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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie Arolsen Archives Nazi-Opfer vor dem Vergessen bewahren will

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"Every name counts - Jeder Name zählt" heißt die Initiative der Arolsen Archives, um den Verfolgten des Nationalsozialismus ein digitales Denkmal zu errichten. Bei der Erschließung der 30 Millionen Dokumente des Archivs sind freiwillige Helfer gefragt.

Die Archive von Bad Arolsen waren früher als internationaler Suchdienst für Holocaust-Opfer bekannt. An dem Ort liegen noch heute rund 30 Millionen Dokumente mit Namen aus der NS-Zeit, die jetzt in einer beispiellosen Aktion erfasst und digitalisiert werden, damit auch die zukünftigen Generationen sich an die Namen und Identitäten der Opfer erinnern können.

Verschleppung und Vernichtung als Verwaltungsaufgabe

"Für die Nationalsozialisten waren die Verschleppung, Verhaftung und spätere Vernichtung der Opfer eine Verwaltungsaufgabe", erklärt Floriane Azoulay, Leiterin der Archive. Sie verwaltet Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden, Transportkarteikarten und sonstige Akten aller Menschen, die in die Tötungsmaschinerie der NS-Beamten gerieten.

Eine Hand zieht einen Karteikasten aus einem regal im Arolsen Archiv

Um die Massen an Papier-Unterlagen überhaupt auswerten und zum Beispiel den Nachkommen der Opfer zugänglich machen zu können, hat Azoulay die Hilfe von Schülerinnen und Schülern gesucht.

"Das Ausmaß und die Menge von Opfern haben mich mitgenommen"

Malte Gerlach aus der Albert-Schweizer-Schule in Kassel nahm mit seinem Geschichtsleistungskurs an der Initiative "Every name counts" teil. Seine Einblicke haben den 18-Jährigen nachhaltig beeindruckt: "Mich persönlich nimmt das mit, dieses Ausmaß und diese Menge an Opfern. Das sind ja alles Einzelschicksale, wo ein Mensch aus dem Leben gerissen wurde. Das kann ich mir schwer vorstellen."

Auch Charlotte Nickel vom Gymnasium Philippinum in Weilburg half mit ihrer Arbeit, die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit für immer aufrecht zu erhalten. Sie sagt: "Vor dem Projekt war mir zwar bewusst, dass viele grausame Verbrechen in der Zeit des Dritten Reiches begangen wurden, aber durch das Projekt wurde mir nochmal verdeutlicht, wieviele es wirklich waren. Besonders die Schicksale der Kinder haben mich berührt. Und deswegen bin ich froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte."

Weitere Informationen

Was ist Citizen Science?

Mit "Bürgerforschung" werden Methoden und Fachgebiete der Wissenschaft bezeichnet, bei denen Forschungsprojekte unter Mithilfe von oder komplett durch interessierte Laien durchgeführt werden. Sie formulieren Forschungsfragen, recherchieren, melden Beobachtungen, führen Messungen durch, publizieren oder werten - wie bei den Arolsen Archives - Daten aus.

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Erinnerung bewahren helfen

Videobeitrag

Video

zum Video Frankfurt gedenkt Opfern des Holocausts

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Mit dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar hofft Archivleiterin Floriane Azoulay, dass die Initiative einen neuen Schub erhält. Auch ohne Geschichtsstudium können Freiwillige über die Plattform Zooniverse bei der Erfassung von Material mithelfen - und beitragen, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren. Eine lohnende Aufgabe, findet Azoulay: "Jeder Freiwillige weiß: Diese fünf Minuten, in denen ich diese Namen eingebe, sind für die Ewigkeit. Das hat etwas sehr Rührendes, Persönliches, Intimes. Und man nimmt an etwas ganz Großem teil."

Sendung: hr-iNFO, 27.01.2021, 09:00 Uhr