Alex Azary, Vorsitzender des Vereins MOMEM (Museum of Modern Electronic Music) steht in den Räumen des zukünftigen Museums an der Hauptwache in Frankfurt.

Die Fans elektronischer Musik müssen sich weiter gedulden, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Die Eröffnung des Museum Of Modern Electronic Music in Frankfurt verzögert sich. Immerhin geht der Innenausbau voran - und erinnert an beste Clubzeiten.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Technofans müssen sich noch gedulden

Alex Azary, Vorsitzender des Vereins "Friends of Momem" (Museum of Modern Electronic Music) vor dem zukünftigen Museum an der Hauptwache in Frankfurt.
Ende des Audiobeitrags

Mit Verzögerungen haben die MOMEM-Macher schon einige Erfahrung. Ursprünglich sollte das Museum of Modern Electronic Music 2019 an den Start gehen. Weil es Streit um die Finanzierung gab, verschob sich alles auf 2020 - dann kam Corona.

Aus dem zuletzt angedachten Termin im Frühsommer 2021 wird nun auch nichts, denn das Museum brauche eine anständige Eröffnung ohne Einschränkungen und Abstandsgebote. Das zumindest wünscht sich Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für das Museum, das nach der Fertigstellung "weltweit für Aufsehen sorgen wird."

Innenausbau fertig - Exponate fehlen noch

Noch ist davon nicht viel zu sehen. Doch der Innenausbau in der Zwischenebene der U-Bahn-Station an der Frankfurter Hauptwache geht voran und stimmt Mitbegründer Alex Azary optimistisch. Wenn es nach ihm geht, dann wird das MOMEM mehr als nur ein Museum. Es soll ein Kulturzentrum und eine Heimat für alle Aspekte der modernen deutschen Club-Kultur werden.

Ein noch sehr dunkler Raum mit wenigen Lichtschlitzen.

Noch sind die Räume allerdings leer. Die Wände sind schwarz gestrichen. An den vielen Säulen leuchten dünne Lichtstreifen. Dort werden bald Kopfhörer und Bildschirme angebracht, damit Besucherinnen und Besucher sich von dem riesigen Spektrum elektronischer Musik überzeugen können. Von Kraftwerk bis Daft Punk, von Sven Väth bis DJ Talla.

Sitzgelegenheiten und Bildschirme im vorderen Bereich sollen zum Verweilen einladen - wenn es wieder erlaubt ist. Alles erinnert an coole Lichtinstallationen in einem Club. Auch der Platz vor dem Museum soll umgestaltet und einbezogen werden.

Vergangenheit und Zukunft im Blick

Wenn die Räume sich nach und nach füllen, dann soll nicht nur Vergangenes seinen Platz finden. "Wir sind keine rückblickende Veranstaltung", betont Alex Azary, Vorsitzender des Vereins "Friends of MOMEM". "Wir widmen einen großen Teil des neuen Museums unserer 'Creator Stage'." In diesem Eventbereich werden Vorträge, Vorlesungen und Veranstaltungen stattfinden. Azary will so auch die aktuelle Musikentwicklung begleiten und einen Blick in die Zukunft der elektronischen Musik werfen.

Frankfurt, mit seinen legendären Clubs, wie dem Omen, dem Dorian Gray oder dem ersten Technoclub "No Name", gilt als Wiege der deutschen Technoszene. Doch "dass das mal museal wird, haben wir alle natürlich nicht gedacht", gesteht Oberbürgermeister Peter Feldmann beim Rundgang durch die künftigen Museumsräume. Die Macher dürften das etwas anders sehen.

Seit Jahren treiben Alex Azary, Techno-DJ Andreas Tomalla (DJ Talla) und Designer Stefan Weil das ehrgeizige Projekt voran, das weltweit erste Museum für elektronische Musik Realität werden zu lassen. Nach anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten und politischem Widerstand steht ihr Baby nun auf einem stabilen Fundament.

Innenstadt mit Kultur aufwerten

Die Corona-Krise sorgt nicht nur für die Verzögerung bei der Museums-Eröffnung, sondern befeuert auch die Diskussion um das künftige Gesicht der Innenstädte. Azary hofft, mit dem MOMEM den Standort an der Einkaufsmeile Zeil etwas aufzuwerten. "Wir wollen der Stadt ein Angebot machen, Kultur in die Innenstadt zu bringen und diesen Ort wieder positiv zu beleben.

"Wir müssen uns fragen, wie wir unsere Innenstädte im 21. Jahrhundert weiterentwickeln wollen und wie unsere schönen europäischen Städte lebenswert bleiben", sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und sieht im MOMEM eine "Chance für Frankfurt".

So wird das Museum für Technofans zu einem Hoffnungsträger in der Krise, der in Zukunft viele Menschen in die Stadt locken soll. Allerdings erst, wenn die Corona-Pandemie es zulässt. Einen konkreten Eröffnungstermin gibt es somit noch nicht. "Wenn alles gut läuft, vielleicht im Frühherbst", hofft Oberbürgermeister Feldmann.

Sendung: hr-iNFO, 3.03.2021, 17.30 Uhr