Ein Model läuft über den Laufsteg der Fashion Week in Berlin.

Nach dem Verlust der Automobilmesse IAA setzt Frankfurt auf ein neues Aushängeschild: Ab 2021 sollen internationale Modemacher durch die Stadt flanieren. Die Berlin Fashion Week erhält am Main ein neues Konzept, die Stadt hofft auf einen Batzen Geld, und Modeschöpfer Joop gibt schon seinen Segen.

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Aus der Hauptstadt in die Mainmetropole: Die bislang in Berlin angesiedelte Fashion Week zieht nach Frankfurt um. Das gab der Veranstalter der Modemesse, die Premium Group, am Montag bekannt. Nach rund 20 Jahren in Berlin soll die Fashion Week vom 6. bis 8. Juli 2021 erstmals in Frankfurt stattfinden.

Dabei soll die Messe nicht nur auf den Laufstegen einen ganz neuen Look erhalten: Mit begleitenden Veranstaltungen und Konferenzen soll die Messe in die gesamte Stadt eingebunden werden - und so neben der Einkaufsstraße Zeil auch der Eiserne Steg zum Catwalk werden.

Stadt erwartet 200 Millionen Euro Einnahmen

Von der Ausrichtung der Fashion Week erhofft sich die Stadt nach dem Wegfall der Automobilmesse IAA einen wirtschaftlichen Ausgleich: "Wir rechnen mit über 200 Millionen Euro pro Jahr für unsere Heimatstadt und die Region", sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Hotellerie, Gastronomie und Verkehr würden dadurch angekurbelt. "Damit wird die Wirtschaftsmetropole Frankfurt zum neuen Hotspot der Fashion- und Lifestyleszene und zur neuen internationalen Fashionmetropole", so Feldmann.

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zum hr2.de Audio "Frankfurt war immer schon eine Mode- und Textilstadt."

Jan Gerchow
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Dafür wollen Stadt und Land nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa zunächst kräftig investieren: Zehn Millionen Euro soll die Realisierung in den kommenden drei Jahren kosten. Die künftige Frankfurt Fashion Week sei für den Messestandort Frankfurt von großer wirtschaftlicher Bedeutung, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). "Das ist ein wichtiges und positives Signal für eine von den Folgen der Corona-Pandemie gebeutelte Branche", sagte er.

"Mailand und Paris die Stirn bieten"

Für die Wiederbelebung der Fashion Week sei Frankfurt der richtige Ort, sagte Veranstalterin Anita Tillmann. Die Messe könne von den verschiedenen Subkulturen profitieren, solle in der Mainmetropole "leben und erlebbar sein". Die Berlin Fashion Week sei nicht mehr zeitgemäß gewesen. "Man kann und muss sie neu denken. Wir machen sie wieder relevant", so Tillmann.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie Frankfurt die Fashion Week wiederbeleben will

Models auf dem Laufsteg der Dubai Modest Fashion Week
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Mit den großen Modestädten wie Mailand und Paris könne sich Frankfurt bislang zwar nicht messen. "Aber wir sind schon angetreten, um den anderen großen Fashion Weeks die Stirn zu bieten."

Messe soll internationaler und nachhaltiger werden

Dazu soll die Fashion Week vor allem eines: internationaler werden. "Unsere Stärke liegt im Vertriebsnetz der Stadt", sagte der Geschäftsführer der Messe Frankfurt Detlef Braun. In der Stadt fänden bereits 60 Textilveranstaltungen im Jahr statt, 24.000 Unternehmen aus der Textilwirtschaft stellten jährlich auf dem Messegelände aus. "Mode kommt nun als Sahnehäubchen oben drauf."

Neben Internationalität soll sich die Fashion Week in Frankfurt stärker auf Nachhaltigkeit fokussieren. Neben den etablierten Teil-Messen "Premium" und "Seek" gehört künftig auch die seit einigen Jahren in Berlin gezeigte nachhaltige Messe "Neonyt" zum Herzstück der Frankfurt Fashion Week.

Die Veranstalter rechnen für die erste Modemesse am Main mit 140.000 Besuchern aus 100 Ländern. Das Konzept für die gesamte Messe wird in den kommenden Monaten entwickelt und soll im Herbst vorgestellt werden. Die Fashion Week fand in Berlin zuletzt zweimal im Jahr mit jeweils rund 70.000 Besuchern statt.

Segen von Modeschöpfer Joop

Modeschöpfer Wolfgang Joop hält den Umzug der Modemesse auch mit Blick auf die Corona-Krise für nachvollziehbar. "Frankfurt hat vielleicht wirklich was Pragmatisches. Es ist eine Business- und Bankenstadt wie Mailand", sagte Joop am Montag. In Berlin habe vor allem Partystimmung in der Luft gelegen. "Aber das reicht eben heute nicht aus, wo Leute alles neu bedenken müssen und sich überhaupt überlegen müssen, wie es weitergeht", sagte der Modeschöpfer: "Ich bin sehr, sehr beruhigt, dass wir überhaupt noch eine Modemetropole haben werden. Das ist eigentlich die Hauptsache."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.06.2020, 19.30 Uhr