Audio

Audioseite Liberty Adrien und Carina Bukuts: Frankfurts erstes feministisches Kuratorinnen-Duo

Zwei Frauen stehen vor einer Glastür.

Liberty Adrien und Carina Bukuts bilden die erste weibliche Doppelspitze einer Frankfurter Kunstinstitution. Sie wollen den Portikus auf der Maininsel bekannter machen - und einen Kunstraum schaffen, der vor allem Künstlerinnen zeigt.

Der Portikus ist ein verstecktes Kleinod auf der Maininsel. Die meisten lassen ihn unbeachtet links liegen, wenn sie die Alte Brücke zwischen Mainkai und Sachsenhäuser Ufer überqueren. Dabei ist er etwas Besonderes: nämlich die deutschlandweit einzige Kunsthalle einer Hochschule - und die einzige in Frankfurt, die keinen Eintritt kostet.

Die neuen Kuratorinnen Liberty Adrien und Carina Bukuts wollen ihn nun bekannter machen. Die Deutsch-Amerikanerin Bukuts und die Französin Adrien kennen sich mit Sammlungen aus und haben bereits Mut und Gründergeist bewiesen: mit eigenen kleinen Kunsträumen und kollektiven Kunstprojekten, unter anderem in Hamburg, Berlin und Frankfurt. Auf die Stelle am Portikus haben sie sich als Kollektiv beworben.

In diesem Sommer haben sie erstmals gemeinsam ein Projekt kuratiert: einen Ausstellungsparcours durch den öffentlichen Raum im Berliner Stadtteil Charlottenburg, die "Balade Berlin". An neun Stationen gingen Berliner Künstlerinnen und Künstler der Geschichte und Gegenwart des Ortsteils nach, ausgestellt unter anderem an Litfasssäulen und Kiosken. Ein ähnliches Konzept könnten sich die beiden auch für Frankfurt vorstellen - wenn auch nicht eins zu eins kopiert.

Der Portikus soll Sichtbarkeit schaffen

Carina Bukuts erklärt: "Der Portikus sitzt ja auf einer Brücke und wir wollen ihn nutzen, um Brücken in die Stadt zu bauen. Das bedeutet auch, dass wir gerne mit unterschiedlichen internationalen, aber auch lokalen Institutionen in der Nachbarschaft kooperieren möchten."

Ein rotes schmales Haus mit Spitzdach auf einer Maininsel, daneben eine Brücke

Die Frauen möchten nicht nur dem Portikus zu mehr Sichtbarkeit in der Stadt verhelfen, sondern den Ausstellungsraum nutzen, um diejenigen sichtbarer zu machen, die meist unterrepräsentiert sind in westlichen Museumssammlungen und Ausstellungshallen, in Galerien und in der Kunstgeschichte. So machten in der Regel Kunstwerke von Frauen in Ausstellungen nur rund 25 Prozent aus, kritisiert Liberty Adrien.

Sie selbst wollen im Frankfurter Portikus Künstlerinnen aus aller Welt zeigen. Aber auch männliche und queere Künstler, vor allem aus dem globalen Süden, sollen hier eine Plattform finden.

"Wir wollen in Kontakt kommen"

Mindestens einmal im Monat wollen die beiden Kuratorinnen selbst vor Ort sein, um mit Führungen und Kunst-Spaziergängen durch den Stadtraum Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung für den Portikus zu begeistern. Zwischen den verschiedenen Ausstellungen planen sie Lesungen, Gesprächsrunden und Filmvorführungen. "Ein großer Teil unserer Arbeit ist auch, nicht nur Ausstellungen oder Events zu konzipieren, sondern als Mensch da zu sein. Wir wollen in Kontakt kommen", so Liberty Adrien.

Dazu passt auch die erste, für Juni vorgesehene Ausstellung um Asad Raza. Der US-amerikanischer Künstler mit pakistanischen Wurzeln arbeitet oft mit anderen zusammen: mit Minderheiten, Jugendlichen, anderen Kunstschaffenden oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Seine ortsspezifischen Arbeiten bringen meist keine Objekte wie Skulpturen oder Bilder hervor, sondern bestehen darin, dass Menschen an einem bestimmten Ort zusammenkommen, um sich auszutauschen und etwas Bestimmtes miteinander zu tun - singen, Schach spielen oder Erde umgraben zum Beispiel.

Kuratorinnen-Duo setzt auf interkulturellen Austausch

In den Austausch kommen wollen Bukuts und Adrien nicht nur mit den ausstellenden Kunstschaffenden sowie den Besucherinnen und Besuchern, sondern auch miteinander. "Dadurch, dass man zu zweit ist, stellt man sich natürlich ganz andere Fragen. Es gibt immer ein Prüfen der Idee mit dem jeweils anderen, was man als Einzelperson nicht so hat", findet Bukuts.

Sie profitierten besonders davon, dass sie sehr unterschiedliche Blickwinkel auf Kunst und Kunstbetrieb mitbrächten - sozusagen die "deutsche Brille" und die "französische Brille". Dieser interkulturelle Input führe häufig zu völlig neuen Ideen, sagen Bukuts und Adrien. Das erste weibliche - und feministische - Kuratorinnen-Duo Frankfurts könnte sich für die Stadt als echter Glücksfall erweisen.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen