Till Lindemann - Frontmann von Rammstein - in Großaufnahme auf der Bühne der Commerzbankarena
Rammstein-Frontmann Till Lindemann beim Auftritt in Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Gesamtkunstwerk mit hohem Spaßfaktor: Deutschlands Weltstars von Rammstein haben im Frankfurter Waldstadion eine Show der Superlative abgeliefert – und wurden von 40.000 Zuschauern frenetisch gefeiert.

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Neun Jahre haben Rammstein nichts mehr veröffentlicht, jetzt sind die sechs Weltstars aus Deutschlands Osten mit ihrem neuen Album auf europaweiter Stadiontour. Am Samstag haben sie für ihr letztes Deutschland-Konzert in diesem Jahr Station im Frankfurter Waldstadion gemacht.

Die rund 40.000 Tickets waren binnen weniger Minuten ausverkauft, entsprechend groß waren auch die Erwartungen - und Rammstein haben abgeliefert: Mit einer Show der Superlative versetzten sie die Zuschauer in der WM-Arena regelrecht in Ekstase.

Rammstein in der Commerzbank Arena
Rammstein in der Commerzbank Arena Bild © Patrik Meyer/Stadion Frankfurt Management

Wie eine gut geölte Maschine

Was Rammstein da wortwörtlich auf die Bühne brannten, war kein Rock-Konzert im klassischen Sinne - das war eine bis ins letzte Detail perfekt inszenierte Metal-Oper.

Jedes Rad griff ins andere, wie bei einer gut geölten Maschine. Rammstein hatten die Masse von der ersten Sekunde an fest im Griff und ließen sie bis zum finalen Showdown nicht mehr los.

Rammstein Frankfurt
Bild © Patrik Meyer/Stadion Frankfurt Management

Längst steht bei Rammstein nicht mehr die Musik im Mittelpunkt. Das neue Album ist kaum mehr als eine Aneinanderreihung gefälliger Stücke nach bewährtem Band-Muster. Die ungekünstelte Anarchie des grandiosen Erstlingswerks "Herzeleid" schimmert nur noch gelegentlich durch.

Gesamtkunstwerk mit hohem Spaßfaktor

An diesem kühlen Sommerabend in Frankfurt spielte die Musik aber nur eine von vielen Rollen. Gnadenlos brachialer Sound, martialische Pyroeffekte und eine begeisterte Zuschauermasse verschmolzen im rauchgeschwängerten Stadionrund zu einem Gesamtkunstwerk - mit extrem hohen Spaßfaktor.

Alter Falter, was für 1 Show war das denn? 😲🔥🚀 #Rammstein #Frankfurt

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Als Sänger Till Lindemann etwa bei "Mein Teil" seinen Keyboarder Flake mit einem Flammenwerfer in der Größe einer Flak über die Bühne jagte oder bei "Sonne" das halbe Stadion in Flammen stand und man die Hitze bis unter das Dach spürte, machte sich unweigerlich ein wohliges Kribbeln in der Magengrube breit. Da fühlte man sich wie ein kleines Kind, das vom Feuer fasziniert seine erste Silvesterrakete anzündet. Von diesen Momenten gab es in Frankfurt noch etliche mehr.

Kaum Zeit zum Durchatmen

Über zwei Stunden lang spielten Rammstein neben den neuen Songs auch ihre größten Hits. Den Zuschauern blieb inmitten des unbarmherzigen Licht- und Pyrogewitters keine Zeit zum Durchatmen. Und als 40.000 Kehlen voller Inbrunst den Refrain von "Engel" sangen, dürfte selbst der härteste Rocker eine Gänsehaut bekommen haben.

Rammstein Frankfurt
Bild © Patrik Meyer/Stadion Frankfurt Management

Wer sich bei Rammstein an den blutrünstigen, oft pornografischen ("Überall das dralle Fleisch, Ich schau' dir tief in das Geschlecht") und bewusst provozierenden Textzeilen ("Deutschland, mein Herz in Flammen, will dich lieben und verdammen") sowie der entfernt an Leni Riefenstahl erinnernden Bühnen- und Lichtästhetik stoßen möchte, kann dies gerne tun - hätte sich damit an diesem Abend aber gehörig den Spaß verdorben.

Die sechs in der DDR aufgewachsenen Musiker machen keine Politik, sondern einfach nur extrem unterhaltsamen Metal, verpackt in einer Show, die weltweit ihresgleichen sucht. Wer sich darauf eingelassen hat, hat auch genau das bekommen: extrem gute Unterhaltung. Nicht mehr, aber auch kein bisschen weniger.