Lebendmodell eines Urpferds aus der Grube Messel mit Reh- und Damwildhaaren

Vor 25 Jahren nahm die Unesco die Grube Messel mit ihren einzigartigen Fossilien in die Welterbeliste auf. Zum Jubiläum erweckt ein Modell ein 48 Millionen Jahre altes Urpferd beinahe zum Leben.

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Braunes Fell mit hellen Zeichnungen an Kopf und Bauch, dunkle Kulleraugen, nicht viel größer als ein Dackel: So blickt das Urpferd den Besuchern aus einer Glasvitrine entgegen. Und so könnte das vor Millionen von Jahren lebende Tier tatsächlich ausgesehen haben. Was nun im Hessischen Landesmuseum Darmstadt (HLMD) zu sehen ist, ist das erste Lebendmodell eines Urpferds.

"Das war eine Sisyphusarbeit. Jedes Haar musste einzeln in die Silikonhaut gestochen werden", berichtet Susan Steinmetzger am Dienstag bei der Präsentation im HLMD. Rund 270 Arbeitsstunden hat die Präparatorin mit einer Kollegin in das Modell gesteckt.

Präparatorin Susan Steinmetzger vom Landesmuseum Darmstadt mit Materalien zur Modellierung eines Urpferds aus der Grube Messel

Für das Fell wählten sie eine Mischung aus Reh- und Damhirschhaaren. Zuvor hatten sie geschaut, welche Fellfarbe Tiere haben, die heutzutage in subtropischen Wäldern leben. Das Ergebnis: ein possierliches Tier, dass sich gut im Unterholz tarnen könne, sagt Steinmetzger.

"Ein spektakulärer Fund"

Von Größe und Aussehen her ähnelt das Urpferd einem Tapir-Baby. "Mit heute lebenden Pferden sind die Messler Urpferde nur entfernt verwandt", sagt Torsten Wappler, Kurator der Sonderausstellung "Urpferd 2.0" (bis 25. April 2021). In der Evolution der Pferde spielten sie dennoch eine wichtige Rolle.

Als Grundlage für das Lebendmodell diente der jüngste Fund eines Urpferds in der Grube Messel, die die kleinen Urzeit-Paarhufer zum Wappentier erkoren hat. 2015 gruben Forscher in der stillgelegten Ölschiefergrube vor den Toren Darmstadts ein besonders gut erhaltenes Fossil aus. "Es war ein spektakulärer Fund, weil das Urpferd nicht in Einzelteilen, sondern fast vollständig auf einer Platte geborgen wurde", sagt Wappler. Das Skelett des Urpferdchens wurde im Lauf der Zeit auf wenige Zentimeter zusammengedrückt.

Lebensmodell eines Urpferds aus der Grube Messel

Bislang gruben die Forscher in Messel rund 70 Skelette von Pferdeurahnen aus. Berühmt wurde die Grube Messel vor allem mit dem auf den Namen "Ida" getauften fast vollständig erhaltenen Skelett eines frühen Primaten.

"Digitale Technik erlaubt neuen Blick"

Anlass für die Sonderschau ist, dass die Weltkulturorganisation Unesco die Grube Messel vor 25 Jahren als erstes Naturdenkmal in Deutschland in die Welterbeliste aufnahm. Im Landesmuseum sind neben dem neuartigen Modell das Original-Fossil, ein 3D-Modell aus dem Computertomographen und ein rekonstruiertes Urpferd-Skelett aus einem 3D-Drucker zu sehen.

Im Landesmuseum finden sich die meisten Messel-Fossilien und -Fundstücke. Für Museumsdirektor Martin Faass stößt die Ausstellung in ganz neue Dimensionen vor, "weil durch die digitale Technik ein ganz neuer Blick auf das Leben in Hessen vor 48 Millionen möglich ist". Das Urpferd sei beinahe wieder zum Leben erwacht und gebe Einblick in eine Welt nach dem Aussterben der Dinosaurier und Ewigkeiten vor dem Auftauchen des Menschen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.08.2020, 19.30 Uhr