Milky Chance auf der Bühne

Mit Honig, gutem Gewissen - und barfuß: Milky Chance ist auf Europa-Tournee. Ökologisch korrekt und bei Kirchentag-Atmosphäre verzaubert die Kasseler Band auch in Frankfurt die Fans.

Clemens Rehbein ist heiser. Aber dank eines naturreinen Hausmittelchens trotzdem gut gelaunt auf der Bühne der Frankfurter Jahrhunderthalle. "Ich habe Honig dabei!". Es ist am Mittwochabend fast ein Heimspiel für ihn und seinen Bandkollegen Philipp Dausch. Die Folktronica-Band ist seit 2012 Kassels heißer Pop-Export: weltweit erfolgreich und allein in sechs Ländern mit Platin veredelt. Und Clemens heisere Gesangsstimme ist das Markenzeichen von Milky Chance. "Nichts kann mich aufhalten, abzustürzen", heißt es im Konzertopener "Fallen".

Ökologischer Fußabdruck

Während Philipp seinen Auftritt barfuß bestreitet, kommt Clemens auf die wichtigen Themen dieser Zeit zu sprechen. "Wir sind ja weltweit unterwegs – und haben uns Gedanken gemacht zu unserem Fußabdruck". Gemeint ist die Ökobilanz des Projekts Milky Chance. Tatsächlich ist die Band außerhalb Europas am erfolgreichsten, in den USA verkauft sie die meisten Tonträger. Und demnächst bricht Milky Chance zu einer weiteren ausgedehnten US-Tour auf, zuletzt waren sie im brennenden Australien unterwegs. Da kann man schon ins Nachdenken kommen.

Ein T-Shirt wird am Merchandisingstand bedruckt

Bäume pflanzen wie Beuys

Man macht nicht nur Musik für die Generation Greta, man bietet den Fans auch einen nachhaltigen Merchandising-Stand, wo man seine von zuhause mitgebrachten Second-Hand-T-Shirts bedrucken lassen kann. Greenpeace und Viva Con Aqua haben weitere Stände im Foyer aufgebaut. Und Clemens kündigt an: "Wir werden 4.000 Bäume pflanzen, für jedes Ticket einen." Da hat die Kindheit in Kassel mit der Baumpflanzaktion von Joseph Beuys auf der Dokumenta 7 im Jahr 1982 ihre Spuren hinterlassen. "Ihr seid der schönste Wald", lacht Clemens in Frankfurt.

Lagerfeueratmosphäre mit Mundharmonika

Ohnehin fühlt man sich beim Konzert wie auf einem evangelischen Kirchentag. Die vier Musiker liefern mit "Daydraming" eine Prise Reggae, bei "Loveland" lassen sie Lagerfeueratmosphäre mit einer Mundharmonika aufkommen und "Fado" beamt Band und Publikum in lusophone Gefilde.


Mit ihrer housigen Gitarren-Erdigkeit erreichen Milky Chance ihr junges und ökologisch gesinntes Publikum. Sie liefern den Soundtrack für "Fridays for Future". Perlende Gitarrensoli vom Frontmann Clemens werden ebenso bejubelt wie die großen Hits "Stolen Dance" und "The Game".

Milky Chance auf der Bühne

Country als Techno-Update

Ihr Hit "Flashed Junk Mind" klingt wie ein Abisong. Und tatsächlich: Clemens und Philipp sind mit Milky Chance direkt nach dem eigenen Abitur durchgestartet, auf drei ausverkauften Touren durch Nordamerika spielten sie 2015 vor insgesamt rund 100.000 Menschen – nun also eine kräftezehrende Welttour.

Die jungen Fans des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders sind im Geist auch in der Jahrhunderthalle anwesend. Man kann sich gut vorstellen, warum gerade die Nordamerikaner so auf den folky-elektronischen Sound von Milky Chance abfahren. Es ist im Grunde ein Techno-Update von Country Music. Made in Hessen.