"Sach ma, von wo kummt ihr denn her? Aus Schlumpphause, bidde sehr!" So könnte künftig das Schlumpflied von Vader Abraham klingen. Denn zum ersten Mal überhaupt erscheint ein Schlumpf-Comic in einer Mundart - auf Hessisch.

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Audioseite Hessische Mundart-Übersetzung der Schlümpfe erscheint

Ein schwarzer und ein blauer Schlumpf
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Große Uffreschung in Schlumpphause: En Offenbacher Migg hat en schregglisches Virus ingeschleppt, das alle Schlümpp schwazz färbt unn aggressiv macht. Babba Schlumpp muss schleunichst een Geeschegift schlumppe, bevor das Virus ganz Schlumpphause befällt. (Zur Übersetzung geht's hier.)

Das ist - grob zusammengefasst - "Blauschlümpp unn Schwazzschlümpp", die erste von drei Geschichten eines neuen Schlümpfe-Bandes. Es ist der erste Band der Comic-Reihe überhaupt, der in einem Dialekt erscheint. Er heißt ganz schlicht "Die Schlümpp uff Hessisch".

Beeindruckt von der Asterix-Übersetzung

Er sei vor acht Jahren auf der Frankfurter Buchmesse mit der Mundart-Idee an den Splitter-Verlag herangetreten, erzählt Autor und Übersetzer Sascha Ehlert. Im Hinterkopf habe er "Asterix babbelt hessisch" von 1997 gehabt: "Ich war damals beeindruckt, dass man das so übersetzen kann." Verlagsgründer Horst Gotta, wie Ehlert gebürtiger Hesse, sei begeistert gewesen.

Zunächst waren die französische Rechteinhaber aber skeptisch, berichtet Ehlert, da der Verlag den Vertrieb in Deutschland gerade erst übernommen hatte. Ende vergangenen Jahres sei dann plötzlich eine Mail mit der Zusage gekommen, ab dem 1. Mai ist er nun im Handel erhältlich.

Zaubertrank aus "Sauergeschbrizzde"

Angriff schwarzer Schlümpfe auf blaue Schlümpfe

Auf Hochdeutsch übersetzt lautet die erste Geschichte so: Eine Offenbacher Mücke schleppt ein Virus nach Schlumpfhausen ein, das die kleinen blauen Figürchen schwarz färbt und aggressiv macht. Papa Schlumpf muss schnellstens ein Heilmittel finden.

In der zweiten Geschichte des Bandes sucht der böse Zauberer Gargamel den Stein der Weisen, mit dem er "aus alle möschlischem Metall Gold mache kann". Dazu muss er einen Zaubertrank aus einem "Sauergeschbrizzde", "Appelkorn" und einem Schlumpf brauen. In der dritten Geschichte träumt der Schlumpf Fauli vom "Fliesche". Alle drei Geschichten basieren auf bekannten, schon auf Hochdeutsch erschienenen Schlümpfe-Comics.

Geschichten perfekt für hessische Übersetzung

Die Geschichten seien vorgegeben gewesen, schildert Ehlert, sie hätten aber perfekt für eine Übersetzung ins Hessische gepasst. Das hessische Schlumpphause liege nun am Rande des Riederwalds und wer nach Offenbach wolle, müsse durch eine dunkle Höhle am Fuße des Bieberer Bergs.

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Auch die Rollen waren schnell klar: "Die Schwazzschlümpp sind halt die Drecksäck aus Offebach geworden und die Blauschlümpp, das sind die aus dem Riederwald", so Ehlert schmunzelnd. Auch viele Redewendungen hätten perfekt gepasst wie "Lumbeseggel", "alleweil" oder eben "Drecksäck". Dass er sich dabei am südhessischen Frankfurterisch orientiert habe, liege einfach daran, dass es "im innerdeutschen Ausland" der bekannteste hessische Dialekt sei.

"Die Offenbacher sind cool"

Vor Unmut aus Offenbach fürchtet sich Ehlert dabei nicht: "Die Offenbacher sind cool", sagt er lachend. "Ich habe ja selbst Verwandtschaft dort. Das können die schon ab." Die Geschichte von den blauen und schwarzen Schlümpfen sei seine Lieblingsgeschichte, weil sie so aktuell sei: Es gehe schließlich um die Suche nach einem Heilmittel gegen ein schreckliches Virus.

Wenn sich die Mundart-Schlümpfe gut verkaufen, könnte es in Zukunft weitere Bände geben, verrät Ehlert. "Ich kenne die Schlümpfe schon seit Kindertagen, sie waren ja schon vor mir da", lacht er. "Und sie haben nur auf mich gewartet, damit sie endlich auf Hessisch babbeln können."

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Die Schlümpfe

Seit 1958 haben die kleinen blauen Männ- und Weibchen mit den weißen Mützen die Popkultur erobert. Erfinder ist der belgische Zeichner und Autor Peyo (Pierre Culliford, 1928 -1992). Im Jahr 1969 erschienen die Schlümpfe in Deutschland erstmals als Comic im Fix-und-Foxi-Magazin. Zunächst waren sie noch Nebenfiguren der Reihe "Johann und Pfiffikus", die ebenfalls aus der Feder von Peyo stammt und damals noch "Prinz Edelhart" hieß. Seit 2011 vertreibt Splitter im toonfish-Imprint die aktuelle Alben-Serie des französischen Verlags Dupuis beziehungsweise von IMPS, des internationalen Rechteinhabers der Peyo-Franchises.

Sascha Ehlert ist 46 Jahre jung, kam in Wiesbaden zur Welt und wuchs in Idstein auf. Er ist unter anderem Autor der Kinderbuchreihe "Zahnindianer" und Erfinder des "Stinkefingereinhorns".

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Sendung: hr4, 30.04.2021, 07.30 Uhr