Frankfurt wie im Film "Bladerunner"
"Blade Runner" - mit diesem Motiv fing alles an. Der Film von Ridley Scott aus dem Jahr 1982 präsentiert den Prototypen einer apokalyptischen Stadt. Das Motiv zeigt die Skyline, fotografiert vom Roßmarkt. Bild © Jens Peter Kutz/ Maria Jerchel

Frankfurt als Filmkulisse für Blade Runner, Forrest Gump an der Messe und Tarzan im Palmengarten: Zwei Wahlfrankfurter sehen in der Stadt Filmmotive, wohin sie auch blicken: Im Interview erzählen sie, wie daraus ein Fotobuch wurde.

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Sie sehen in Frankfurt überall Motive aus bekannten Filmen, fotografieren sie und geben den Bildern dann den passenden Look: Daraus haben die beiden Filmenthusiasten Maria Jerchel und Jens Peter Kutz jetzt ein Buch gemacht. "Frankfurt - wie im Film. Ein Stadtporträt in 99 Kinofilmen", heißt es. Wie die beiden auf die Idee zu dem Buch kamen, was ihre Lieblingsmotive sind und warum ein solches Projekt nur in Frankfurt klappen kann, erzählen sie im hessenschau.de-Interview.

hessenschau.de: Was war die Initialzündung, womit ging das Projekt "Frankfurt - wie im Film" los?

Jerchel: Da war so eine diesige, grüne Stimmung im Herbst mit der Commerzbank im Bild. Da kam uns der Gedanke: Das sieht genau aus, wie bei "Blade Runner". Jens hat dann das Bild gemacht, weil er das Motiv so toll fand. Und so war der Gedanke geboren: Frankfurt ist so vielseitig und facettenreich, wir dachten, da muss es noch mehr geben.

hessenschau.de: Also ist zuerst das Motiv da und dann fällt Ihnen der Film ein?

Jens Peter Kutz, Maria Jerchel
Jens Peter Kutz hat die Fotos für "Frankfurt - wie im Film" geschossen und bearbeitet, Maria Jerchel hat die Texte dazu verfasst. Bild © Bernd Mayer

Kutz: Nein. Eigentlich gehen wir meistens vom Film aus und suchen dann den Ort. Wir haben eine Liste mit Filmen, die bekannt, wichtig oder eben einfach gut sind, die wir dabei haben wollten.

Jerchel: Es geht darum, mit phantasievollem Blick durch die Stadt zu gehen. Und dann sieht man vielleicht auch mal King Kong auf dem Messeturm.

hessenschau.de: Sie sind beide keine Frankfurter. Haben Sie sich die Stadt durch die Filmbrille erschlossen?

Jerchel: Ja, auf jeden Fall. So haben wir unsere Wahlheimat intensiv entdecken können. Und ich bin begeistert, wie viel diese Stadt zu bieten hat.

Kutz: Ich denke, für unser Projekt war es sogar vorteilhaft, kein Frankfurter zu sein. Dann sieht man Dinge anders, als wenn man schon hunderte Mal daran vorbei gegangen ist. Wenn man schon als Kind ständig auf dem Lohrberg war, würde man vielleicht gar nicht auf die Idee kommen, das für die Hollywood Hills und den Blick auf LA zu halten - und dann E.T. dort zu inszenieren. Wir haben uns einfach noch nicht satt gesehen an der Stadt und kommen so auf kreative Ideen.

hessenschau.de: Sie kennen Frankfurt jetzt sehr gut. Wäre dieses Projekt auch in einer anderen Stadt möglich gewesen?

Jerchel: Ich glaube nicht. Wir haben beide schon in verschiedenen Städten gewohnt, aber Frankfurt ist die Vielseitigste. Frankfurt hat da auf kleinstem Raum eine enorme Bandbreite.

