Milena Pribak

In Eschborn enden die Dreharbeiten für das Flüchtlingsdrama "Eine Handvoll Wasser". Der Film wartet mit Hollywoodstar Jürgen Prochnow auf. An seiner Seite: die erst zehnjährige Neuentdeckung Milena Pribak.

Thurba ist zwölf Jahre jung und hat schon einiges hinter sich. Die Jemenitin strandete 2017 nach einem Jahr Flucht mit ihrer Mutter und zwei Brüdern in Hessen. Jetzt soll die Familie zurück ins Kriegsgebiet. Aber da will Thurba nicht mitmachen. Als die Abschiebung ansteht, springt sie aus dem ersten Stock ihres Wohnhauses, irrt zunächst herum und flüchtet schließlich in einen Keller.

Der gehört Konrad, einem 85-jährigen Griesgram. Als er ein Geräusch hört, bewaffnet er sich mit einer Nagelschusspistole und feuert in die Dunkelheit. Er verletzt Thurba, liefert sie aber nicht aus. Das Mädchen rührt ihn. Schließlich schlägt sie ihm einen Deal vor.

Erste Filmrolle für zehnjährige Milena

Wir sind im Film "Eine Handvoll Wasser" des Frankfurter Regisseurs Jakob Zapf. Die erst zehnjährige Milena Pribak spielt Thurba. Es ist ihre erste Spielfilmrolle überhaupt. An der Seite der Berliner Schülerin steht Schauspiellegende Jürgen Prochnow, der 1981 mit dem Film "Das Boot" seinen internationalen Durchbruch feierte. Danach war der heute 78-Jährige in mehreren Hollywood-Blockbustern zu sehen.

Wir treffen sie am Set in einem älteren Wohnhochhaus in Eschborn (Main-Taunus), also nicht weit entfernt von Zapfs Produktionsfirma. Am Freitag endeten die Dreharbeiten dort. Im Film selbst wird die Stadt nicht erwähnt werden, er spielt aber im Rhein-Main-Gebiet.

Cast Film "Eine Handvoll Wasser"

Filmneuling Milena hat mit dem großen Namen, der ihr beim Interview den Vortritt lässt, so gar keine Probleme: "Wir verstehen uns gut", berichtet sie. "Auch in den Pausen plaudern wir ein bisschen oder wenn mal das Licht neu eingerichtet werden muss." Er zeige ihr, was sie besser machen könne, aber viel wichtiger: "Er lobt mich auch, das ist wirklich toll", sagt sie und lacht.

Bisher hat Milena nur bei Werbespots mitgemacht. Die geringe Schauspielerfahrung ist für sie aber kein Thema: "Wenn ich eine traurige Szene habe, dann stelle ich mir vor, wie es ist, wenn ich zum Beispiel Abschied von meiner Mama nehmen muss", erzählt sie und bilanziert: "Ich bin zwar eigentlich nicht wie Thurba, aber wenn ich hierher ans Set komme, dann werde ich gleich zu ihr."

Zunächst mit einem Jungen geplant

Regisseur Jakob Zapf arbeit seit vier Jahren an seinem Herzensprojekt. Von Milena war er im Casting schnell überzeugt. "Mich hat vor allem ihr Blick fasziniert", sagt er. Ursprünglich sei ein Junge für die Rolle geplant gewesen. Das habe er nicht zuletzt deswegen geändert, weil ihm klar wurde, dass die Konstellation "männlicher Mentor trifft auf männlichen Schützling" im Film schon zu oft zu sehen war.

Zudem sei im Film der Vater der Familie im Krieg gestorben, so dass Thurba quasi zum "Mann im Haus" wird. Das habe er mit einem Mädchen einfach interessanter gefunden.

Für die Rolle des Konrads sei ursprünglich der Schauspieler Günter Lamprecht vorgesehen gewesen, mit dem er einen Kurzfilm gedreht hatte. "So ein Langfilm ist inzwischen aber zu anstrengend für einen 89-Jährigen", sagt Zapf. Prochnow habe er dann "einfach gefragt", letztendlich mit Erfolg.

"Der Film soll Verständigung fördern"

Dass die Figurenkonstellation von "Eine Handvoll Wasser" an den Hollywoodfilm "Gran Torino" von Clint Eastwood erinnert, ist gewollt, sagt Zapf: "Das ist schon ein Referenzfilm für uns, allerdings ist unser Ende anders." Zapf will mit seinem Film für Verständigung werben. "Es gibt immer noch zu wenig Kinofilme, die sich mit Flüchtlingsthemen auf eine Weise auseinandersetzen, sodass andere Leute sie verstehen und mitfühlen", sagt er.

"Wir haben ein sehr diverses Team, haben sehr gründlich recherchiert und am Drehbuch mit Leuten mit Fluchterfahrung gearbeitet", betont er. Der Film solle Menschen aus unterschiedlichen Welten abholen. Auf der einen Seite die Welt von Thurba, auf der anderen Seite die von Konrad: "Wenn Kunst neben Erbauung oder Unterhaltung einen Sinn hat, dann Verständigung und Empathie zu fördern."

Für Milena Pribak steht nach insgesamt drei Wochen Filmdreh jetzt wieder der Schulalltag an. Ihren Freundinnen hat sie jede Menge zu erzählen, sagt sie: "Die fanden es alle schon sehr cool, dass ich einen Film gemacht habe."