Szenebild "Erben der Nacht"

Vampirgeschichten - ist das Thema nicht tot? Die ARD-Serie "Erben der Nacht" beweist das Gegenteil. Hauptdarsteller Florian Bartholomäi erklärt den Reiz und sagt, warum die Serie für ein starkes Europa steht.

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Audioseite Die Serie "Erben der Nacht" ist ein Plädoyer für Europa

Szenenbild "Erben der Nacht" Staffel 2
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Wer denkt, Vampirgeschichten seien nach "Twilight" und Co. auserzählt, der irrt: In der NDR-Produktion "Erben der Nacht" findet sich die 15-jährige Vampirin Alisa aus Hamburg plötzlich auf einem Schiff mit anderen jungen Vampiren - den Erben - aus ganz Europa wieder. Dort lernt sie nicht nur, mit ihren Kräften umzugehen, sondern stellt sich auch gefährlichen Vampirjägern und keinem geringeren als Graf Dracula persönlich.

Die erste Staffel der Serie nach der gleichnamigen Roman-Reihe von Ulrike Schweikert erschien im vergangenen Oktober passend zu Halloween. Jetzt geht die Geschichte, die sich an Zehn- bis 16-Jährige richtet, weiter: in der ARD-Mediathek, im Ersten und im KIKA. Wenn sich Alisa für den finalen Kampf gegen Dracula rüstet, ist ein Mann immer an ihrer Seite: Hausdiener Hindrik, gespielt von Florian Bartholomäi.

Der Frankfurter schlüpfte dafür erstmals in die Rolle eines Vampirs. Er ist überzeugt: Die Blutsauger verlieren für Kinder und Jugendliche niemals ihren Reiz. "Vampire können nachts aufbleiben. Das dürfen viele Kinder nicht. Und ich glaube, diese Unsterblichkeit ist immer noch etwas, was Kinder und Jugendliche anzieht."

Die Serie löst sich bewusst von der Vorlage

Szenebild "Erben der Nacht"

Das scheint auch der Erfolg der ersten Staffel zu zeigen. Besonders on demand haben die ersten 13 Folgen gut funktioniert. Weil die Verfilmung in einigen Punkten abweicht von der Romanvorlage, gab es unter eingefleischten Fans aber auch Enttäuschung. "Ich finde es immer schön, wenn man die Buchvorlage, die Fantasie, nicht zerstört", erklärt Bartholomäi. Das bedeute auch, dass Buch und Serie sich voneinander unterscheiden könnten.

In den Büchern von Ulrike Schweikert kommen die Vampir-Erben beispielsweise nicht auf dem Schulschiff zusammen, sondern reisen auf anderem Weg durch Europa. "Das haben wir verändert, aber Kernpunkte sind beibehalten. Und wir haben es liebevoll gemacht. Ich glaube, das ist ganz wichtig, wenn man den Stoff einer Autorin nimmt, dass man damit liebevoll umgeht", so der Darsteller.

Die Aussage: Europa hält zusammen

Die erste und zweite Staffel der internationalen Koproduktion - zeitweise kamen 13 Nationen am Set zusammen - wurden 2018 und 2019 hintereinander in Norwegen, Kroatien, Lettland und Litauen gedreht. "So ein europäisches Projekt ist unfassbar selten. Und ich finde es toll, dass sich das in der Serie so widerspiegelt. Also dass man sieht, die Norweger sind anders als die Italiener, die Engländer, die Deutschen, aber trotzdem haben alle das gemeinsame Ziel und verbünden sich." Eine Botschaft, die nicht nur jüngere Zuschauer wichtig ist.

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Wir haben alle unseren Dracula namens Corona, gegen den wir uns verbünden müssen. Schauspieler Florian Bartholomäi Schauspieler Florian Bartholomäi
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Die Serie helfe dennoch besonders der jungen Generation, Europa zu erleben in einer Zeit, die grenzübergreifende Erlebnisse kaum möglich macht. "Man muss andere Sprachen mal hören, anderes Essen essen, andere Kulturen kennenlernen. Und das ist momentan schwierig. Deswegen ist es natürlich umso schöner, wenn man das im Fernseher sehen kann", findet Bartholomäi.

Signalwirkung für Netflix und Co.

Besonders die Originalfassung vermittelt dieses Gefühl, weil sie neben Englisch auch Szenen in beispielsweise norwegischer, italienischer oder französischer Sprache enthält. Die aufwendige Produktion lässt sich nicht nur als Völkerverständigung ansehen, sondern auch als Kampfansage an Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime - Spezialeffekte, CGI-Computereffekte und Stunts sorgen für einen hochwertigen Look.

Bartholomäi glaubt, damit internationalen Produktionen die Stirn bieten zu können: "Ich glaube ganz fest an den europäischen Film" sagt er. Die europäische Vielfalt in fiktionalen Stoffen darzustellen biete großes Potenzial für den Markt. Inwiefern es nach Staffel Zwei mit den Erben der Nacht weitergeht, kann er aber noch nicht sagen - Schuld ist, natürlich, Corona.

"Momentan wird nicht so viel gedreht. Ich bin sehr gespannt, wie die zweite Staffel angenommen wird, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern", gibt der Schauspieler zu bedenken. Aber einen Lichtblick gibt es für die Fans: Regisseur Diederik Van Rooijen habe schon einige Ideen für eine Fortsetzung um die Abenteuer von Alisa, Hindrik und den anderen Vampiren.

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Die "Erben der Nacht" sehen

Alle Folgen der ersten und zweiten Staffel gibt es in der ARD Mediathek und im KIKA-Player. Die Ausstrahlung im Ersten erfolgt am 23. Januar und am 06. Februar um 13 Uhr. Der KIKA zeigt die zweite Staffel ab 17. Februar täglich um 20.10 Uhr im Fernsehen.

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