Kutz: Das wird außerhalb Frankfurts gar nicht so zur Kenntnis genommen, was es hier alles für unterschiedliche Aspekte gibt. Ich komme aus Hamburg. Und ich bin dort nie auf die Film-Idee gekommen. Hinzu kommt: Viele Filme sind Hollywood-Filme und nur die Frankfurter Skyline kann dieses Hollywood-Feeling richtig erzeugen.

hessenschau.de: Sie sind beide filmverrückt. Stellen Sie sich vor, alle Filme der Welt würden zerstört und Sie dürften nur drei retten.

Jerchel: Ich schwanke zwischen "Die Wand", "The Holiday, Liebe braucht keine Ferien" und "Das letzte Einhorn". Ich bin auf kein Genre festgelegt. Mein einziger Anspruch an einen Film ist, dass er innerhalb seines Genres gut gemacht sein muss. Ein mieser Krimi bleibt ein mieser Krimi und ein phantastischer Trash-Film bleibt ein fantastischer Trash-Film.

Kutz: Ich liebe "Star Wars" und mag auch David Lynch besonders gerne. Retten würde ich die alte "Star Wars"-Trilogie. Allerdings kommt "Star Wars" ausgerechnet in unserem Buch gar nicht vor.

hessenschau.de: Warum das denn?

Kutz: Es kann eben auch vorkommen, dass wir einen tollen Film haben und in Frankfurt einfach keinen passenden Ort dafür finden. Auch "Titanic" oder "Der Weiße Hai" konnten wir nicht umsetzen. Zu manchen Sachen findet man eben nichts. Und umgekehrt gibt es wichtige Frankfurter Orte, zu denen wir einfach keinen Film finden konnten. Die Paulskirche ist so ein Fall.

hessenschau.de: Ist Ihr Buch ein Stadtführer oder ein Filmführer?

Kutz: Beides, oder weder noch. Wäre es ein Stadtführer, ginge es ja zum Beispiel gar nicht ohne die Paulskirche. Aber wir zeigen auch unbekannte Orte, die gut zu den Filmen passen. Es ist auch eine Einladung an Filmfreunde, ihre eigene Stadt, noch einmal neu zu entdecken, also mit offenen Augen auch mal die ausgetrampelten Pfade zu verlassen.

hessenschau.de: Ein wichtiger Teil im Buch sind ja auch die Texte.

Jerchel: Die Texte sind nicht einfach nur Erläuterungen. Sie nehmen auch immer einen Aspekt oder eine Facette der Stadt auf und auch des Films. Ich habe, als die Bilder fertig waren, für die Texte recherchiert: Stadtgeschichte, Filmhintergründe, das korrespondiert immer eng.

hessenschau.de: Welches ist Ihr Lieblingsbild?

Frankfurt wie im Film "Vom Winde verweht"
Der Bethmann'sche Pavillon erscheint im Look der Ranch Tara aus der Technicolor-Schmonzette "Vom Winde verweht", der bereits 1933 gedreht wurde. In dem Gebäude in der Frankfurter Innenstadt ist eine Diskothek untergebracht. Bild © Jens Peter Kutz/ Maria Jerchel

Kutz: Also meines ist "Vom Winde verweht". Zum einen, weil ich diesen Technicolor-Look so mag und zum anderen, wegen des Ortes. Wenn man sich vorstellt, dass das zu Fuß drei Minuten von der Innenstadt entfernt ist, also im krassen Zentrum… das glaubt man gar nicht, so idyllisch, südsaatenmäßig wie das aussieht. Wenn man dieses Foto einem Nicht-Frankfurter zeigt, würde er sagen: Das kann niemals Frankfurt sein.

