" erfand.

Auch schon viel früher bei den Assyrern im Zweistromland gab es anatomisch geformte Klosettbrillen und die alten Griechen hatten Klostühlchen für Kinder im Angebot, wie eine Rekonstruktion eines Töpfchens aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus aus Athen zeigt. In mittelalterlichen Burgen wurde mit dem Thema Stuhlgang etwas rustikaler umgegangen und die Haufen haufenweise über so genannte Scheißnasen aus dem Gebäude befördert.

Von der Massenlatrine zum stillen Örtchen

Verdauung als Gemeinschaftserlebnis auf der Massenlatrine wie bei den Römern war irgendwann out. Mit dem Aufkommen des Christentums im frühen Mittelalter und einer neuen Form von Keuschheit wurde aus dem Rudelkacken eine einsame Angelegenheit auf dem stillen Örtchen - Toiletten wurden sogar in Schränke verbannt.

Um das gesellige Miteinander wieder aufleben zu lassen, zeigt die Ausstellung in der Saalburg ein großes Wandgemälde einer römischen Latrine, in das sich die Besucher selbst hineinsetzen und ein Foto von sich auf dem Örtchen machen können - fröhlich winkend mit einem "Arschwisch" in der Hand. Dabei kann man dann auch lernen, dass die Engländer nicht nur das Fußballspiel - auch so ein elementares menschliches Grundbedürfnis - sondern 1879 auch das perforierte Endlosklopapier, also die Klorolle, erfunden haben.

Klowandpoesie: "Secundus kackt hier"

Antike Klosprüche runden das Bild ab: "Secundus kackt hier" von einer antiken Klowand in Pompeji oder dieses Highlight von der Wand einer Herberge in Pompeji, was wohl eher als Protest zu werten ist: "Wir schifften ins Bett, ich gebe es zu Wirt, da haben wir was falsch gemacht. Wenn Du fragst warum? Es war kein Nachttopf da."

"Gerade die Entsorgung der Fäkalien kann ein Problem sein - damals wie heute", sagt der Museumsleiter. Das Thema Darmausscheidungen werde nie aus der Mode kommen, im Gegenteil: Denn je mehr Menschen es auf der Welt gebe, um so mehr Kacke müsse entsorgt werden. "Das ist in den Megastädten auch gerade in den Schwellenländern dieser Welt ein großes Thema. Auch dafür wollen wir mit der Ausstellung ein Bewusstsein schaffen."