Der Eiserne Steg in Frankfurt spiegelt sich im dahinfließenden Wasser

Sie gilt als schönste Brücke in Frankfurt. Besonders beliebt ist der Eiserne Steg bei Liebenden. Aber auch Maler und Filmemacher haben sie verewigt. Am Sonntag wurde die Fußgängerbrücke 150 Jahre alt.

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Eisener Steg
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Keine Frage, vom Eisernen Steg hat man einen ganz besonderen Blick auf die Frankfurter Skyline. Hunderttausende Einheimische wie Gäste überqueren sie jährlich zu Fuß, wenn sie von der Frankfurter Altstadt über den Main in den Stadtteil Sachsenhausen wollen. Besonders beliebt ist sie auch unter Romantikern. Ungezählte Liebesschlösser hängen seit Jahren an den Geländern.

"Segelnd auf weindunklem Meer hin zu Menschen anderer Sprache", lautet der Spruch übersetzt, der an der Spitze der Brücke prangt - ein Zitat aus Homers "Odyssee" in griechischer Sprache.

Am Sonntag wurde die Fußgängerbrücke, die inzwischen auch ein Wahrzeichen Frankfurts geworden ist, 150 Jahre alt. Bereits am Freitag war die Brücke in ein besonderes Licht gerückt worden. Zwei Stunden lang wurde sie illuminiert. Pünktlich zum Jubiläum konnte dann auch die neue Beleuchtung der Brücke in Augenschein genommen werden.

Fotospot und Kulisse für Filmkomödie

"Der Eiserne Steg ist einer der beliebtesten Fotospots in Frankfurt mit einem tollen Blick auf die Frankfurter Skyline", schwärmt der Geschäftsführer der stadteigenen Tourismus und Congress GmbH, Thomas Feda. Tatsächlich posieren tagsüber wie nachts Menschen aus aller Herren Länder dort für Selfies und genießen den Ausblick.

Der Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer (38) verewigte die Brücke und ihre Kulisse 2011 in seiner Filmkomödie "What a Man". Und selbst Maler wie Ernst Ludwig Kirchner (1880 bis 1938) und Max Beckmann (1884 bis 1950) haben beides mehrfach in ihren expressionistischen Stadtansichten festgehalten.

Dabei hat eigentlich alles ganz anders - und deutlich unprosaischer - angefangen: Weil die Stadt auch vor mehr als 150 Jahren schon unaufhörlich wuchs, verlangten die Frankfurter nach einer weiteren Möglichkeit, den Fluss zu überqueren. Da der Magistrat auch damals schon Kosten scheute, nahmen die Bürger die Sache in die eigenen Hände. Am 30. Juni 1867 wurde eine "Actiengesellschaft zur Errichtung einer Eisernen Brücke am Fahrtor" gegründet.

Überquerung kostete ein Kreuzer

Diese verkaufte Anteilscheine, verzinst mit fünf Prozent. Binnen weniger Monate waren weit mehr als die zum Baubeginn veranschlagten 120.000 Gulden beisammen, so dass im selben Monat noch mit dem Bau begonnen, und das fertige Bauwerk bereits im Jahr darauf am 29. September 1869 eingeweiht werden konnte.

Refinanziert wurden die Kosten aus der Brückenmaut von einem Kreuzer. Bereits im ersten Vierteljahr zählte man 260.788 Nutzer bei nur 78.000 Frankfurter Einwohnern. So konnte der Eiserne Steg deutlich schneller als veranschlagt der Stadt übertragen werden. Vom Neujahrstag 1886 an war die Überquerung daher gratis. Seinem Konstrukteur Peter Wilhelm Schmick trug der erstmalige Bau einer derartigen, aus Schmiedeeisen gefertigten, versteiften Hängebrücke auf der Weltausstellung 1873 in Wien einen Fortschrittspreis ein.

Von der Wehrmacht gesprengt - schnell wieder aufgebaut

Am 25. März 1945 wurde der Eiserne Steg zusammen mit den übrigen Frankfurter Brücken von der Wehrmacht gesprengt, um den Vormarsch der US-Truppen aufzuhalten. Da die aus Metall bestehenden Bauteile zwar im Fluss versanken, aber intakt blieben, konnte die Brücke innerhalb weniger Monate wieder aufgebaut werden. Der Eiserne Steg wird heutzutage gerne genutzt als Treffpunkt in der Silvesternacht, als perfekter Aussichtspunkt bei Volksfesten und eben als Galerie für Liebesschlösser.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 27.09.2019, 21.45 Uhr