Jerchel: Mein Lieblingsbild ist "Das Mädchen Rosemarie". Es zeigt, wie – bei all der permanenten krassen Veränderung der Stadt - sie doch auch ganz seltsam zeitlos ist. Denn der Ort, an dem das Bild entstand, ist "echt" und er hat sich tatsächlich optisch kaum verändert seit der Wirtschaftswunderzeit, in der der Film in Frankfurt spielt. Auf dem Bild steht auch genau an der Stelle, an der die Nitribitt mit ihrem Mercedes stand, ebenfalls eine Oberklasselimousine. Allerdings ein BMW… Das haben wir nicht inszeniert, die stand einfach da. Das passte. Ich finde das irgendwie witzig.

hessenschau.de: Welches Motiv hat sich denn besonders gesträubt? Und welches war unumgänglich?

Frankfurt wie im Film "Inception"
Einfach nur die Kamera drehen und schon entsteht der perfekte "Inception"-Eindruck. Das Motiv ist einer der U-Bahn-Eingänge an der Bockenheimer Warte. "Inception"wurde 2010 unter der Regie von Christopher Nolan gedreht. Bild © Jens Peter Kutz/ Maria Jerchel

Kutz: Also "Die fabelhafte Welt der Amelie" war schwierig. Da war ich lange auf Motivsuche, um etwas Entsprechendes zu finden. Schließlich habe ich den passenden Obststand in Sachsenhausen gefunden. Manche Motive liegen aber auch direkt auf der Hand, wie etwa  "Inception": Die U-Bahn-Station an der Bockenheimer Warte mit dem U-Bahn-Waggon, der so schräg im Boden versinkt. Da muss man einfach nur die Kamera drehen, und schon dreht sich alles wie bei "Inception".

hessenschau.de: Wie kommen Sie möglichst nah an das Original ran?

Kutz: Wir sind wirklich immer sehr, sehr nahe an den Filmen dran, bis hin zum Schattenwurf. Das sieht nicht nur ein bisschen so aus wie, sondern das ist immer genau der Look des Films. Kameraeinstellung, Perspektive, Licht, Jahreszeit, Wetterlage – das haben wir alles akribisch beachtet. Ich habe dazu eine große Excel-Tabelle angelegt: Film, Ort, Jahreszeit, Tageszeit…

Weitere Informationen

Buch

"Frankfurt - wie im Film"
Ein Stadtporträt in 99 Kinofilmen
Maria Jerchel, Jens Peter Kutz
CoCon 2018, 220 Seiten

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Jerchel: Diese Tabelle hat tatsächlich ein Jahr lang die Taktung unserer WG vorgegeben. Das war ein sehr aufwändiges, intensives Projekt, das die drei Jahre, die es gebraucht hat, bis wir das fertige Buch in den Händen hielten, unsere Freizeit eigentlich komplett bestimmt hat.

hessenschau.de: Wie bekommen die Fotos dann ihre speziellen Looks?

Kutz: Ich arbeite quasi auch wie im Film. Mit Trickaufnahmen, Greenscreen, Montagen, mit Schauspielern. Die Nachbearbeitung mache ich mit Photoshop und zwar immer so originalgetrau, wie möglich. Verkratztes, fleckiges, Schwarz-Weiß aus den 1920er-Jahren oder bei Matrix etwa ist es so ein hypermoderner, superscharfer CGI-Look (Computer Generated Image).

Frankfurt wie im Film "Forrest Gump"
"Forrest Gump" von Robert Zemeckis aus dem Jahr 1994 - hier fotografiert an der Messe in Frankfurt. Bild © Jens Peter Kutz/ Maria Jerchel

Und trotzdem sieht man, dass es Frankfurt ist: Bei Forrest Gump erkennt man den U-Bahn-Abgang an der Messe, bei Matrix den Ginnheimer Spargel oder bei King Kong eben den Messeturm. Ganz wichtig war uns auch, dass wir die Stadt selbst nicht verändert haben. Wir haben keine Gebäude umgestellt oder die Skyline aufgefüllt oder so. Die Substanz dieser tollen Stadt bleibt erhalten.

Das Gespräch führte Katrin Kimpel